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Translatorik, Translationsdidaktik und Fremdsprachendidaktik

Herausforderungen und Perspektiven

von Jolanta Hinc (Band-Herausgeber:in) Adam Jarosz (Band-Herausgeber:in) Joanna Mampe (Band-Herausgeber:in)
©2017 Sammelband 146 Seiten

Zusammenfassung

Das Buch greift aktuelle Forschungsprobleme im Bereich der Translatorik, der Translationsdidaktik und der (Fremdsprachen-)Didaktik auf. Die Autoren betrachten die Sprachenkonstellationen Deutsch und Polnisch sowie Englisch und Polnisch. Sie analysieren unter anderem die Aspekte der Übersetzung von Höflichkeitsformeln und Eigennamen. Sie untersuchen ebenfalls die Funktion von Portfolio im Übersetzungsunterricht als didaktisches Instrument und thematisieren die Bestimmung der Ziele und die Begründung der Beurteilungskriterien für die Übersetzungsleistung in der Fachübersetzung. Den Fokus legen die Beiträger auch auf verschiedene Aspekte der Literaturübersetzerausbildung und betrachten überdies die linguistische Analyse von Reisereportagen, die Personalisierung des Lehrprozesses (Tutoring) sowie Aufgabencharakteristika des Österreichischen Sprachdiploms.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Deutsche und polnische Höflichkeitsformeln aus translatorischer Sicht (Mariusz Jakosz)
  • Soll man bei der Übersetzung nach Äquivalenten der Eigennamen in anderen Sprachen suchen oder sie eher in der Originalsprache lassen? (Ewa Wojaczek)
  • A cognitive study of the concept of light (Ewa Wychorska)
  • Portfolio im Übersetzungsunterricht – Bericht aus der Unterrichtspraxis – zur Qualitätskontrolle der Übersetzungsleistung (Jolanta Hinc)
  • Setting assessment objectives vs assessment criteria in the context of teaching specialist translation (Ewa Kościałkowska-Okońska)
  • Humor und Ironie als translatorische Herausforderung aus didaktischer Sicht (Renata Rozalowska-Żądło)
  • From mere reading to true comprehension and faithful rendering: the uses of historical fiction in the teaching of literary translation (Piotr Kallas)
  • The importance of teaching Polish language styles in the process of education offered to the students of translation (Izabela Lis-Lemańska)
  • „Berauschende Strände, euphorisierende Weine, verboten schöne Berg-Etappen“ – was will man mehr? Eine linguistische und didaktische Charakterisierung der Reisereportagen (Monika Kowalonek-Janczarek)
  • Language and dialogicality as instigators of transformative and sense making processes in personalised education (Grzegorz Grzegorczyk)
  • Kontext und Struktur von Beschwerdebriefen. Eine Analyse von Aufgabencharakteristika am Beispiel einer Schreibaufgabe des Österreichischen Sprachdiploms (Christoph Prantl)
  • Reihenübersicht

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Vorwort

Der vorliegende Band enthält Beiträge, die über verschiedene Forschungsprobleme aus den Bereichen der Translatorik, der Translationsdidaktik und der (Fremdsprachen-)Didaktik berichten.

Den Band eröffnen drei Aufsätze, die die translatorische Perspektive in den Mittelpunkt der Diskussion stellen. Die ersten zwei Beiträge beziehen sich auf die Sprachenkonstellation Deutsch und Polnisch und untersuchen die Aspekte der Übersetzung der Höflichkeitsformeln und der Übersetzung der Eigennamen. Der dritte Text fokussiert die kognitive Analyse des Begriffs light, die als Beispiel für kognitives Handeln bei der translatorischen Ausbildung fungieren kann.

Beiträge, die die Translationsdidaktik als Forschungsproblem aufnehmen, bilden den reichsten Teil des Bandes. Verschiedene Forschungsfragen werden in fünf Aufsätzen diskutiert. Der erste Text geht auf die Funktion von Portfolio ein, das im Übersetzungsunterricht als didaktisches Instrument fungieren kann, um die Übersetzungsleistung der Studierenden zu beurteilen und sie zur Reflexion anzuregen. Der zweite Beitrag thematisiert die Bestimmung der Ziele und die Begründung der Beurteilungskriterien für die Übersetzungsleistung in der Fachübersetzung. Der dritte Beitrag zeigt an einem Unterrichtsbeispiel, dass Humor und Ironie eine besondere translatorische Herausforderung darstellen und bietet ein paar didaktische Vorschläge an, den Aspekt im Übersetzungsunterricht zu behandeln. Der vierte Aufsatz bezieht sich auf die Ausbildung der LiteraturübersetzerInnen und analysiert die Bedeutung der historischen Fiktion, die ein relevantes Element des translatorischen Lehr- und Lernprozesses bildet. Der letzte Beitrag untersucht die Rolle der Stilistik des Polnischen als Muttersprache in der translatorischen Ausbildung.

Die (Fremdsprachen-)Didaktik wird mit drei Beiträgen repräsentiert. Der erste Text berichtet über die linguistische Analyse von Reisereportagen, die didaktisch aufbereitet unterschiedliche Lernziele im Fremdsprachenunterricht erfüllen können. Der zweite Beitrag fokussiert die Personalisierung des Lehrprozesses (Tutor­ing), in dem durch Sprache und Dialogizität eine kognitive Veränderung bei den Studierenden angestrebt wird. Den fremdsprachendidaktischen Teil des Bandes schließt der Beitrag ab, der einer Analyse von Aufgabencharakteristika des Österreichischen Sprachdiploms gewidmet ist. Die Grundlage für die Analyse bilden Beschwerdebriefe. ← 7 | 8 →

Die HerausgeberInnen haben die Hoffnung, dass der Band alle an Translatorik, Translationsdidaktik und (Fremdsprachen-)Didaktik interessierten LeserInnen dazu anregen kann, über ihre didaktische Praxis zu reflektieren und einige hier vorgeschlagene Ideen an ihre Unterrichtsumstände zu adaptieren.

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Mariusz Jakosz (Katowice)

Deutsche und polnische Höflichkeitsformeln aus translatorischer Sicht

Abstract: Language as a means of conveying a certain cultural identity contains specific polite conventions, rituals, customs, which in particular can be seen in everyday communicative situations. The use of appropriate greeting phrases, thank you phrases, phrases for introducing oneself and others proves that one knows cultural norms of behaviour and is a sign of politeness. An atypical behaviour is immediately recognized and interpreted according to one’s own thinking patterns.

In the article, the author describes the phenomenon of linguistic politeness in German and Polish. He first and foremost analyses the difficulties foreign language learners may face while translating polite phrases (for instance greeting phrases and forms of address) from German into Polish and vice versa. He also presents the most important differences between the languages in question with regard to the usage of polite phrases as the main factors responsible for translation problems.

Schlüsselwörter: sprachliche Höflichkeit, Höflichkeitsformeln, Grüßen, Anredeformeln, Übersetzungsprobleme

Keywords: linguistic politeness, polite phrases, greeting, forms of address, translation problems

1.   Einleitung

Die Sprache als ein Kommunikationsmittel und Träger kultureller Identität vermittelt uns Höflichkeitskonventionen, Riten, Zeremonien und Bräuche, was unter anderem in Kontaktsituationen besonders bemerkbar wird. Der Gebrauch entsprechender Grußformeln, Dankesformeln, Formeln des Sich-Vorstellens zeugt von der Kenntnis kultureller Verhaltensnormen und vom höflichen Umgang mit Gesprächspartnern. Ein fremdes Verhalten wird sofort identifiziert sowie nach eigenen Denkmustern und Normen interpretiert (Zenderowska-Korpus 2011: 51).

Die Höflichkeitsformeln gehören zu einer Klasse von formal heterogenen Ausdrücken, mit denen sprachliche Handlungen vollzogen werden können, die in einem gegebenen Ko- und Kontext jeweils als höflicher oder angemessener als inhaltlich vergleichbare sprachliche Handlungen ohne diese Formen betrachtet werden (Vorderwülbecke 2001: 31).

Im vorliegenden Beitrag gehen wir auf die sprachliche Höflichkeit im Deutschen und im Polnischen ein, wobei vordergründig darüber reflektiert wird, was ← 9 | 10 → für Schwierigkeiten im Bereich der Übersetzung von ausgewählten deutschen Höflichkeitsformeln (Gruß- und Anredeformeln) ins Polnische und umgekehrt bestehen können.

2.   Höflichkeitskompetenz als Schlüsselkompetenz im Translationsprozess

Die Fähigkeit, in einer kommunikativen Interaktion als höflicher Interaktant auftreten zu können, basiert auf der Höflichkeitskompetenz, die mehr als eine Handlungskompetenz in interkulturellen Kommunikationssituationen ist und weit über die Beherrschung von höflicher Etikette und von Sprachstrukturen zur Realisierung und Interpretation höflicher Sprechakte hinausgeht (Bonacchi 2011: 105; Bonacchi 2012: 31).

Strategien und Mittel zum Ausdruck sprachlicher Höflichkeit gelten als „ein äußerst komplexes, situationsspezifisches und für den reibungslosen Kommunikationsablauf bedeutsames Phänomen, dessen Rezeption, Umsetzung und Wiedergabe eine hohe sprachliche, interkulturelle, kommunikative wie auch sprachmittlerische Kompetenz erfordern“ (Krüger 1997: 302). Der Transfer zwischen dem Sprach- und Kulturkreis zeichnet sich für den Translator durch zahlreiche Besonderheiten wie Kultur, gesellschaftliche Normen, Umgangsformen, Geschlecht und Alter aus. Daraus ergeben sich hohe Anforderungen an die translatorischen Kompetenzen der Übersetzer, die als Mittler zwischen Kulturkreisen wissen müssen, welche Höflichkeitskonventionen in der Zielsprache eingesetzt werden und welche Strategie in der jeweiligen Situation adäquat ist.

Schwierigkeiten bzw. pragmatische Misserfolge in interkultureller Kommunikation resultieren oft aus kulturell bedingten unterschiedlichen Kommunikationsstilen. Auch bei fortgeschrittenen Fremdsprachenlernenden treten pragmatische Fehler auf, die zu Missverständnissen führen können. Um nachzuvollziehen, welche Handlungen sich mit bestimmten sprachlichen Äußerungen in einer gegebenen Situation realisieren lassen, welche Partnerbezüge sich dabei ergeben und welche Unterschiede zwischen wortwörtlichen Übersetzungen und pragmatischen Entsprechungen bestehen, sollte die Höflichkeitskompetenz im Ausbildungsprozess von künftigen Übersetzern und Dolmetschern gezielt vermittelt werden (Vorderwülbecke 2001: 28). ← 10 | 11 →

3.   Differenzen im Bereich der deutschen und polnischen Höflichkeitsformen

Laut Ewa Wojaczek (2012: 89) unterscheidet sich das Polnische von der deutschen Sprache in Bezug auf die Vielfalt und den Reichtum der Höflichkeitsformeln. Diese an sich sehr positive Eigenschaft der polnischen Sprache wird zum großen Problem eines Übersetzers, weil sie ihm eine fast automatische Übertragung ins Deutsche nicht ermöglicht, sondern ihn eher dazu auffordert, jedes Mal ganz genau zu überlegen, welche deutsche Form als Entsprechung der polnischen Höflichkeitsform zu verwenden ist.

Details

Seiten
146
Jahr
2017
ISBN (PDF)
9783631736036
ISBN (ePUB)
9783631736043
ISBN (MOBI)
9783631736050
ISBN (Hardcover)
9783631736029
DOI
10.3726/b11968
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Oktober)
Schlagworte
Übersetzung Ausbildung von ÜbersetzerInnen Fremdsprachenlehrprozess Methodik des Fremdsprachenunterrichts Didaktik des Fremdsprachenunterrichts
Erschienen
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2017. 146 S., 4 Abb., 6 Tab.

Biographische Angaben

Jolanta Hinc (Band-Herausgeber:in) Adam Jarosz (Band-Herausgeber:in) Joanna Mampe (Band-Herausgeber:in)

Jolanta Hinc arbeitet als Lehrkraft am Institut für Angewandte Linguistik und Translatorik der Universität Gdańsk. Ihre wissenschaftlichen Interessensgebiete sind Mehrsprachigkeit und Translationsdidaktik. Adam Jarosz ist wissensschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Linguistik und Translatorik der Universität Gdańsk. Seine wissenschaftlichen Interessen umfassen französisch- und spanischsprachige Literatur und Fremdsprachendidaktik. Joanna Mampe ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Russistik und Oststudien. Ihre Forschungsinteressen sind interkulturelle Kommunikation, Fremdsprachenerwerb und die Fremdsprachendidaktik.

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Titel: Translatorik, Translationsdidaktik und Fremdsprachendidaktik