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Wissen in institutioneller Interaktion

von Alexandra Groß (Band-Herausgeber:in) Inga Harren (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 246 Seiten
Open Access

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung: Wissen in institutioneller Interaktion (Alexandra Groß / Inga Harren)
  • Epistemik in der Hörgeräteberatung: Das subtile Ausblenden klienten‑initiierter Relevanzen (Maria Egbert)
  • „SOME tablets they say that i don’t get anyMORE.“ – Wissensaushandlungen in der mehrsprachigen häuslichen Pflege (Igor Matic, Sandra Hanselmann / Ulla Kleinberger)
  • Nichtwissen als interaktive Ressource in Therapiegesprächen (Karin Birkner / Christina Burbaum)
  • „genau darum gez doch“ – (Nicht-)Wissenszuschreibungen als vertrauensbildende Maßnahmen im Online-Coaching (Caroline Weinzinger)
  • „watt soll ich dazu SAgen“ – (Dis)Alignment bei der interaktiven Manifestation epistemischer Asymmetrien (Miriam Morek)
  • Die multimodale (De-)Konstruktion der Experten. Betrachtungen am Beispiel des Klimawandel-Diskurses im Fernsehen (Michael Klemm)
  • “creo que e:s=si no me equivoco=el VI:rus (--) de SIda” – Zur interaktiven Wissensaushandlung im dominikanischen HIV/AIDS‑Aufklärungsgespräch (Ramona Pech)
  • Anhang: Transkriptionskonventionen1

FORUM

ANGEWANDTE LINGUISTIK

F.A.L. BAND 55

Alexandra Groß/Inga Harren (Hrsg.)

Wissen in institutioneller
Interaktion

Herausgeberangaben

Alexandra Groß ist Sprachwissenschaftlerin und Psychologin und arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Germanistische Linguistik der Universität Bayreuth. Ihre Forschungsinteressen sind u. a. Wissen-in-Interaktion, Arzt/Patient-Kommunikation und Gesprächsanalyse. Inga Harren hat an der Universität Bayreuth zu wissensbezogenen Unterrichtsinteraktionen und sprachförderndem Lehrerverhalten promoviert. Weitere Schwerpunkte ihrer Forschung bilden die deutschdidaktische Schreibforschung sowie Sachtextformulierungen und -überarbeitungen. Aktuell vertritt sie die Professur Deutsche Sprache und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

Über das Buch

Die Beiträge dieses Bandes untersuchen aus einem angewandt-gesprächsanalytischen Zugriff wissensbezogene Aushandlungsprozesse in Gesprächen von Institutionenvertreter/innen mit Klient/innen und ihren Zusammenhang mit institutionellen Aufgaben und Zielen sowie den sozialen Rollen der Interagierenden. Wissen ist in solchen Gesprächen allgegenwärtig: Es bildet in vielfältiger Weise Grundlage und Gesprächsinhalte für professionelles berufliches Handeln und entpuppt sich als interaktional außerordentlich komplex. Die Untersuchung von wissensbezogenen interaktionalen Praktiken, z. B. Praktiken des Wissenstransfers, eröffnet neue Perspektiven auf die institutionelle Praxis. Sie dient damit der – aus angewandter Perspektive angestrebten – Optimierung wissensbezogener kommunikativer Prozesse.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Alexandra Groß & Inga Harren

Einleitung: Wissen in institutioneller Interaktion

1. Wissen in institutioneller Interaktion

Wissen ist in Gesprächen zwischen Institutionenvertreter/innen und Klient/innen allgegenwärtig. Es bildet in vielfältiger Weise Grundlage und Gesprächsinhalte für professionelles berufliches Handeln und entpuppt sich als interaktional außerordentlich komplex. Viele verschiedene Aspekte von Wissen wirken zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. So nehmen Sprecher/innen ständig Wissenszuschreibungen vor: Sie behandeln ihre Gesprächspartner/innen in Bezug auf unterschiedliche Gesprächsthemen als Expert/innen oder Laien, sie positionieren sich selbst in Bezug auf das Vorhandensein ihres jeweiligen Wissens und sie markieren geäußerte Wissenselemente in Bezug darauf, als wie sicher sie ihr Wissen einschätzen1 (cf. u. a. Heritage 2013). Unterschiedliche oder divergierende Wissensbestände der Gesprächsteilnehmer/innen spiegeln sich wider in ihrem (institutionellen) interaktiven Handeln, in unterschiedlichen Praktiken zur Aushandlung divergierender Wissensbestände, in Praktiken des Wissenstransfers und in der Ausrichtung von Einzeläußerungen sowie ganzer Folgen von Äußerungen auf das antizipierte Wissen des jeweiligen Gegenübers. Viele dieser Aspekte wurden bereits in den vergangenen Jahren in der diskurs-, gesprächs- und konversationsanalytischen Grundlagenforschung anhand sehr unterschiedlicher Gesprächstypen untersucht (cf. Abschnitt 2 dieser Einleitung, außerdem Deppermann 2015).

Die Angewandte Gesprächsforschung, die in diesem Sammelband als Forschungsperspektive leitend ist, stellt als genuines Forschungsinteresse Interaktionen in den Vordergrund, die in beruflichen Kontexten statt←7 | 8→finden oder als institutionell gewertet werden (cf. Abschnitt 3, außerdem Becker-Mrotzek / Meier 2002). Die Perspektive Wissen in institutioneller Interaktion ist also bereits im Untersuchungsfeld der Angewandten Gesprächsforschung angelegt und geht mit spezifischen Schwerpunktsetzungen einher: Besonders im Fokus stehen professionelle Handlungsroutinen von Institutionenvertreter/innen im Gespräch mit Klient/innen und ihr Zusammenhang mit institutionellen Aufgaben und Zielen (cf. Antaki 2011: 9–11). Das analytische Vorgehen der Angewandten Gesprächsforschung beinhaltet häufig zunächst die Identifikation und das vertiefte Verstehen von Sequenzen, die als rekurrente problematische Aktivitäten identifiziert werden können. Ein weiteres Ziel ist es, herausarbeiten, wie professionell Handelnde die täglichen Herausforderungen ihres Jobs meistern beziehungsweise welche interaktionalen Praktiken dafür verantwortlich sein können, dass sie ihre Aufgaben häufig reibungslos und erfolgreich bewerkstelligen (cf. Antaki 2011: 7). In der Beurteilung professionellen Gesprächshandelns als gelungen oder weniger gelungen verlässt sich die Angewandte Gesprächsforschung dabei nicht auf (Problem-)Schilderungen oder Einschätzungen, die lediglich ex situ mit Rückgriff auf Erfahrung und/oder Beobachtung erfolgen (cf. z. B. Becker-Mrotzek / Meier 2002; Fiehler 2012), sondern verbindet ein detailliert-deskriptives analytisches Vorgehen mit Bewertungen und Verbesserungsvorschlägen, die sich zum Teil aus den Analyseergebnissen selbst ableiten lassen (z. B. mittels sichtbarer Brüche in der Interaktion oder expliziter Problemzuschreibungen der Institutionenvertreter/innen und Klient/innen im Gespräch) und die sich weiterhin aus dem Vergleich gesprächsexterner (institutioneller) Zielsetzungen mit den tatsächlichen Geschehnissen im Gespräch ergeben (cf. Fiehler 2012: 266). Die Perspektive der Klient/innen spielt in angewandter Forschung zudem insofern eine Rolle, als für ein erfolgreiches kommunikatives Handeln deren kommunikative Voraussetzungen maßgeblich sind und Institutionenvertreter/innen ihr Handeln in Abgleich mit den Bedürfnissen ihrer Klient/innen bringen müssen. Zum Teil sind es aber auch die sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten der Klient/innen selbst, an denen Institutionenvertreter/innen wie Lehrer/innen oder Therapeut/innen arbeiten (cf. Antaki 2011: 5).

Details

Seiten
246
ISBN (PDF)
9783653049732
ISBN (ePUB)
9783653979640
ISBN (MOBI)
9783653979633
ISBN (Buch)
9783631655337
Open Access
CC-BY-NC-ND
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (April)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2016. 246 S., 3 farb. Abb., 4 s/w Abb.

Biographische Angaben

Alexandra Groß (Band-Herausgeber:in) Inga Harren (Band-Herausgeber:in)

Alexandra Groß ist Sprachwissenschaftlerin und Psychologin und arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Germanistische Linguistik der Universität Bayreuth. Ihre Forschungsinteressen sind u. a. Wissen-in-Interaktion, Arzt/Patient-Kommunikation und Gesprächsanalyse. Inga Harren hat an der Universität Bayreuth zu wissensbezogenen Unterrichtsinteraktionen und sprachförderndem Lehrerverhalten promoviert. Weitere Schwerpunkte ihrer Forschung bilden die deutschdidaktische Schreibforschung sowie Sachtextformulierungen und -überarbeitungen. Aktuell vertritt sie die Professur Deutsche Sprache und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

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Titel: Wissen in institutioneller Interaktion