Lade Inhalt...

Russisches Fräuleinwunder auf Deutsch

Deutschsprachige Erzählliteratur von Autorinnen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zwischen 2005 und 2012

von Nadja Luschina (Autor:in)
Dissertation 314 Seiten

Zusammenfassung

Mit ihren Debütromanen, zwischen 2005 und 2012 erschienen, haben sich Alina Bronsky, Olga Grjasnowa, Nino Haratischwili, Eleonora Hummel, Katerina Poladjan und Julya Rabinowich eindrucksvoll und dauerhaft als deutschsprachige Autorinnen etabliert, eine große Leserschaft gewonnen und die Gegenwartsliteratur um eine ‹postsowjetische› Komponente bereichert. Der Band liefert nicht nur eine literaturwissenschaftliche, insbesondere narratologische Analyse der weitgehend autobiografisch fundierten Romane, sondern erhellt auf interdisziplinär kultur- und sozialwissenschaftlicher Grundlage auch historische Ursachen, Hintergründe und aktuelle Probleme des Migrationsprozesses, den all diese Autorinnen als Kinder, Jugendliche oder junge Frauen erlebt haben und der als Wurzelgrund ihres literarisch ambitionierten und gelungenen Schreibens anzusehen ist.
«Dies ist der [...] seriöse und umfassende akademische Versuch, eines der interessantesten Phänomene der deutschen Gegenwartsliteratur in seiner Vielschichtigkeit zu erfassen. Während die bei Publikum und Kritik außerordentlich erfolgreichen deutschsprachigen Romane und sonstigen Werke einer beträchtlichen Gruppe von Autorinnen der jüngeren und mittleren Generation aus den postsowjetischen Staaten in der Tageskritik ein breites und lebhaftes Echo fanden, auch mit namhaften Preisen ausgezeichnet wurden, hat sich die germanistische Literaturwissenschaft in Deutschland und Europa erst sehr vereinzelt, und in den USA offensichtlich noch gar nicht mit dieser Thematik befasst. Diese Arbeit leistet und liefert insofern echte Grundlagenforschung.» Prof. Dr. Jochen Vogt

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorbemerkung und Dank
  • Teil I Russische (E-)Migration von Bunin bis Bronsky
  • 1.1 Historische Kontexte
  • 1.1.1 Daten und Fakten jahrhundertelanger Völkerwanderung
  • 1.1.2 Gründe für die Migration ab 1989
  • Osteuropäische Juden in der Bundesrepublik Deutschland
  • 1.1.3 Die ‚Wende‘ und die gesetzlichen Bestimmungen
  • Von der Migration zur Integration
  • Ausländer/in, nicht Deutsche/r
  • Asylsuchende
  • Flüchtlinge und Kontingentflüchtlinge
  • Das Exil und seine Kinder
  • (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler
  • Sowjetische Jüdinnen und Juden in der Bundesrepublik
  • Statt eines Fazits
  • 1.2 Probleme und Prozesse der ‚Beheimatung‘
  • 1.2.1 Kultur, Akkulturation, Integration
  • 1.2.2 Migration und Identität
  • 1.2.3 Migration, psychische Gesundheit, Störungen, Trauma und Gewalt
  • 1.2.4 Migration, Familie, Rolle der Mutter: Funktionen und Herausforderungen
  • Mother oder back to the roots
  • Frauen in der Fremde
  • Migration von Frau und Familie: Risiken
  • Trennung und Scheidung
  • Adoleszenz und Eltern-Kind-Konflikte
  • Migration von Frau und Familie: Chancen
  • Teil II Verlorene, wiedergefundene oder erfundene Sowjetunion – „La Russie sans peine“? Ethnografische Skizzen
  • 2.1 Das Pionierlager Orljonok: Symbol des Vergänglichen und des Bestehenden
  • 2.2 Sowjetische Räume der Träume und Erinnerungen
  • Die Küche als alltäglicher und ästhetischer Ort
  • Die Kommunalwohnung als Antiwohnort
  • Die Datscha als Ort der Freiheit
  • 2.3 Gestörtes Essverhalten als Folge historisch-politischer Umwälzungen sowie migratorischer Erfahrungen
  • Gastronomische Knappheit oder ‚Der Mensch lebt nicht vom Brot allein‘
  • Migration und Mahlzeiten
  • Mehr als ein Getränk: Wodka
  • Statt eines Fazits
  • 2.4 Wie/So riecht die Heimat?
  • 2.5 Sehnsucht nach der Kultur der Ur-Heimat
  • Statt eines Fazits
  • Teil III Von fehlenden Eltern, tapferen Töchtern, nomadischen Migrationsbiografien bei Bronsky, Grjasnowa, Haratischwili, Hummel, Poladjan und Rabinowich. Exemplarische Textanalysen
  • 3.1 Autobiografisches Schreiben und Erinnern in Eleonora Hummels Die Fische von Berlin (2005) und Die Venus im Fenster (2009) sowie Julya Rabinowichs Spaltkopf (2008)
  • 3.2 Inszenierung von Raum und Zeit bei Julya Rabinowich Die Erdfresserin (2012), Alina Bronsky Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche (2010) und Katerina Poladjan In einer Nacht, woanders (2011)
  • 3.3 Erwachsenwerden ohne Mutter. Alina Bronskys Romane Scherbenpark (2008) und Spiegelkind (2012)
  • 3.4 Grenzüberschreitungen, Globalisierung und Gewalt in Olga Grjasnowas Roman Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012) und Nino Haratischwilis Mein sanfter Zwilling (2011)
  • Ausblick
  • Anhang
  • Biogramme der wichtigsten Autorinnen
  • Literaturverzeichnis
  • Reihenübersicht

Nadja Luschina

Russisches Fräuleinwunder
auf Deutsch

Deutschsprachige Erzählliteratur von Autorinnen
aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion
zwischen 2005 und 2012

image

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Zugl.: Duisburg-Essen, Univ., Diss. 2017

Umschlagabbildung: „Miniature“ von Nina Werzhbinskaja-Rabinowich, Wien.

Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin.

D 465

ISSN 0721-3093

ISBN 978-3-631-75870-0 (Print)

E-ISBN 978-3-631-76799-3 (E-PDF)

E-ISBN 978-3-631-76800-6 (EPUB)

E-ISBN 978-3-631-76801-3 (MOBI)

DOI 10.3726/b14683

© Peter Lang GmbH Internationaler Verlag der Wissenschaften

Berlin 2018

Alle Rechte vorbehalten.

Peter Lang – Berlin · Bern · Bruxelles · New York · Oxford · Warszawa · Wien

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Diese Publikation wurde begutachtet.

www.peterlang.com

Autorenangaben

Nadja Luschina studierte Germanistik und Slawistik in Russland, Deutschland und den USA. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Bildungsberaterin (G.I.B.) an der Universität Duisburg-Essen verfügt sie über mehrjährige Lehrerfahrung im Bereich Deutsch als Fremdsprache und Russisch. Sie war unter anderem an der Folkwang Universität der Künste in Essen und an der Rutgers University in New Brunswick, New Jersey tätig

Über das Buch

Mit ihren Debütromanen, zwischen 2005 und 2012 erschienen, haben sich Alina Bronsky, Olga Grjasnowa, Nino Haratischwili, Eleonora Hummel, Katerina Poladjan und Julya Rabinowich eindrucksvoll und dauerhaft als deutschsprachi- ge Autorinnen etabliert, eine große Leserschaft gewonnen und die Gegenwartsliteratur um eine ‚postsowjetische‘ Komponente bereichert. Der Band liefert nicht nur eine literaturwissenschaftliche, insbesondere narratologische Analyse der weitgehend autobiografisch fundierten Romane, sondern erhellt auf interdisziplinär kultur- und sozialwissenschaftlicher Grundlage auch historische Ursachen, Hintergründe und aktuelle Probleme des Migrationsprozesses, den all diese Autorinnen als Kinder, Jugendliche oder junge Frauen erlebt haben und der als Wurzelgrund ihres literarisch ambitionierten und gelungenen Schreibens anzusehen ist.

„Dies ist der erste seriöse und umfassende akademische Versuch, eines der interessantesten Phänomene der deutschen Gegenwartsliteratur in seiner Vielschichtigkeit zu erfassen. Während die bei Publikum und Kritik außerordentlich erfolgreichen deutschsprachigen Romane und sonstigen Werke einer beträchtlichen Gruppe von Autorinnen der jüngeren und mittleren Generation aus den postsowjetischen Staaten in der Tageskritik ein breites und lebhaftes Echo fanden, auch mit namhaften Preisen ausgezeichnet wurden, hat sich die germanistische Literaturwissenschaft in Deutschland und Europa erst sehr vereinzelt, und in den USA offensichtlich noch gar nicht mit dieser Thematik befasst. Diese Arbeit leistet und liefert insofern echte Grundlagenforschung.“

Prof. Dr. Jochen Vogt

Zitierfähigkeit des eBooks

Diese Ausgabe des eBooks ist zitierfähig. Dazu wurden der Beginn und das Ende einer Seite gekennzeichnet. Sollte eine neue Seite genau in einem Wort beginnen, erfolgt diese Kennzeichnung auch exakt an dieser Stelle, so dass ein Wort durch diese Darstellung getrennt sein kann.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung und Dank

Teil I Russische (E-)Migration von Bunin bis Bronsky

1.1 Historische Kontexte

1.1.1 Daten und Fakten jahrhundertelanger Völkerwanderung

1.1.2 Gründe für die Migration ab 1989

Osteuropäische Juden in der Bundesrepublik Deutschland

1.1.3 Die ‚Wende‘ und die gesetzlichen Bestimmungen

Von der Migration zur Integration

Ausländer/in, nicht Deutsche/r

Asylsuchende

Flüchtlinge und Kontingentflüchtlinge

Das Exil und seine Kinder

(Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler

Sowjetische Jüdinnen und Juden in der Bundesrepublik

Statt eines Fazits

1.2 Probleme und Prozesse der ‚Beheimatung‘

1.2.1 Kultur, Akkulturation, Integration

1.2.2 Migration und Identität

1.2.3 Migration, psychische Gesundheit, Störungen, Trauma und Gewalt

1.2.4 Migration, Familie, Rolle der Mutter: Funktionen und Herausforderungen

Mother oder back to the roots

Frauen in der Fremde

Migration von Frau und Familie: Risiken

Trennung und Scheidung

Adoleszenz und Eltern-Kind-Konflikte

Migration von Frau und Familie: Chancen

Teil II Verlorene, wiedergefundene oder erfundene Sowjetunion – „La Russie sans peine“? Ethnografische Skizzen

2.1 Das Pionierlager Orljonok: Symbol des Vergänglichen und des Bestehenden←5 | 6→

2.2 Sowjetische Räume der Träume und Erinnerungen

Die Küche als alltäglicher und ästhetischer Ort

Die Kommunalwohnung als Antiwohnort

Die Datscha als Ort der Freiheit

2.3 Gestörtes Essverhalten als Folge historisch-politischer Umwälzungen sowie migratorischer Erfahrungen

Gastronomische Knappheit oder ‚Der Mensch lebt nicht vom Brot allein‘

Migration und Mahlzeiten

Mehr als ein Getränk: Wodka

Statt eines Fazits

2.4 Wie/So riecht die Heimat?

2.5 Sehnsucht nach der Kultur der Ur-Heimat

Statt eines Fazits

Teil III Von fehlenden Eltern, tapferen Töchtern, nomadischen Migrationsbiografien bei Bronsky, Grjasnowa, Haratischwili, Hummel, Poladjan und Rabinowich. Exemplarische Textanalysen

3.1 Autobiografisches Schreiben und Erinnern in Eleonora Hummels Die Fische von Berlin (2005) und Die Venus im Fenster (2009) sowie Julya Rabinowichs Spaltkopf (2008)

3.2 Inszenierung von Raum und Zeit bei Julya Rabinowich Die Erdfresserin (2012), Alina Bronsky Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche (2010) und Katerina Poladjan In einer Nacht, woanders (2011)

3.3 Erwachsenwerden ohne Mutter. Alina Bronskys Romane Scherbenpark (2008) und Spiegelkind (2012)

3.4 Grenzüberschreitungen, Globalisierung und Gewalt in Olga Grjasnowas Roman Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012) und Nino Haratischwilis Mein sanfter Zwilling (2011)

Ausblick

Anhang

Biogramme der wichtigsten Autorinnen

Literaturverzeichnis←6 | 7→

Vorbemerkung und Dank

Im Mai 2017 hatte ich die Gelegenheit, an einer mehrtägigen Konferenz der Evangelischen Akademie Loccum unter dem sprechenden Titel Deutschland lernt Integration teilzunehmen, auf der aktuelle Fragen der Migration, der Integration und sogenannten Flüchtlingskrise interdisziplinär, kompetent und durchaus auch emotional bearbeitet und diskutiert wurden. Die Erkenntnisse, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen und Institutionen – aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, aus Sozialverbänden und Unternehmen – dabei zusammentrugen, waren erstaunlicherweise neu – und wie vieles Neue – zugleich altbekannt. Und sie schienen mir unter verschiedenen Aspekten auch diese literaturwissenschaftliche Studie zu betreffen.

Für die Aktualität und eine nicht nur fachspezifisch literarische, sondern auch soziale Relevanz meiner Untersuchung, die vor allem die Debütromane von Autorinnen aus der ehemaligen Sowjetunion aus den Jahren 2005–2012 behandelt, sprechen meines Erachtens die folgenden Argumente. Erstens ist Migration ohne Integration nicht zu denken. Zweitens sollen, ja dürfen die verpassten Möglichkeiten bei der Integration der Zuwanderer in den 1990er Jahren sich nicht wiederholen. Schließlich müsste die Aufnahmegesellschaft der Gruppe der Neuzugewanderten (aus diversen Gründen, und nicht zuletzt zum eigenen Vorteil) größere Aufmerksamkeit schenken. Kurz: Man sollte die ‚Bedürfnisse und Bürden‘ der zugewanderten Menschen genauer unter die Lupe nehmen, um sie besser zu verstehen und auf diese Weise eine erfolgreiche und friedliche, rasche Integration der Migrantinnen und Migranten zu ermöglichen.

Diese Arbeit betrachte ich als einen bescheidenen gegenstands- und fachspezifischen Beitrag zum besseren Verständnis der historisch-politischen, sozialpolitischen, kulturellen und persönlichen Prozesse, die sich hinter einem Schlagwort wie Migration verbergen. Auffällig, wenn auch naheliegend, war und ist bei den Autorinnen dieser Gruppe, die auf den ersten Blick ihr Beruf und die Zugehörigkeit zur gleichen Generation verbinden, ein starker Bezug auf die biografischen und kollektiven Erfahrungen, die mit der spezifischen Form der Integration zusammenhängen. Als die werkimmanente Untersuchung der einschlägigen literarischen Texte sich als unzureichend für ein volles biografisches Verständnis erwies, drängte sich die Notwendigkeit einer zeithistorischen, politischen, aber auch sozialpsychologischen Fundierung auf. Deshalb habe ich mich – selbst eine Nomadin zwischen Staaten, Kulturen und Sprachen – bemüht, auch die ein←7 | 8→schlägigen Ergebnisse verschiedener Disziplinen heranzuziehen, um meine literaturwissenschaftliche Analyse interdisziplinär zu vertiefen.

Zum hundertjährigen Jubiläum der russischen Oktoberrevolution, als ich meine Dissertation bereits abgeschlossen und eingereicht hatte, erschien im Oktober 2017 Karl Schlögels großartiges, beinahe eintausend Seiten schweres, enzyklopädisches Werk Das sowjetische Jahrhundert: Archäologie einer untergegangenen Welt. Mit meisterhafter Präzision und Tiefe präsentiert und archiviert Schlögel seine gesellschaftshistorischen Ausgrabungen „einer untergegangenen Welt“ (2017: 20). So vergegenwärtigt er alle wichtigen Phänomene und Realien der sowjetischen Lebenswelt – von Räumen der Freiheit (wie beispielsweise der Datscha) über die organisierten und alltäglichen Rituale (hier die Paraden auf dem Roten Platz, dort die täglichen Warteschlangen beim Einkauf) bis zu Stalins Kochbuch. All dies bestätigt die Ergebnisse, die ohne vergleichbaren Anspruch auf Umfang und Vollständigkeit auch ein Teil meines Arbeitsprozesses waren.

Biographische Angaben

Nadja Luschina (Autor:in)

Nadja Luschina studierte Germanistik und Slawistik in Russland, Deutschland und den USA. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Bildungsberaterin (G.I.B.) an der Universität Duisburg-Essen verfügt sie über mehrjährige Lehrerfahrung im Bereich Deutsch als Fremdsprache und Russisch. Sie war unter anderem an der Folkwang Universität der Künste in Essen und an der Rutgers University in New Brunswick, New Jersey tätig.

Zurück

Titel: Russisches Fräuleinwunder auf Deutsch