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Fachsprachliche Lexikographie

Konzeptionen von bilingualen Wörterbüchern der Fachsprache Wirtschaft für das Sprachenpaar Deutsch und Polnisch

von Joanna Konieczna-Serafin (Autor:in)
Monographie 184 Seiten

Zusammenfassung

Die Monographie konzentriert sich auf die Konzeptionen von deutsch-polnischen und polnisch-deutschen Wörterbüchern der Fachsprache Wirtschaft. Gegenstand der Analyse sind ausgewählte bilinguale und biskopale Nachschlagewerke, die im Zeitraum 1992-2013 in Polen erschienen sind. Die Untersuchung umfasst drei Ebenen: die Makro-, Mikro- und Mediostruktur der Wörterbücher. Im Rahmen dieser Strukturen behandelt die Monographie solche Fragen, wie Lemmaselektion, Präsentation lexikographischer Daten im Wörterbuch(artikel), Direktionalität des Wörterbuchs, die in jeder Konzeption relevant sind.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Title
  • Copyright
  • Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • 1 Zur Entwicklung und zum Stand lexiko- und fachlexikographischer Forschung – aus polnischer Perspektive
  • 1.1 Lexikographie und Fachlexikographie
  • 1.2 Die Anfänge der Lexikographie
  • 1.2.1 Die Anfänge der polnischen Lexikographie
  • 1.2.2 Die Anfänge der deutschen Lexikographie
  • 1.3 Die Entwicklung der Wörterbuchkonzeptionen in der polnischen Lexikographie
  • 1.4 Die Entwicklung der Wörterbuchkonzeptionen in der deutschen Lexikographie
  • 2 Benutzerorientierte Fachlexikographie
  • 2.1 Fachsprachenauffassungen und -modelle
  • 2.2 Fachwörterbuch und Enzyklopädie
  • 2.2.1 Fachtext und Wörterbuchbenutzung
  • 2.2.2 Das Fachwörterbuch als Vermittlungstext für Fachwissen
  • 2.2.3 Fachwörterbuch als Textsorte?
  • 2.3 Funktionen des Wörterbuchs
  • 3 Strukturen im Wörterbuch
  • 3.1 Makrostruktur
  • 3.2 Mediostruktur
  • 3.3 Mikrostruktur
  • 3.4 Aufbau des Wörterbuchartikels
  • 3.4.1 Lemma, Adresse, infralemmatische Adresse
  • 3.4.2 Enzyklopädische Angaben im bilingualen Fachwörterbuch
  • 3.4.3 Definitionen und Äquivalente im Wörterbuch
  • 4 Bilinguale Wörterbücher der Fachsprache Wirtschaft im Vergleich
  • 4.1 Untersuchungskorpus und Methode
  • 4.2 Funktionen bilingualer Wörterbücher
  • 4.3 Makrostrukturen
  • 4.4 Mediostrukturen
  • 4.5 Lemmatisierung von monolexikalen Einheiten
  • 4.6 Lemmatisierung von polylexikalen Einheiten
  • 4.7 Mikrostrukturen
  • 5 Ergebnisse – Schlussfolgerungen – lexikographische Desiderate
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Quellenverzeichnis
  • Literatur

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Einleitung

Mein Interesse an bilingualer Lexikographie geht auf ein Buch von Günther Drosdowski mit dem ansprechenden wie überraschend intertextuellen Titel „Die Leiden des Wörterbuchmachers. Bekenntnisse eines Verdammten“ (Drosdowski 1992) zurück. Günther Drosdowski, der jahrelange Leiter der Dudenredaktion des Bibliographischen Instituts, beschreibt im erwähnten Buch die Entwicklung seines Interesses an Nachschlagewerken, an Wörterbuchschreibern und am Prozess des Wörterbuchschreibens (Drosdowski 1992: 15). Letzterer verlangt vom Lexikographen viel Akribie, sodass die Vorbereitung eines Wörterbuches nur als Strafe für einen Verdammten verstanden werden könnte. Seinem Buch stellt Drosdowski ein Gedicht von Kaspar Stieler voran, veröffentlicht in der Vorrede des Teutschen Sprachschatzes von 1691 mit dem folgenden Zitat: „Man laß’ ein Wörterbuch nur den Verdammten schreiben“ (Drosdowski 1992: nicht nummerierte Seite aus der Widmung).

Das vorliegende Buch stellt eine veränderte und bearbeitete Fassung meiner Dissertation dar, die am 19. Juni 2012 an der Philologischen Fakultät der Jagiellonen-Universität eingereicht und erfolgreich verteidigt wurde. Beim Verfassen des theoretischen Teils war ich darauf bedacht, mir einen möglichst umfangreichen Überblick über die Problematik mono- und bilingualer Wörterbücher zu verschaffen und sie in der vorliegenden Arbeit auch so darzustellen. Da nicht alle diesen Bereich eruierenden Publikationen in die vorliegende Studie einbezogen werden konnten, werden im theoretischen Teil nur jene Arbeiten herangezogen, die für die durchgeführten Untersuchungen relevant sind.

Bei der Vorbereitung der Druckversion war ich auch darauf bedacht, den Forschungsstand nach 2012 zu aktualisieren. Ziel meines Forschungsvorhabens war, die bilingualen deutsch-polnischen und polnisch-deutschen Printwörterbücher1 der Fachsprache Wirtschaft zu untersuchen, um ihre Konzeptionen zu ermitteln. Die herangezogenen Nachschlagewerke sind bilinguale Wörterbücher der Fachsprache Wirtschaft, die im Zeitraum 1992-2010 in Polen herausgegeben wurden. Es muss jedoch angemerkt werden, dass die Wörterbuchkonzeptionen die hier angenommenen 18 Jahre überschreiten, da die Grundlagen für das jeweilige Wörterbuch meist Jahre vor seinem Erscheinen geschaffen wurden.

In die Monographie wurde auch die Neuauflage des erstmals 2006 erschienenen Wörterbuchs für Finanz- und Buchprüfung (Kubacki 2013) miteinbezogen.

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Die vorliegende Arbeit basiert vornehmlich auf Untersuchungen zur Metalexikographie im Bereich der mono- und bilingualen Wörterbuchforschung von Herbert Ernst Wiegand.

Das Problem der praktischen Lexikographie wurde von Miodunka 1989 formuliert und ist heute immer noch aktuell:

„Trudno znaleźć słownik, w którym by zrealizowano do końca i bezbłędnie wszystkie założenia wstępne […] i który zadowoliłby wszystkich czytelników.“ (Miodunka 1989: 30)

<Es ist nicht einfach, ein Wörterbuch zu finden, im dem man alle Voraussetzungen der Konzeption vollständig und einwandfrei realisiert hätte […] und das alle Benutzer zufrieden stellen würde.> (J.K.-S.)2

Dass sich ein Wörterbuch nicht an jeden Benutzertyp richten kann, haben die Autoren zahlreicher Nachschlagewerke erkannt. Im untersuchten Zeitraum wurden Wörterbücher entwickelt, die für einen genau bestimmten Benutzertyp konzipiert sind. Diese Tendenz ist auch in der heutigen praktischen Lexikographie für das Sprachenpaar Deutsch-Polnisch beobachtbar.

Da die Entwicklung der bilingualen Fachlexikographie in enger Verbindung mit jener der Allgemeinsprachen sowie mit der monolingualen Lexikographie steht, und da die Metalexikographie immer wieder auf bewährte Konzeptionen der praktischen Lexikographie zurückgreift, ist es unumgänglich und völlig berechtigt, diese mit der Darstellung des Forschungsstandes hinsichtlich der allgemeinsprachigen Lexikographie in Deutschland und in Polen zu beginnen.

1 Der Terminus Printwörterbuch wird nach Wiegand (1998a: 65, 134, 239) verwendet.

2 Die Übersetzungen der Verfasserin werden mit der typographischen Markierung <…> und mit Initialbuchstaben J.K.-S. gekennzeichnet.

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1 Zur Entwicklung und zum Stand lexiko- und fachlexikographischer Forschung – aus polnischer Perspektive

In der Geschichte der Lexikographie für das Sprachenpaar Deutsch und Polnisch unterscheiden die Lexikographen drei Perioden. Die erste Periode dauert von den Anfängen der Lexikographie bis zum 18. Jahrhundert, die Grenzen der zweiten werden durch die Teilungen Polens (1772-1795) bestimmt, und die dritte beginnt nach 1945 (Frączek/Lipczuk 2004: 23, Żmigrodzki 2005: 34ff.). Andere Forscher gliedern nicht ohne Recht die jüngere Lexikographie in Polen in zwei weitere Abschnitte, d.h. die kommerzialisierte Lexikographie nach 1990 und die digitalisierte Lexikographie nach 2000 (Taborek 2013: 147f.).

Es ist nicht das Anliegen meiner Untersuchung, alle Wörterbücher aus diesen fünf genannten Intervallen der deutsch-polnischen Lexikographie aufzuzählen. Eingehende Angaben dazu sind den bibliographischen Publikationen (Bibliographien von Wörterbüchern oder Wörterbuchtypen, auch Bibliographien von Beiträgen, die ein gemeinsames lexikographisches Problem thematisieren) sowie den metalexikographischen Arbeiten, d.h. Monographien und wissenschaftlichen Beiträgen, zu entnehmen.

Ein Verzeichnis zwei- und mehrsprachiger Wörterbücher für das Sprachenpaar Deutsch und Polnisch enthält die Veröffentlichung des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt, die in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Thorn erstellt wurde: Deutsch-polnische Beziehungen in Geschichte und Gegenwart BIBLIOGRAPHIE 1900–1998, Band 14/3 (Lawaty/Mincer/Domańska 2000: 23ff.). Danach gibt es 52 bilinguale und multilinguale allgemeine Sprachwörterbücher, die bis 1998 erschienen sind. Nach der Bibliographie von Lawaty/Mincer/Domańska (2000: 28ff.) wurden bis zum erwähnten Zeitpunkt 106 bi- und multilinguale Fachwörterbücher des Sprachenpaares Deutsch-Polnisch3 herausgegeben, die Fachwortschatz aus unterschiedlichsten Bereichen wie: Bergbau, Eisenbahn, Mathematik, Jagd, Luftfahrt, Schifffahrt, Forstwirtschaft, Holztechnik, Touristik, Bauwesen, Militär, Chemie, Polygraphie, Medizin, Agrophysik, ←11 | 12→Polizei, Feuerwehr, Wissenschaft und Hochschule4 lemmatisieren. Reich vertreten sind hier Wörterbücher für Technik, Recht, Verwaltung und Wirtschaft.

In der deutschen Metalexikographie ist im Jahre 2014 das groß angelegte Werk von Wiegand erschienen: Internationale Bibliographie zur germanistischen Lexikographie und Wörterbuchforschung, das Publikationen der Anglistik, Nordistik, Romanistik, Slawistik und andere zur deutschen Lexikographie auflistet. Im Jahre 2010 wurde unter der wissenschaftlichen Leitung von Wiegand das Wörterbuch zur Lexikographie und Wörterbuchforschung herausgegeben. Im englischsprachigen Raum ist 1998 das Dictionary of lexicography von Hartmann/James erschienen.

Quantitative Ergebnisse über die polnische Lexikographie von 1980 bis 2012 liefert der Beitrag von Piotrowski (2016: 434ff.). Hier vergleicht der Autor die Zahl der einsprachigen Wörterbücher des Polnischen, der polnischen Rechtschreibwörterbücher und bilingualer englisch-polnischer Wörterbücher und im Kontrast dazu terminologischer Wörterbücher anhand von Angaben der Polnischen Nationalbibliothek.

Neben rein bibliographisch ausgerichteten Publikationen liegen auch metalexikographische Veröffentlichungen vor, die sich mit solchen relevanten Problemstellungen der theoretischen und praktischen Lexikographie auseinandersetzen wie: geschichtliche Aspekte, bestimmte Wörterbuchtypen und ihre Benutzer, Wörterbücher eines Sprachenpaares sowie aus dem DaF-Bereich, Lemmatisierung der Phraseologismen u.a.

Der Geschichte der deutschen und polnischen Lexikographie sowie älteren Nachschlagewerken sind u.a. folgende Arbeiten gewidmet: Drosdowski/Henne/Wiegand (1977), Schaeder (1992), Piotrowski (1994a), Wiegand (1998a), Frączek (1999a), Szlęk (1999), Urbańczyk (2000), Haß-Zumkehr (2001), Frączek/Lipczuk (2004), Żmigrodzki (2005), Górski (2007) sowie Arbeiten, die vom Warszawskie Koło Leksykograficzne [Warschauer Lexikographenkreis] unter der wissenschaftlichen Redaktion von Bańko/Majdak/Czeszewski5 durchgeführt werden.

In der polnischen Germanistik liegen Untersuchungen zu ausgewählten deutsch-polnischen und polnisch-deutschen Sprachnachschlagewerken vor. ←12 | 13→Eine eingehende metalexikographische Untersuchung mit der Bibliographie der Kinderwörterbücher für das Sprachenpaar Deutsch und Polnisch sowie für die Verbindung des Polnischen und des Deutschen mit anderen Sprachen bringt die Monographie von Lisiecka-Czop (2013: 311ff.).

Mit der Untersuchung und Zusammenstellung der Wörterbücher aus dem Bereich Fußball beschäftigt sich der Beitrag von Taborek (2012). Ein alphabetisches Verzeichnis bilingualer deutsch-polnischer und polnisch-deutscher allgemeiner Wörterbücher sowie ausgewählter Spezial- und Fachwörterbücher enthält hingegen eine weitere Publikation von Taborek (2013: 159f.). Die lexikographische Erfassung der Fachlexik aus dem Bereich Fußball bietet das im Jahre 2013 erschienene Wörterbuch Słownik sportowy niemiecko-polski von Ilski (vgl. dazu Lipczuk 2016a: 403ff.).

In der polnischen metalexikographischen Forschung liegen bereits Monographien und Beiträge vor, die Wörterbücher aus einer bestimmten Periode oder ein(en) Wörterbuch(typ) oder aber ausgewählte Aspekte eines Wörterbuchs eruieren. Die zitierten Monographien behandeln mono- oder bilinguale Wörterbücher mit Polnisch als einer der zu beschreibenden Sprachen (auch in der Relation Polnisch-Französisch) vgl. z.B. u.a.: Frączek (1999a), Szlęk (1999), Urbańczyk (2000), Frączek/Lipczuk (2004), Prędota (2004),6 Żmigrodzki (2005), Matuszczyk (2006), Zieliński (2008), Bielińska (2010), Janus (2012), Lisiecka-Czop (2013), Płomińska (2015), Kubacki (2015), Bochnakowa (2015), Jakubczyk (2016) – um nur einige Arbeiten aus diesem Bereich zu nennen.

Details

Seiten
184
ISBN (PDF)
9783631766538
ISBN (ePUB)
9783631766545
ISBN (MOBI)
9783631766552
ISBN (Hardcover)
9783631766101
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Dezember)
Schlagworte
Lexikographie Angewandte Linguistik Wörterbuchforschung Wörterbuch der Fachsprache Bilinguale Wörterbücher
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien. 2018. 184 S., 26 s/w Abb., 5 s/w Tab.

Biographische Angaben

Joanna Konieczna-Serafin (Autor:in)

Joanna Konieczna-Serafin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanische Philologie der Jagiellonen-Universität Krakau, Polen. Zu ihren Forschungsgebieten zählen angewandte Linguistik, Lexikographie, Phraseologie und Phraseographie.

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