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Transkulturelle Perspektiven in der Bildung – Transcultural Perspectives in Education

von Gerd-Bodo von Carlsburg (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 502 Seiten

Zusammenfassung

Dieser Band dokumentiert eine Reihe von ausgewählten Beiträgen der XXII. Internationalen wissenschaftlichen Konferenz Bildungsreform und Lehrerausbildung zum Thema »Transkulturelle Perspektiven in der Bildung«, die vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Litauen und der Vilnenser Akademie für Bildungswissenschaften der Vytautas Magnus Universität in Kaunas (VDU) gemeinsam konzipiert und veranstaltet wurden. Im Fokus standen der Diskurs kulturwissenschaftlicher Bildungsforschung und der Austausch von Beispielen transkultureller pädagogischer Praxis in der Hochschul- und Schulbildung. Der Erwerb dieser interaktiven Kompetenzen in der kulturwissenschaftlichen Forschung ist Voraussetzung für die Bildung einer Identität, die den Herausforderungen unserer Gesellschaft im kommenden Jahrzehnt gerecht wird.
This volume presents a series of selected contributions from the XXIInd International Scientific Conference on The Reform of Education and Teacher’s Training dealing with the topic »Transcultural Perspectives in Education«, which was conceived and organized by the Ministry of Education and Science of the Republic of Lithuania together with the Vilnius Academy of Educational Science at Vytautas-Magnus-University in Kaunas (VDU). The focus of attention was the discourse on research in cultural studies and the exchange of examples of transcultural pedagogical practice in Higher and Secondary Education. The acquisition of interactive competencies in cultural research is a prerequisite for the formation of identity in order to meet the challenges our society will be facing in the coming decade.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Gerd-Bodo von Carlsburg: Einleitung
  • Gerd-Bodo von Carlsburg: Transkulturalität am Beispiel von Heidelberg und Vilnius
  • Gerd-Bodo von Carlsburg, Martina Möller: Zur Bedeutung von Transkulturalität in einer reflexiven Bildungswissenschaft
  • Christoph Wulf: Bildung in Europa als interkulturelle Aufgabe
  • Havva Engin: Transkulturelle Pädagogik als Bildungs- und Erziehungsmodell migrationsbedingt diverser Gesellschaften
  • Anja Kraus: A Pedagogy of Cultural Awareness
  • Anja Kraus: Transcultural Learning: Emphasizing and De-Emphasizing Difference as a Pedagogical Task
  • Lina Garšvė, Natalija Mažeikienė: Being In-Between and Nowhere: A Hermeneutic Approach to Negotiating Transcultural and Third Space Identities
  • Gerd-Bodo von Carlsburg, Helmut Wehr: Diversität und transkulturelle Kommunikation
  • Karl-Heinz Dammer: Bildung und Fremdsein
  • Airi Liimets: Postmoderne in der Post-Postmoderne
  • Melanie Kuhn: Views about Parents with an ‘Immigration Background’ – Discursive Practices of Differentiation in Literature for Educational Professionals in Preschool and School
  • Anja Kraus: Bildungsziele und die Lehrer*innenbildung in Schweden
  • Gerd-Bodo von Carlsburg: Preconditions for the Development of the Child’s Understanding
  • Thomas Strehle: Der Umgang mit Migration als didaktische Aufgabe im Kontext von (Ent-)Kategorisierung
  • Eva Maria Waibel: Starke Kinder – authentische Erziehende
  • Sigvard Clasen: Kulturverflechtung in globalen Unternehmen
  • Gediminas Merkys, Daiva Bubelienė, Nijolė Čiučiulkienė: Do Aspects of “Heavy Homework load” and “Demanding Teacher” Make an Impact on an Effective Learning?
  • Thomas Vogel: Mäßigung – ein zukünftiges Bildungsziel?
  • Asta Rauduvaitė, Linlin Wang: Music Teacher Education in Lithuania
  • Karl-Heinz Dammer: Was hat Humor in der Schule zu suchen?
  • Konstantinos D. Chatzidimou: Sprachunterricht in der Grundschule Griechenlands am Beispiel der ersten Schulklasse
  • Diana Babušytė, Liudmila Mockienė: Zur Typologie von Europäismen im Deutschen, Litauischen und Russischen
  • Dimitris Chatzidimou, Aikaterini Polymili: Students’ Admission to Greek Tertiary Education without Private Coaching Schools (“Frontistiria”): A Research Study
  • Gintautė Žibėnienė, Marijona Barkauskaitė: National School Elements in the Good School Concept: Analysis of the View of School Students’ Parents
  • Giedrė Misiūnienė: Operational Possibilities of Full-Day School within a Rural Multifunctional Center
  • Katrin Tanvel: Gender Aspect Thinking and Its Manifestations in Music Teachers Attitudes about Music
  • Abbildungsverzeichnis
  • Liste der Tabellen
  • Autoren

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Gerd-Bodo von Carlsburg

Einleitung

Abstract: This volume presents a series of selected contributions from the XXIInd International Scientific Conference on The Reform of Education and Teacher’s Training dealing with the topic »Transcultural Perspectives in Education«, which was conceived and organized by the Ministry of Education and Science of the Republic of Lithuania together with the Vilnius Academy of Educational Science at Vytautas Magnus University Kaunas (VDU). The focus of attention was the discourse on research in cultural studies and the exchange of examples of transcultural pedagogical practice in Higher and Secondary Education. The acquisition of interactive competencies in cultural research is a prerequisite for the formation of identity in order to meet the challenges our society will be facing in the coming decade.

Keywords: Cultural studiestranscultural practice and research

Abb. 1: Archiv VDU

Der vorliegende Band dokumentiert eine Reihe von ausgewählten Beiträgen der XXII. Internationalen wissenschaftlichen Konferenz (The XXIInd International Conference/XXII-oji tarptautinė mokslinė konferencija) zur Bildungsreform und Lehrer(aus-)bildung (The Reform of Education and Teacher’s Training/Švietimo reforma ir mokytojų rengimas) zum Thema »Transkulturelle Perspektiven in der Bildung«, die vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Litauen und der Vilnenser Akademie für Bildungswissenschaften der Vytautas Magnus Universität Kaunas (VDU) gemeinsam konzipiert und veranstaltet wurden. Im Fokus standen der Diskurs kulturwissenschaftlicher Bildungsforschung und der Austausch ←11 | 12→von Beispielen transkultureller pädagogischer Praxis in der Hochschul- und Schulbildung. Der Erwerb dieser interaktiven Kompetenzen in der kulturwissenschaftlichen Forschung ist Voraussetzung für die Bildung einer Identität, die den Herausforderungen unserer Gesellschaft im kommenden Jahrzehnt gerecht wird.

Diese Peter Lang Edition enthält nur einen Teil dieser vielen Referate, ein weiterer Teil wurde in der Zeitschrift Pedagogika publiziert. Mitveranstalter war die Pädagogische Hochschule Heidelberg – University of Education, eine bildungswissenschaftliche Hochschule mit universitärem Status, die als einzige bildungswissenschaftliche Institution für die Lehrer(aus-)bildung innerhalb der Bundesrepublik Deutschland nicht in die Universität integriert wird, weil politisch seitens der Landesregierung Baden-Württemberg nicht gewollt. Zwischen beiden Institutionen besteht ein Kooperationsvertrag über den Dozenten- und Studierendenaustausch (Studium und Praktika) sowie eine wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Universitäten/Hochschulen, welcher auch eine gemeinsame Betreuung von Bachelor-, Magister- und Doktorarbeiten sowie Mitgliedschaft in der Promotionskommission einschließt.

Die Reihe Baltische Studien zur Erziehungs- und Sozialwissenschaft erfreut sich der großen Wertschätzung durch die litauischen akademischen und wissenschaftlichen Bildungsinstitutionen, Lehrerweiterbildungsseminare, Parlament, Ministerium für Bildung und Wissenschaft sowie Außenministerium, auch seitens der deutschen Botschaft und der Konrad-Adenauer-Stiftung, Büros Baltische Staaten.

Abb. 2: Vytautas-Magnus-Brücke in Kaunas über die Nemunas (Memel), linke Seite Kloster (Priesterseminar) und Vytautaskirche, rechte Seite Kathedrale. Foto v. Carlsburg

Die bisher jährlich stattfindenden Tagungen in Form eines gemeinsamen Diskurses und mehrerer Workshops stellen die Verknüpfung der Hochschul- und ←12 | 13→Schulbildung unter Rekurs der von Politik und Kultur geprägten Tradierungen im Hinblick einer reflexiv-modernen Bildungswissenschaft in den Fokus, ergänzt durch aktuell generierte Forschungsgegenstände, so in diesem Jahr die Topics Transkulturelle Studien – Interkulturelle Pädagogik – und damit im Zusammenhang stehend: Komparative Erziehungswissenschaft, diskutiert am Selbstbild, unter der biografisch-normativ gesellschaftlich reflektierten Sichtweise des Selbst gegenüber Akkulturation, Enkulturation, Lebensstil der Anderen, ihre Herkunft, Sprache, Kompetenzen, Heterogenität, Leistungs- und Lernmotivation …, Mitgliedschaften, sozialen Einstufungen, Zugehörigkeiten…

Die transkulturellen Studien als originär kulturwissenschaftliches Forschungsgebiet gewinnen zunehmend an Bedeutung für die Bildungswissenschaft, erste Studiengänge sind etabliert, u.a. an der Heidelberger Universität, wobei die Interkulturelle Pädagogik den Bildungsbedarf rekurriert, verbunden mit migrationsgesellschaftlichem Hintergrund. Letztlich gehört in diesen Kontext noch die Komparative Erziehungswissenschaft eingegliedert, die sich methodisch und methodologisch vergleichend mit nationalen sowie internationalen Bildungssystemen, Entwicklungen, Kultur- und Sozialinstitutionen in Bildungs- und Sozialwissenschaften befasst, dies im Hinblick auf die Herausforderungen der Gesellschaft des kommenden Jahrzehnts (Perspektivenwechsel im Bildungs- und Erziehungssektor).

Abb. 3: Kathedrale und Alter Markt in Kaunas. Foto v. Carlsburg

Zu dieser Thematik diskutierten in Litauen Wissenschaftler, praktizierende Pädagogen und Mitglieder von teils internationalen, aber insbesondere nationalen Universitäten und Bildungsorganisationen. Behandelt wurden anstehend sich ←13 | 14→ergebende Fragen, wie die Reformierung des Studiums und die Formulierung von Bildungsstandards, Lehrkompetenzen und Fragen der Unterrichtsqualität im Hinblick auf eine stärke Fokussierung der Neuorientierung sowie Umstrukturierung des Studiums an die Anforderungen internationaler Levels.

Die Zielsetzung der Vytautas Magnus Universität Kaunas und ihrer Akademie für Bildungswissenschaften in Vilnius bis zum Jahre 2020 im Zusammenhang mit der Perspektive Kaunas 2020 sieht als Vision die Ausbildung von kulturellen Kompetenzen unter Berücksichtigung transkultureller Perspektiven vor – und damit implizit Lernkulturen, die primär den Kulturwerten Litauens geschuldet sind, zugleich aber auch – damit verknüpft – Persönlichkeitsförderung im Sinne von impliziter als auch expliziter Identitätsbildung durch die komparatistische Forschung. Diese Spurensuche, ja Vorstellungskraft, setzt somit den Erwerb internationaler Kompetenzen im Bildungs-, Erziehungs-, Enkulturations- und Sozialisationsbereich voraus.

Abb. 4: Rathaus in Kaunas und Priesterseminar im Hintergrund. Foto v. Carlsburg

Leitziel ist die Qualifizierung einer urteilskräftigen, divergierend sowie konkludent denkfähigen, jungen Generation sowie das kritisch-konstruktive Gestalten ←14 | 15→und Disseminieren dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse und Kulturwerte durch das Besinnen auf transkulturelle Denk- und Lernkulturen im Sinne einer sich wandelnden (Zivil-)Gesellschaft, d.h. insbesondere Artikulierung eigener Anforderungsprofile und innovatives Einbringen eigener Initiativen in diese Zivilgesellschaft, um der Forderung Challenges of Time to Educational Research in Lithuania gerecht zu werden.

Als wichtiger Schritt für die Erreichung dieser hochgesteckten Vision dienen besagte internationale Konferenzen, deren Teilnehmer ihre Bemühungen als Spurensuche für eine Vervollkommnung des Bildungssystems in Litauen verstehen.

Auf den früheren Konferenzen, die gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Litauen und den ausländischen Partnern veranstaltet wurden, hat man bereits intensiv aktuell anstehender Fragen zugewandt, wie Humanismus, Demokratie und Zivilgesellschaft, Autonomie von Universität und Schule, Erziehungswandel, Perspektivenwechsel, Wissenschaft – Studium – Schule, Bildungsstandards, Heranbildung einer Informationsgesellschaft/moderne Technologien, Kultur-, Qualitäts- und Bildungsmanagement.

Die Ergebnisse der Konferenzen wurden stets in umfangreichem Maße publiziert, u.a. in der litauischen Zeitschrift Pedagogika, im Internet und besonders interessierende Forschungsergebnisse seit 1999 in dieser Reihe herausgegeben.

Abb. 5: Altstadt von Kaunas, Backsteingebäude aus der Hanse: Perkuno namai (Donnergott Gebäude). Foto v. Carlsburg

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Die Konferenz war implizit auch Fragen der Effektivität und Perspektiven gemeinsamer Zusammenarbeit gewidmet, verbunden mit dem Vorsatz, Gedanken litauischer Wissenschaftler und Pädagogen den ausländischen, insbesondere deutschen Erziehungswissenschaftlern, diskursiv näher zu bringen und somit die internationalen Bemühungen in Ost und West zu aktivieren. Eine Symbiose lebt nur auf der Grundlage gegenseitigen Gebens und Nehmens.

Abb. 6: Auferstehungskirche im Zentrum von Kaunas. Foto v. Carlsburg

Transkulturalität als Befruchtung von Bildung, hängt in erster Linie von der Professionalisierung der Wissenschaftler ab, von ihrer Befähigung, nicht nur Kultur zu vermitteln, sondern auch internationale kulturelle Werte, die Soziabilisierung in einem modernen demokratischen Staatsgefüge entfalten. Dies basiert auf historischem Hintergrund und dient der Bildungsinnovation gegenwärtiger Forschung, der Umsetzung von globalen Erfahrungen in einem Land, das neue Wege beschreitet und internationale Reputation erwirbt.

Folgende Workshops unter dem Angebot von Vorträgen im Hinblick auf die Thematik verdienen Erwähnung:

1. Change and renewal of education.

2. Change and renewal in higher education.

3. New challenges to Lithuanian education.

Die kritisch-konstruktive Einbindung der Transkulturalität generiert die Idee Widerspiegelung der menschlichen Freiheit, Hinführung zu Autonomie durch Kräftigung von Denk- und Urteilskraft durch Wissenschaft und Lebensreform.

Abb. 7: Schloss Raudonė an der Nemunas (Memel) bei Kaunas, Gymnasium. Foto v. Carlsburg

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Folgende Fragestellungen wurden ebenfalls in den Vorträgen vertieft: Internalisierung der Geistes- und Kulturwerte, Einfluss ethnokultureller Kenntnisse und Fähigkeiten, Fragen des Wandels und Erneuerung politischen und kulturellen Denkens durch Umformung des Erziehungsprozesses.

Alle genannten Aspekte sind wichtiger Bestandteil zur Vervollkommnung der Lehrerbildung und Weiterentwicklung der Bildungsreform im Hinblick einer Entdeckung von Lebenskultur.

Abb. 8: Schloss Panemunė an der Nemunas (Memel) bei Kaunas, Außenstelle der Kunstakademie Vilnius, Ausstellungen, Hotel u. Restaurant. Foto v. Carlsburg

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Alle Referenten/innen aus Theorie, Fachdidaktik und Praxis unternahmen den Versuch, aus ihrer Sichtweise das Thema im Kontext des Heranwachsens einer Bürgergesellschaft zu erörtern. Gewünscht wurde hierbei nochmals der intensive Gedankenaustausch an Erfahrungen mit den ausländischen Kollegen, aufgeworfen wurde zudem die Frage der eng mit dem Denk- und Umdenkprozess verwobenen Soziabilisierung der Hochschullehrer/innen als auch der Studenten/innen durch Studienaufenthalte an ausländischen Universitäten.

Alle genannten Aspekte sind wichtiger Bestandteil zur Vervollkommnung der Lehrerbildung und Weiterentwicklung der Bildungsreform auch im Hinblick einer Entdeckung von Prosperität und Lebensqualität.

Abb. 9: Heidelberger Schloss von Osten, „SCENOGRAHIA HORTVS PALATINVS A FREDERICO V. ELECTORE PALATINO HEIDELBERGÆ EXTRVCTVS. 1620.“ (Wenzel Hollar [1607–1677] um 1690), Radierung nach Matthäus Merian d.Ä. (1620), aus: Braun, Georg u.a. (1657). Urbium totius Germaniae superioris (…), Amstelodami apud Johannem Janssonium. Architekt: Salomon de Caus nach Jacques Fouquières vor 1620, 4 Platten, verbunden als Faltblatt, hier: „PROSPECT Des Churfürstlichen Pfältzischen RESIDENT Schlosses und Lústgartens zú Heidelberg.“ Archiv v. Carlsburg

Die Konferenzproblematik lässt sich somit auf folgende Schwerpunkte eingrenzen:

1. Faktoren, die die Bildungsqualität unterstützend beeinflussen: gesellschaftliche und bildungspolitische Probleme und reale Veränderungsmöglichkeiten im Hinblick auf Transkulturalität.

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2. Probleme der Soziabilisierung: Lösungsmöglichkeiten in der gegenwärtigen Bildungslandschaft und Gesellschaft als Ausgangspunkt für Komparatistik und Transkulturalität.

3. Erziehungstheorie und -praxis im Hinblick auf interkulturelle Bildungswissenschaft.

4. Stellenwert der Kulturwissenschaften im Hinblick auf Komparatistik.

5. Erziehungsprinzipien und -werte, zukünftige Bildungsplanung, die Transkulturalität als Gesellschaftsziel projektiert.

Reform der Lehrerbildung

Die Reformierung der Lehrerbildung ist und bleibt gerade im Hinblick auf den gesellschaftlichen Wandel und die Neuen Medien ein aktuelles Thema. Neue Denk- und Lernkulturen, die Einbindung von Transkulturalität, Komparatistik und interkultureller Bildungswissenschaft, die unserer Risikogesellschaft Rechnung tragen, die zukunftsorientiert nicht die Tradierungen außer Acht lassen, die auch zum Umdenken motivieren, sind eine Conditio sine qua non.

Abb. 10: „Wahre Contrafactur der Chủrfürstlichen Statt Heidelberg, vnd wie dieselbige von General [Johann Tserklaes von] Tillÿ Belägert vnd eingenohmen worden Anno 1622.“, Schloss Heidelberg war die Residenz des Pfalzgrafen Friedrich V., Kupferstich (ca. 1630) von Matthäus Merian d.Ä. (1593–1650), erstmals 1635 im Theatrum Europaeum, Legende: „Designation der ziffern. 1. Das Schloß. 2. de Newe Garten. 3. Heÿlig Geyst Kirch. (…) 17. der Marstall. (…) 19. der Tillischen General=Sturm. (…)“, Ziffern 1–20. Archiv v. Carlsburg

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In der Konferenz wurden Forschungsergebnisse vorgestellt, die letztlich sozial-psychologische Kompetenzen tangieren. Im Kontext der litauischen Bildungsreform sind besagte Forschungsbeiträge zur Sozialpsychologie als auch empirischer Bildungsforschung und deren Auswirkungen auf die Jugend von nicht zu vernachlässigender Bedeutung. Dieser Schwerpunkt erhält seine Legitimation gerade durch die Entwicklung neuer Ansätze und Sichtweisen und Analyse von Internationalität und Transkulturalität.

Es sei zu hoffen, dass diese und auch weiterführende Gedankengänge in den dargebotenen Beiträgen Anstöße zum Weiterentwickeln von bildungspolitischen Konzepten leisten, dass der an der Thematik Interessierte auch Neues an Informationen finden wird, angestoßen durch diese Konferenz, denn das Spektrum der insbesondere von litauischen Autoren gewählten Themen und Perspektiven gestaltete sich sehr mannigfaltig: Es reichte von Fragen der Lebensreform bis hin zu Forschungsberichten unter erziehungswissenschaftlichen, psychologischen, soziologischen und kulturellen Aspekten; aber insbesondere wurden auch Probleme der Migration, Einbürgerung, Sozialisierung …, die ein eigenes Denken und Handeln erforderlich machen, erfasst. Die meisten der in diesem Sammelband vorgestellten litauischen Beiträge analysieren Probleme, die für die Stabilisierung der Zivilgesellschaft Litauens aktuell sind. Die Auswahl vermittelt einen facettenhaften Überblick und soll motivieren, auch in den kommenden Jahren Internationale Konferenzen zu planen, um aus eigener Perspektive den politischen und erziehungswissenschaftlichen Paradigmenwechsel aus globaler Sichtweise zu erörtern.

Abb. 11: Matthäus Merian d.Ä. (1645) – „Das ChủrFủrstliche Pfältzische Schloß vnd Gartten, Zu Haӱdelberg. ủon Mitternacht an zủsehen.“ (Erstmals in: Zeiller, Martin/Merian, Matthäus [Hrsg.] [1645]. Topographia Palatinatus Rheni et vicinarum Regionum, Frankfurt a.M., verlegt von Matthäus Merian d.Ä. (ca. 1672). Archiv v. Carlsburg

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Seit Mai 1994 bestand ein Transfer in der Lehrerbildung zwischen Heidelberg und Vilnius, mit der Vytautas Magnus Universität Kaunas wurde ein neuer Kooperationsvertrag geschlossen, der den Austausch von Dozenten und Studenten beinhaltet und die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen bis hin zum Promotionsstudium.

Abb. 12: Heidelberg University of Education (Altbau um 1915). Archiv v. Carlsburg

Somit entwickelt sich weiterhin die Kooperation mit Heidelberg für litauische Dozent*innen und Student*innen nicht einzig als beliebtes touristisches Ziel, sondern die Alma mater paedagogensis ist ein sehr begehrter Studienort im Rahmen von ERASMUS+. Insbesondere erfreuen sich die Praktika an litauischen Schulen bei den Heidelberger Studierenden eines großen Zuspruchs, und Litauen wird im Rahmen der Prosperität und des Tourismus’ immer bekannter beliebter. Im Rahmen der Praktika war über 20 Jahre die Nachfrage der Heidelberger stets größer als vonseiten der litauischen Praktikanten, was sich relativiert. Umgekehrt gestaltet sich das Verhältnis bei den ERASMUS+-Studierenden, obwohl die litauischen Universitäten inzwischen auch Veranstaltungen in Englisch anbieten und man in der Universität hervorragend Englisch beherrscht.

Conclusio

Durch den interkulturellen Transfer auf der Mikroebene sind Menschen in persönlicher und dienstlicher Sphäre zusammengeführt worden; wertvolle Freundschaften entstanden und werden weiter entstehen, die weiter vertieft werden, und die neue Kooperation mit der Vytautas Magnus Universität Kaunas wird sich mit Sicherheit sehr fruchtbar in allen Bereichen entwickeln. Die ersten Begegnungen lassen sehr positive Erwartungen anklingen. Dafür seien Rektor Juozas Augutis und der Prorektorin für Forschung Julija Kiršienė sowie der Prorektorin für Internationale Beziehungen Ineta Dabašinskienė gedankt.

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Abb. 13: Rektorat der Vytautas Magnus Universität Kaunas (Altbau 1922). Foto Ilona Tandzegolskienė

Abb. 14: Foyer im Rektorat der Vytautas Magnus Universität Kaunas, Gemälde des ersten Präsidenten der Litauischen Republik von 1919/20 u. 1926/40 Antanas Smetona (1874–1944 Cleveland, USA), Ehrendoktor der VDU. Foto v. Carlsburg

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Seit dem Beitritt Litauens in die Europäische Union am 1. Mai 2004 haben sich vor allem die politischen und kulturellen Beziehungen zwischen Litauen und Deutschland konstruktiv vertieft, begründet auf einen durch Tradierungen gewachsenen fruchtbaren Austausch im zivilgesellschaftlichen Bereich.

Genannt seien hierbei Wirtschaft, Handel und insbesondere Bildung, die zugleich nachhaltige Zukunft involviert, die aber auch neue Anforderungen an die litauischen Schulen und Universitäten stellt, so eine umfassende Reform der Bildung, primär auf der Basis eines für alle Bürgerinnen und Bürger gerechten Bildungssystems, Schaffung sozialer Lernkulturen und international anerkannter Qualitätsstandards, insbesondere der Hochschulcurricula, letztlich nicht nur der Bildung, sondern auch Erziehung sowie Enkulturation der jungen Generation.

Abb. 15: Rektorat der Vytautas Magnus Universität Kaunas, Vertragsunterzeichnung durch Rektor Augutis (Augutis links/v. Carlsburg rechts). Fotos Archiv v. Carlsburg

Dies gilt zuvörderst für die universitären Kooperationen, die gewachsenen engen Strukturen beider Staaten durch den Ausbau von Kooperationsprogrammen, vor allem der letzten fünfzehn Jahre mit fruchtbarem Boden. Aber auch persönliches Engagement in der personalen und sachlichen Beziehungsebene war dazu erforderlich und wird noch weiter schrittweise aktiviert, ja forciert. Hierzu mögen die „Baltischen Studien zur Erziehungs- und Sozialwissenschaft“ einen wichtigen Anteil unter dem Aspekt der Internationalisierung der Bildungssysteme und -programme leisten.

Abb. 16: Hauptgebäude der VDU. Foto Ilona Tandzegolskienė

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Aus eigener Erfahrung als langjähriger Gastprofessor weiß man um die wachsende Geltung dieser Bildungskulturen im Bereich Kulturwissenschaften, die letztlich auch wieder reflexiv-politisches Denken und Handeln implizieren.

Abb. 17: Studien- und Wissenschafts-/Innovationszentrum der Vytautas Magnus Universität Kaunas, eine der Neubauten 2017, Außenansicht. Foto Ilona Tandzegolskienė

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Das neue Reformkonzept, das eine Zusammenlegung der Universitäten für das Jahr 2018 vorsah, geschah unter dem Zukunftsaspekt einer Konzentrierung auf die wissenschaftlichen Standorte Vilnius, Kaunas und Kleipėda, weg von der Dissemination von zwölf Universitäten, hin zu einer Poolbildung. Dies ist ein weiterer Schritt bezüglich der Qualität der Bildungsstandards, des -managements, der Schaffung neuer Excellenzcluster, der auch für Heidelberg ein Ansporn zu weiterer Vertiefung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und des gemeinsamen Dialogs über die Zukunft unserer Studierenden sein dürfte – für unseren Bereich speziell der Enkulturation und Bildung auf dem Fundament humanitärer und sozialgeprägter Bildungs- und Kulturwissenschaft. Dazu sollen die vergleichenden Ansätze der kulturwissenschaftlichen Bildungsforschung und Beispiele transkultureller pädagogischer Praxis beigetragen, ebenso die rein theoretisch argumentierenden Beiträge als auch empirisch und/oder methodologisch angelegte Artikel dieses Bandes.

Abb. 18: G. Janulytės-Bernotienės Studio, Studien- und Wissenschafts-/Innovationszentrum. Foto v. Carlsburg

Ich wünsche dem „Florilegium“ eine weite Verbreitung und weiß um die Bedeutung dieser hochwertig eingeschätzten (Blüten-)Texte in dieser Reihe in Litauen. Den Autoren danke ich für ihre Beiträge, ihr Engagement auf dem Bildungssektor, und weiß um das Interesse der litauischen Kollegen an einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Reihenherausgebern und der Peter Lang GmbH.

Zu guter Letzt darf ich für die langjährige Mitherausgeberschaft dem Alt-Rektor der Litauischen Universität für Bildungswissenschaftlichen und Mitglied der ←25 | 26→Litauischen Akademie der Wissenschaften Algirdas Gaižutis danken, zugleich begrüße ich die an der Vytautas Magnus Universität Kaunas Sozial- und Bildungswissenschaften lehrende Lehrstuhlinhaberin Natalija Mažeikienė als neue Mitherausgeberin dieser Reihe.

Heidelberg, im Mai 2019
Gerd-Bodo von Carlsburg

Details

Seiten
502
ISBN (ePUB)
9783631798058
ISBN (MOBI)
9783631798065
ISBN (PDF)
9783631798041
ISBN (Hardcover)
9783631791004
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (August)
Schlagworte
Lehrerausbildung Bildungsforschung transkulturelle pädagogische Praxis
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2019. 502 S., 86 s/w Abb., 29 Tab.

Biographische Angaben

Gerd-Bodo von Carlsburg (Band-Herausgeber:in)

Gerd-Bodo von Carlsburg ist Professor für Pädagogik in Heidelberg. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen gehören Werke zur Allgemeinen Pädagogik, Schulbildung, Lehrerausbildung, Lehrberuf und Geschichte der Pädagogik. Er erhielt Ehrendoktorwürden an der Litauischen Universität für Bildungswissenschaften in Vilnius (Litauen) und an der Universität Tallinn (Estland). Gerd-Bodo von Carlsburg is Professor of Education in Heidelberg. He has published several books on general education, schooling, teacher training, teaching profession and history of education. He received honorary doctorates from the Lithuanian University of Educational Sciences (Vilnius) and at the University of Tallinn (Estonia).

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Titel: Transkulturelle Perspektiven in der Bildung – Transcultural Perspectives in Education