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Das Konzept der deutschen FREIHEIT im kognitiven Untersuchungsparadigma

Eine linguistische Diskursanalyse

von Elżbieta Pawlikowska-Asendrych (Autor)
Monographie 244 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Title
  • Copyright
  • Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1 Einleitung
  • 1.1 Zur Relevanz der Forschungsproblematik
  • 1.2 Zielesetzung und Struktur der Arbeit
  • 1.3 Untersuchungsmethodologie
  • 1.4 Zur Charakteristik des Korpus
  • 2 Textlinguistische Konzepte als Bausteine für die Diskurslinguistik
  • 2.1 Text als Schnittstelle der Text- und Diskurslinguistik
  • 2.1.1 Zum Begriff des Textes
  • 2.1.2 Der schriftliche Text als Baustein der Text- und Diskurslinguistik
  • 2.2 Textlinguistische Erweiterung auf den Diskursbereich
  • 2.2.1 Die strukturalistischen Zugänge zum Text
  • 2.2.2 Die semantischen Zugänge zum Text
  • 2.2.3 Die pragmatischen Zugänge zum Text
  • 2.2.4 Die kognitiven Zugänge zum Text
  • 2.3 Textlinguistik vs. Diskurslinguistik oder Textlinguistik und Diskurslinguistik?
  • 2.3.1 Textlinguistik und Diskurslinguistik
  • 2.3.2 Textlinguistik versus Diskurslinguistik
  • 2.4 Zusammenfassung
  • 3 Diskurslinguistik auf ihrem linguistischen Entwicklungsweg
  • 3.1 Zum Begriff des Diskurses
  • 3.1.1 Linguistischer Diskursbegriff
  • 3.1.2 Foucaults Diskurskonzept
  • 3.2 Die linguistische Verortung der Diskursanalyse
  • 3.2.1 Semantisch geprägte Diskursanalyse
  • 3.2.2 Kognitiv geprägte Diskursanalyse
  • 3.3 Die Kritische Diskursanalyse
  • 3.4 Diskursanalyse und Korpuslinguistik
  • 3.5 Diskurslinguistik als Rahmendisziplin
  • 3.6 Zusammenfassung
  • 4 Konzept und Konzeptualisierung in der Kognitiven Linguistik
  • 4.1 Modularer versus holistischer Ansatz in der Kognitiven Linguistik
  • 4.2 Kognitive Linguistik versus Kognitive Grammatik
  • 4.3 Konzeptualisierung und Konzept in den kognitiven Modellen
  • 4.3.1 Konzeptualisierung in der Kognitiven Semantik
  • 4.3.2 Metaphorische und metonymische Konzeptualisierung
  • 4.3.3 Konzeptualisierung in der Konstruktionsgrammatik
  • 4.3.4 Konzeptualisierung in der Kognitiven Linguistik in Polen
  • 4.3.5 Kollektive Konzeptualisierung im Diskurs
  • 4.4 Konzept versus mentaler Raum
  • 4.5 Zusammenfassung
  • 5 Die polyseme Struktur des Begriffs FREIHEIT
  • 5.1 Begriff FREIHEIT in der deutschen Lexikographie
  • 5.1.1 Die diachrone Analyse
  • 5.1.2 Die synchrone Analyse
  • 5.1.2.1 Die Polysemie des Lexems frei
  • 5.1.2.2 Die Polysemie des Nomens Freiheit
  • 5.2 FREIHEIT als Bürgerrecht
  • 5.2.1 FREIHEIT als Bedingung für die Menschenwürde
  • 5.2.2 Bürgerrechte in der DDR
  • 5.2.3 Bürgerrechte in der BRD
  • 5.2.3.1 Recht auf Freiheit der Person
  • 5.2.3.2 Gleichheit vor dem Gesetz
  • 5.2.3.3 Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit
  • 5.2.3.4 Freiheit von Meinung, Kunst und Wissenschaft
  • 5.2.3.5 Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit
  • 5.2.3.6 Brief- Post- und Fernmeldegeheimnis
  • 5.2.3.7 Freizügigkeit
  • 5.2.3.8 Berufsfreiheit
  • 5.2.3.9 Recht auf Eigentum und Erbrecht
  • 5.2.3.10 Asyl-, Petitions- und Justizgrundrecht
  • 5.3 FREIHEIT und Gesellschaft
  • 5.3.1 FREIHEIT als Bedingung für die Vernunft und den ihr entgegenstehenden Affekt
  • 5.3.2 FREIHEIT als Verantwortung
  • 5.3.3 FREIHEIT als sozialer Wert im EUROJOS-Projekt
  • 5.4 Zusammenfassung
  • 6 Der semantische Wert des Begriffs der FREIHEIT im journalistischen Diskurs
  • 6.1 Die DDR und die Berliner Mauer – kurzer historischer Abriss
  • 6.2 FREIHEIT im Kontext der friedlichen Revolution und des Mauerfalls 1989
  • 6.2.1 GROẞE FREIHEIT
  • 6.2.2 NEUE FREIHEIT
  • 6.2.3 NEUE REISEFREIHEIT
  • 6.3 Der lexikalisch bedingte semantische Wert des Begriffs REISEFREIHEIT
  • 6.3.1 Zur Bedeutung der Wörter Reise und reisen
  • 6.3.1.1 Reise und reisen in der diachronen Auffassung
  • 6.3.1.2 Reise und reisen in der synchronen Auffassung
  • 6.4 Der kontextbedingte semantische Wert des Begriffs REISEFREIHEIT
  • 6.4.1 Eine Analyse aus semasiologischer Sicht
  • 6.5 Begriff REISEFREIHEIT in der onomasiologischen Analyse
  • 6.5.1 Der semantische Rahmen von reisen als Zugang zu den Domänen des Begriffs REISFREIHEIT
  • 6.5.2 REISFREIHEIT in der metaphorischen Erweiterung
  • 6.5.3 REISEFREIHEIT in der metonymischen Erweiterung
  • 6.5.3.1 REISEFREIHEIT in der Domäne RAUM
  • 6.5.3.2 REISEFREIHEIT in der Domäne DYNAMIK
  • 6.5.3.3 REISEFREIHEIT in der Domäne RECHT
  • 6.5.3.4 REISEFREIHEIT in den Domänen PASS/VISUM-BESITZ, ZWECK und ZEIT
  • 6.6 Zusammenfassung
  • 7 Fazit und Ausblick
  • Studien zur Text- und Diskursforschung
  • Literatur

1 Einleitung

Die zeitgenössische Linguistik ist im Gegensatz zur strukturellen Linguistik der 70er- und 80er-Jahre des XX. Jhs eine pragmatisch und kognitiv orientierte Sprachwissenschaft, in deren Bereich sich im Laufe der letzten zwanzig Jahre das Forschungsfeld der Diskurslinguistik etabliert hat. Die Diskurslinguistik wird einerseits als junge linguistische Disziplin betrachtet, die noch dabei ist, ihre Untersuchungsmethodologien auszugestalten, andererseits ist sie bereits fester Bestandteil der einschlägigen sprachwissenschaftlichen Literatur, insbesondere als innovative Weiterentwicklung der Textlinguistik und der Epistemologie. Von daher wird die Diskurslinguistik als eine Erweiterung des text- und soziolinguistischen Potenzials (vgl. Warnke/Spitzmüller 2008: 3–54) unter besonderer Berücksichtigung der epistemischen und – damit verbunden – der kognitiven Aspekte anerkannt (vgl. Busse 2008: 57–87, Ziem 2008: 89–116, Warnke 2009: 113–140, Ziem 2009: 171–204). Zu den wichtigsten Forschungsansätzen innerhalb der Diskurslinguistik gehört die Frage nach kognitiven Prozessen, die sprachlich in Texten als Teilen von Diskursen repräsentiert werden. Zum Gegenstand solcher Untersuchungen werden verschiedene Formen und Ebenen von Text, die Einsicht in die Bestandteile kollektiven Wissens, typische Gedanken, Mentalitäten und Denkmuster gewähren. Großer Wert wird daher in diesem Bereich dem Weltwissen eingeräumt, für dessen analytische Basis es eine Menge von Konzepten und Grundrelationen gibt, aus denen die Bedeutung eines komplexen Textes zusammengebaut ist (vgl. Schwarz/Chur 2007: 181).

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist, neue methodologische Lösungen im Rahmen der Diskursanalyse am Beispiel einer diskurssemantischen Untersuchung zum Konzept der FREIHEIT zu ermitteln sowie Wissenssegmente in Bezug auf ein abstraktes Konzept, und zwar das der deutschen FREIHEIT, zu identifizieren. Das Ziel dieser Forschung liegt dabei nicht unbedingt in der Untersuchung komplexer Texte in ihrer Kohärenz, sondern darin, das genannte Konzept mit seinen semantischen Repräsentationen und deren gegenseitigen Relationen sowie ihrer Versprachlichung auf der diskursiven transtextuellen Ebene möglichst umfassend auszuleuchten.

1.1 Zur Relevanz der Forschungsproblematik

Die Problematik der folgenden Erörterungen ist, wie bereits angedeutet, im Bereich der Diskurslinguistik angesiedelt, eine deren zentralsten Fragen, die ←9 | 10→nach der sprachlichen Konstituierung von Wissen im Diskurs ist. Die Antwort darauf ist jedoch insofern komplex, als gesellschaftliches Wissen, wie Warnke feststellt, „alles andere als verlässlich oder konstant ist“ (Warnke 2009: 113). Das intersubjektiv gesicherte Wissen ist verschieden und unterliegt verschiedenen Abrufungsabläufen. Die gemeinsame Basis liegt allerdings darin, dass es infolge der mehr oder weniger rationalen Welterkenntnis aufgrund der Wörter1, die wir kennen und verstehen, evoziert wird. Das Wissen ist also durch die Sprache abrufbar, die somit zum menschlichen Erkenntnisinstrument wird, „mit dem wir uns nicht nur die Welt erschließen, sondern mit dem wir ebenso die Welt formen, ja sie zuallererst schaffen“ (Ziem 2009: 171). Nach dieser Auffassung der Sprache und des Wissens ist festzustellen, dass es keine Sprache ohne Wissen gibt, und umgekehrt kein Wissen ohne Sprache (vgl. ebd.). Des Weiteren ist die Sprache ein Kommunikationsmittel, was bedeutet, dass sie ein Informationsmedium ist, mit dessen Hilfe das im menschlichen Gehirn dekodierte Wissen kommuniziert wird. Dazu dienen sprachliche Ausdrücke, Konstruktionen und ihre Bedeutungen, die wir verstehen und im Kommunikationsprozess (re)produzieren.

Um also die Frage, wie sich das Wissen sprachlich im Diskurs konstituiert, beantworten zu können, muss man zunächst mit Blick auf die vorangestellte Annahme eben dieses Wissen sprachlich, also linguistisch, analysieren. Die analytischen Wege weisen hier in Richtung der linguistischen Epistemologie2 und der kognitiven Linguistik (Semantik), welche von der gemeinsamen Annahme ausgehen, dass Wissen ein Ergebnis von Erkenntnisprozessen ist, und ein durch die Verarbeitung sprachlicher bedeutungstragender Einheiten entstandenes Wissen verstehensrelevant ist. Dieser Ansatz eröffnet Perspektiven auf die Entwicklung der konstruktivistisch-diskurslinguistischen Analysepraxis, wobei ein besonderes Untersuchungspotential nach dem hier vertretenen Standpunkt im kognitiven Instrumentarium liegt.

Angesichts dessen wird hier die Ansicht vertreten, dass die Untersuchungen zum Wissen bedeutungsorientiert sind und folglich inhaltlich bestimmt werden ←10 | 11→müssen. Dies ist vor allem dank der Ansätze der kognitiven Semantik möglich, nach welcher sprachliche Bedeutungen Einheiten des Wissens sind. Das heißt, dass die Bedeutung eines sprachlichen Zeichens in seiner Zuordnung zu mentalen Repräsentationen liegt, die man Konzepte nennt. Konzepte sind mentale Organisationseinheiten, bilden Wissensfragmente über Phänomene der außersprachlichen Wirklichkeit (vgl. Langacker 1987; Lakoff 1987; Jackendoff 1983/2002) und repräsentieren den kohärenten Begriffsgehalt von bestimmten Fragmenten des Wissens.

Von daher wird hier ein Versuch unternommen, ein Beschreibungsmodell des Diskurses unter besonderer Berücksichtigung der Ansätze der kognitiven Semantik am Beispiel eines Konzeptes zu erarbeiten. Ein Konzept selbst stellt nämlich einen mentalen Ausschnitt der außersprachlichen Wirklichkeit und zugleich ein inhaltlich kohärentes Bild dar, was dem Forscher erlaubt, logische und damit konstruktive Untersuchungsmaßnahmen zu ergreifen.

Das hier zu analysierende Konzept ist das erwähnte Konzept der deutschen FREIHEIT, das einen abstrakten Begriff bildet, mit dem man auf geistige Vorstellungen Bezug nimmt. Angesichts der Tatsache, dass, wie Schwarz treffend anmerkt, „Referenzialisierungen, die abstrakte Referenz involvieren, bislang […] noch nicht so intensiv untersucht worden [sind] wie die, die konkrete Referenz betreffen“ (Schwarz 2008: 212), habe ich mich entschieden, mich mit so einem Problem auseinanderzusetzen. Die Wahl genau dieses Konzeptes wird außerdem noch von zwei anderen Faktoren beeinflusst: zum einen ist der Freiheitsbegriff ein ungemein interessantes, vielschichtiges Thema, es ist ein polysemer Begriff, was ein überaus reiches und vielschichtiges Untersuchungsfeld im Rahmen der Vererbung und kontextbedingten Bildung von Freiheit-Eigenschaften eröffnet; zum anderen ist er ein überzeitlicher Begriff. Er ist immer aktuell und dies ergibt sich daraus, dass die Freiheit eine Grundvoraussetzung für die effiziente mentale, politische und ökonomische Entwicklung der Gesellschaften ist. Sie zeigt verschiedene Gesichter, die im Laufe von Jahrhunderten im menschlichen Bewusstsein kreiert wurden und deshalb als besondere Werte des Menschen mit hoher Achtung und Aufmerksamkeit gepflegt werden, auch auf dem sprachwissenschaftlichen Feld.

1.2 Zielesetzung und Struktur der Arbeit

Das übergeordnete Ziel der Arbeit ist, die Entwicklungsquellen und -wege bis zum gegenwärtigen Stand der Diskurslinguistik darzustellen sowie jene Lücke in diesem Bereich zu füllen, die der Mangel an diskursiven Analysen in Bezug auf abstrakte und in Gestalt von Konzepten gefasste Objekte bislang bildet. Die ←11 | 12→Untersuchungen zielen darauf ab, die Polysemie des Freiheitsbegriffs auf verschiedenen Etappen seiner Entwicklung zu beschreiben, angefangen mit den frühen indoeuropäischen, weiter durch alt-, mittel- und frühneuhochdeutsche Formen und ihre Lesarten bis hin zu weit ausgebauten polysemen Netzwerken im Neuhochdeutschen. Dafür ist es unabdingbar, schrittweise die einzelnen semantischen Felder unter die Lupe zu nehmen, indem man die Verwandtschaft der Lesarten sowohl diachron als auch synchron analysiert. Die Analyse stützt sich auf lexikographische Angaben, rechtliche, philosophische sowie journalistische Texte und verläuft auf der Basis des Diskurses, der hier als mentales Gebilde verstanden wird, das auf der Herstellung von Bedeutungen und ihren Bezeichnungen im Rahmen eines Konzeptes beruht.

Die vorliegende Studie setzt sich aus zwei Teilen zusammen, von denen der erste theoretisch und der zweite analytisch geprägt ist. Kapitel zwei befasst sich mit den textlinguistischen Konzepten als Bausteinen zur Diskurslinguistik, wobei die besondere Aufmerksamkeit auf den Text als Schnittstelle von Text- und Diskurslinguistik und die Ansätze zum Text und Diskurs gelenkt wird. Im Kapitel drei geht es um die Etablierung der Diskurslinguistik als linguistische Disziplin unter Berücksichtigung der semantischen und kognitiven Einflüsse. In diesem Kapitel wird auch die Problematik der Kritischen Diskursanalyse sowie die der Korpusanalyse berührt, um die Unterschiede zur Diskursanalyse zu verdeutlichen. Auch hier wird hervorgehoben, dass der Diskurs ein mentales Phänomen ist und die linguistische Diskursanalyse eine Analyse von allen Diskurs-Teileinheiten, also Morphemen, Wörtern, Sätzen und Texten ist, die in einem bestimmten diskursiven Bezugsrahmen zueinanderstehen. Zur Aufgabe der Diskursanalyse wird es wiederum, sprachliche Bedeutungen der genannten Diskurs-Teileinheiten als Ausdruck von Wissensstrukturen zu beschreiben.

Das vierte Kapitel referiert auf kognitive Ansätze, die im Rahmen der kognitiven Linguistik erarbeitet wurden. Die Kognitive Linguistik ist eng mit den menschlichen Erkenntnisprozessen verbunden und gemäß ihrer Grundannahmen bildet die Sprache einen integralen Teil der menschlichen Erkenntnis und somit des menschlichen Geistes. Die Untersuchungen zur Sprache werden daher im Kontext des Wissens über das menschliche Gehirn geführt. Die kognitive Forschung sucht nach Erklärungen zum Funktionieren der Sprache, die auf der menschlichen Erkenntnis – Wahrnehmung, Datenverarbeitung, Speichern von Informationen – basieren, indem die Sprache gleichzeitig als eine von mehreren kognitiven Fähigkeiten aufgefasst wird.

Besondere Aufmerksamkeit wird hier dem Problem der Konzeptualisierung und des Konzepts nach Langacker (vgl. Langacker 1987, 1991, 2008)3 und Taylor (vgl. Taylor 2002, in polnischer Übersetzung 2007) gewidmet, die in der anschließenden Analyse als Untersuchungsinstrumentarium genutzt werden. Das theoretische Gerüst bildet hier die Theorie der Kognitiven Grammatik, nach welcher der Gegenstand der linguistischen kognitionsorientierten Beschreibung nicht die Sprache selbst ist, d.h. nicht das Wesen der morphologischen und syntaktischen Konstruktionen selbst, sondern die Art und Weise, auf welche wir die Welt aufnehmen, anders ausgedrückt: konzeptualisieren, und unsere Informationen versprachlichen. Der Sprache wird dabei eine symbolische Funktion zugeschrieben, indem Lexikon, Morphologie und Syntax ausschließlich als symbolische Strukturen expliziert werden. Nach Langacker wird die Sprache als eine Sammlung von Lexemen und Konstruktionen bestimmter Bedeutungen begriffen, die im menschlichen mentalen Lexikon gespeichert sind und die vom Menschen im Kommunikationsprozess gebildet und verstanden werden (vgl. Langacker 2009: 48). Die Sprache als Symbol und Bedeutungsträger ist zugleich ein Schlüssel zum Begriffsgehalt der Wörter, der Konstruktionen und ganzer Konzepte. Den Zugang dazu ermöglichen die Erkenntnisdomänen, in deren Rahmen sich die gesammelten Konzeptualisierungsstrukturen dann aus verschiedenen Perspektiven und in verschiedenen Kontexten sprachlich rekonstruieren lassen (vgl. Langacker 2009: 71).

Da die Konzeptualisierung eng mit der epistemischen Bewertung der Sachverhalte zusammenhängt, liegt ihr auch die menschliche Fähigkeit zur Kategorisierung zugrunde, die, wie Croft und Cruse betonen, eine grundlegende kognitive Aktivität bildet (vgl. Croft/Cruse 2004), was in dem in Rede stehenden Kapitel ebenfalls einen wichtigen Teil der Beschreibung bildet.

Im Kapitel vier wird sowohl dem Problem der Konzeptualisierung in der Konstruktionsgrammatik wie auch in den Arbeiten polnischer Sprachwissenschaftler Raum gewidmet, sowie der metonymischen und der metaphorischen Konzeptualisierung von George Lakoff und Mark Johnson (1980).

Kapitel fünf und sechs umfassen detaillierte Analysen zum Begriff FREIHEIT, die auf der Festlegung seiner Polysemie auf verschiedenen Stufen seiner Entfaltung beruhen. Die Untersuchung konzentriert sich zunächst auf die diachrone ←13 | 14→Beschreibung der Lesarten, um dann zur synchronen Analyse im Rahmen der Erkenntnisdomänen überzugehen, dank denen ein kohärentes sprachliches Bild von FREIHEIT erzielt werden kann. Den Ausgangspunkt der synchronen Analyse bildet eine semantische, auf lexikographische Quellen gestützte Analyse, die sowohl auf ost- als auch westdeutschen Wörterbüchern basiert. Den Gegenstand der Beschreibung im Kapitel sechs bildet dann das sprachliche Bild der FREIHEIT, wie es sich in der Zeit des Mauerfalls 1989 in verschiedenen deutsch-deutschen Bereichen manifestiert. Hier wird ein Versuch unternommen, einen Ausschnitt des mentalen Deutschlands am Beispiel der deutschen journalistischen Texte zu erfassen, weshalb dieser Teil mit einer einleitenden Erläuterung des historischen Kontextes versehen wird. Das Hauptanliegen dieser Untersuchung ist, den mentalen Raum in Gestalt der deutschen Freiheit, die sich zu guter Letzt vor allem als Reisefreiheit offenbart, anhand der metonymischen (in Form von Prädikat-Argument-Strukturen) und metaphorischen Repräsentationen zu rekonstruieren, was unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen und politischen Kontexte erfolgt.

Biographische Angaben

Elżbieta Pawlikowska-Asendrych (Autor)

Elżbieta Pawlikowska-Asendrych ist Germanistin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Fremdsprachliche Philologien der Jan-Długosz-Universität in Częstochowa. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Text-, Diskurs- und Pragmalinguistik, sowie kognitive und kontrastive Linguistik.

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Titel: Das Konzept der deutschen FREIHEIT im kognitiven Untersuchungsparadigma