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Deutsch übersetzen und dolmetschen

Sprachvergleichende Perspektiven mit Blick auf die Didaktik

von Claudio Di Meola (Band-Herausgeber:in) Joachim Gerdes (Band-Herausgeber:in) Livia Tonelli (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 272 Seiten

Zusammenfassung

Der Band erweitert und vertieft Ergebnisse einer Fachtagung der Germanistischen Abteilung der Universität Genua, die im Herbst 2018 stattfand. Er möchte eine Brücke zwischen aktuellen Forschungsergebnissen der Translatologie und der Universitätsdidaktik in übersetzungs- und dolmetschwissenschaftlichen Studiengängen schlagen. Die Beiträge beschäftigen sich in drei Sektionen mit linguistischen Aspekten der Übersetzung: der allgemeinen, der fachsprachlichen sowie der literarischen Übersetzung. Dabei werden anerkannte Forschungsansätze aus aktueller Perspektive weiterentwickelt und neue Erkenntnisse vorgestellt. Die behandelten theoretischen Aspekte werden im Hinblick auf ihre unterrichtspraktische Vermittlung in der akademischen Lehre diskutiert und mit didaktischen Anregungen ergänzt..

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Title
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Einführung
  • I. Translatologie und Linguistik
  • Informationsstruktur und Übersetzung
  • Übersetzungswissenschaft, Kontrastive Linguistik, Konstruktionsgrammatik: Ein Plädoyer für ein glückliches Zusammenleben
  • Nicht lexikalisierte Komposita in der Übersetzungsdidaktik
  • Eco und die Anderen. Umberto Ecos Beitrag zur Übersetzungstheorie
  • Wie übersetzt man Texte? Die vertikale Übersetzungseinheit als Hilfsmittel zur Übersetzung von Funktionen in Texten
  • Schwerpunkte der Dolmetschwissenschaft im deutschsprachigen Raum und in Italien
  • Zur Lesartbestimmung in Übersetzungswörterbüchern
  • Die f-Markiertheit als Schlüsselparameter der PTP (Strukturmodell der humanen Übersetzungsprozesse)
  • II. Translatologie und Fachsprachen
  • Transitivität in deutschen und italienischen Fachtexten: Kontrastiver Vergleich und Konsequenzen für die Fachübersetzung
  • Fachübersetzen: Theorie(n) auf dem Prüfstand
  • Die Textsorte Gesetz in übersetzungsbezogener Hinsicht
  • III. Translatologie und Literatur
  • Nestroy als Übersetzer und Übersetzter am Beispiel seiner Wortneubildungen (aus dem Französischen und ins Italienische und Englische)
  • Zur Darstellung von DolmetscherInnen in Literatur und Film
  • Autorenspiegel

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Einführung

Mit dem vorliegenden Band werden ausgewählte Vorträge des Symposiums „Deutsch Übersetzen und Dolmetschen“, das am Institut für moderne Sprachen und Kulturen der Universität Genua im Oktober 2018 stattgefunden hat, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zielsetzung des Symposiums und damit der in die drei thematischen Schwerpunkte „Translatologie und Linguistik“, „Translatologie und Fachsprachen“ sowie „Translatologie und Literatur“ unterteilten Aufsatzsammlung ist der Gedankenaustausch zwischen Experten, die vorwiegend in Italien, aber auch in anderen europäischen Ländern in der akademischen Forschung und Lehre tätig sind. Diese setzen sich mit diversen Aspekten und Bereichen der Translationswissenschaft, darunter die Fachsprachenübersetzung, die Rolle des Textes in der Übersetzung, der Beitrag der Lexikologie zur Übersetzung, die Übersetzungsdidaktik, das Dolmetschen und die literarische Übersetzung auseinander. Zusätzlich zu den Beiträgen der TeilnehmerInnen des Symposiums wurden in den Band eine Reihe von thematisch affinen Artikeln aufgenommen, um die inhaltliche und methodische Vielfalt zu erweitern. Ein besonderes Augenmerk widmen alle dreizehn Beiträge didaktischen Aspekten der Translationswissenschaften und der Umsetzung theoretischer Erkenntnisse in die universitäre Unterrichtspraxis.

Den umfangreichsten thematischen Block bildet die Sektion „Translatologie und Linguistik“, da letztere in der universitären Lehre in Übersetzungs- und Dolmetschstudiengängen zweifellos einen Schwerpunkt darstellt. Die acht Beiträge der Sektion umfassen eine breite Themenpalette von textlinguistischen, morphosyntaktischen, lexikologischen und allgemeinen übersetzungstheoretischen Themen über Fragen der Übersetzungsstrategie, der kontrastiven Betrachtung von Grammatik und Pragmatik bis hin zu Aspekten der Dolmetschwissenschaft.

Den Auftakt bildet Martine Dalmasʼ kontrastive Betrachtung unterschiedlicher Realisierungen von Informationsstrukturen im Deutschen und im Französischen. So untersucht die Autorin anhand zahlreicher Beispiele die pragmatischen Funktionen von Frontierungen bestimmter Wortarten, Phrasen und Gliedsätze, von Subjektretardierungen, Spaltsätzen, Nominalisierungen und weiteren syntaktischen Besonderheiten, wodurch es ihr gelingt, die oft unterschätzte und für die Übersetzung zentrale Bedeutung von Satzstruktur und Wortfolge für die Satzaussage hervorzuheben.

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Auch Livio Gaeta fokussiert für die Übersetzungstheorie und -praxis bedeutsame Aspekte der kontrastiven Sprachbetrachtung, speziell den didaktischen Nutzen von Übersetzungskorpora für die adäquate Interpretation von morphosyntaktischen Strukturen und lexikalischen Besonderheiten. Gaeta erläutert die Bedeutung des ‚Dritten Codes‘, einer gegenseitigen Anpassung von Ausgangs- und Zielsprache, also einer Art von translatorischer Interlingua, die für die kontrastive Sprachanalyse von fundamentaler Bedeutung ist. Eine aufmerksame Analyse von zwei- oder mehrsprachigen Parallelkorpora ermöglicht ihm darüber hinaus unverzichtbare Erkenntnisse für die kontrastive Linguistik und die Konstruktionsgrammatik, wofür im Artikel einschlägige Belege präsentiert werden.

Joachim Gerdes betrachtet einige für die Übersetzung relevante Eigenschaften von Komposita im Deutschen, von der korrekten Interpretation der semantischen Beziehungen zwischen Kompositionselementen über die semantische Transparenz von Komposita im Kontext bis zur für das Deutsche charakteristischen Redundanz von kompositionellen Modifikatoren. An einer Reihe von Beispielen werden die translatologische Relevanz dieser Phänomene verdeutlicht sowie methodische Vorschläge für deren didaktische Vermittlung im Übersetzungsunterricht unterbreitet.

Roberto Menin beleuchtet in seinem Beitrag zu Umberto Ecos Reflexionen zur Übersetzungstheorie deren Innovativität im Kontext anderer zeitgenössischer translationswissenschaftlicher Theorien, ohne Ecos Position in ein starres Korsett einer übersetzungstheoretischen Systematik zwängen zu wollen. Vielmehr werden in der Studie relevante kommunikations- und textlinguistische Überlegungen Ecos und deren Fruchtbarmachung für die Übersetzungstheorie herausgearbeitet.

Der Artikel von Christiane Nord widmet sich in didaktisch-praktischer Ausrichtung dem Thema der Übersetzungsstrategien. C. Nord stellt ihr Modell der vertikalen Übersetzungseinheiten vor, bei denen textlinguistische, semantische und pragmatische Aspekte eine hervorgehobene Rolle spielen. Entscheidend ist dabei die funktionale Analyse auch kleinerer Texteinheiten, die es eröffnet, den Übersetzungstext auch im Zuge einer Mikroanalyse stets als Gesamtheit im Auge zu behalten.

Alessandra Riccardi richtet den Blick auf die Dolmetschwissenschaft und unterzieht deren aktuelle Lage als universitäre Disziplin im deutschsprachigen Raum und in Italien einer vergleichenden Analyse. Dabei betrachtet sie definitorische, historische und organisatorische Gesichtspunkte dieser relativ jungen, aber mittlerweile neben der Übersetzungswissenschaft fest etablierten und selbstbewussten Fachrichtung und schließt ihren Beitrag mit Reflexionen zu deren Zukunftsperspektive ab.

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Ein unverzichtbares Hilfsmittel für die Übersetzungsarbeit sind Übersetzungswörterbücher, die Giovanni Rovere einer kritischen Betrachtung unterzieht. Besonderes Augenmerk gilt in diesem Beitrag dem Äquivalenzbegriff und dessen Niederschlag in einzelnen in den Wörterbüchern verzeichneten Lemmata. In diesem Zusammenhang spielen Lesartbestimmung und Lesartdifferenzierung eine entscheidende Rolle, was der Autor an einer Reihe von Fallbeispielen im Hinblick auf die exakte Bedeutungserschließung ausführlich illustriert.

Laura Salmons Beitrag führt dem Leser wiederum die größeren und übereinzelsprachlichen Fragen der systematischen Übersetzungstheorie vor Augen, ohne dabei auf zahlreiche konkrete, erhellende Einzelbeobachtungen aus der Übersetzungspraxis zu verzichten. Zentrales Thema von Salmons Aufsatz ist eine detaillierte Darstellung der funktionalen Äquivalenz als essenzielles, globales Kriterium für die Gewährleistung einer größtmöglichen Übersetzungsqualität. Die fundamentale Rolle der sogenannten f-Markiertheit im humanen Übersetzungsprozess wird von der Autorin wissenschaftlich begründet und belegt.

Die zweite Sektion hat die in der professionellen Übersetzungspraxis und damit auch in der universitären Übersetzungstheorie und -didaktik immer bedeutsamere und zunehmend sich spezialisierende Fachsprachenübersetzung zum Thema. Die hier versammelten drei Aufsätze behandeln neben allgemeinen Überlegungen zu Problematiken der fachsprachlichen Übersetzung auch translatologische Fragen zu einzelnen Fachsprachen.

Marella Magris analysiert in ihrem Aufsatz ein grammatisches Thema, das für die fachsprachliche Übersetzung allgemein von zentraler Bedeutung ist, nämlich die Transitivität im Sinne der Zuweisung der semantischen Rollen im Satz und deren Merkmalhaftigkeit in deutschsprachigen Fachtexten, auch im Kontrast zur Gemeinsprache. Die Autorin wirft die Frage auf, ob die in Fachsprachen weniger evidente Tendenz zu Restriktionen in der Besetzung der semantischen Rollen und der damit verbundenen Notwendigkeit von morphosyntaktischen Transformationen bei der Übersetzung zu einem Ausgleich der sprachtypologischen Divergenzen führt. Anhand zahlreicher Beispiele aus unterschiedlichen Fachbereichen kann Magris nachweisen, dass dies nicht generell der Fall ist, sondern textsortenspezifische Unterschiede im kontrastiven Vergleich erkennbar sind.

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Prinzipielle Überlegungen zur Praxis und Theorie der Fachübersetzung stellt Britta Nord an, wobei sie in ihrem Beitrag nicht nur auf die vertikale Schichtung von Fachsprachen im Hinblick auf Fachlichkeits- und Wissenschaftlichkeitsgrad eingeht, sondern auch auf Fragen der Fachübersetzungsmethodik und -prozesse, auf Fachtextsorten, auf Akteure der Fachübersetzung und deren Kompetenzen sowie auf kulturinhärente Aspekte. B. Nord arbeitet detailliert die vielfältigen Faktoren heraus, die bei der Fachübersetzung eine Rolle spielen, und plädiert auf dieser Grundlage für eine fachsprachenübergreifende und allgemeingültige Theorie der fachsprachlichen Übersetzungsprozesse.

Grundsätzliche Schlüsse zur Rechtsübersetzung und speziell zur Gesetzesübersetzung leitet Lorenza Rega aus einigen paradigmatischen Fallbeispielen aus der Patentgesetzgebung ab. Dabei geht die Autorin auf Möglichkeiten und Grenzen der maschinellen Übersetzung im Bereich der Gesetzesübersetzung sowie auf generelle Problematiken der Rechtsübersetzung ein, die auch aus der begrifflichen Diskrepanz zwischen unterschiedlichen Rechtssystemen und interlingual unterschiedlichen Textsortenkonventionen resultieren.

Die dritte und kleinste Sektion widmet sich schließlich der literarischen Übersetzung. Den Auftakt bildet der gemeinsame Beitrag von Wolfgang Dressler, Barbara Tumfart und Elisa Mattiello zu kreativen morphosemantischen Innovationen in Bühnenwerken von Johann Nepomuk Nestroy und deren Übersetzung und Übersetzbarkeit. Ausgehend von einer Funktionsanalyse der Okkasionalismen in Nestroys Theatertexten untersuchen die AutorInnen die bei der Übertragung dieser Ausdrücke verwendeten unterschiedlichen Techniken in italienischen und englischen Übersetzungen und nehmen davon ausgehend eine differenzierte Übersetzungskritik vor.

Ingrid Kurz gelingt es in ihrem Beitrag, die beiden Forschungsfelder Literaturübersetzung und Dolmetschwissenschaft zu verbinden; sie analysiert die Figur des/der Berufsdolmetschers/in als Protagonisten/in in Literatur und Film. Aus den zahlreichen in Kurzʼ Beitrag kommentierten Beispielen wird deutlich, wie die Darstellung der Figur des/der Dolmetschers/in zwischen realistischer Beschreibung und teils idealisierender, teils dämonisierender Mystifizierung oszilliert. Kurzʼ zentrales Anliegen ist es, mit ihrem kulturhistorischen Überblick den Nutzen der Rezeption filmischer und literarischer Modelle für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis des/der Berufsdolmetschers/in hinsichtlich Berufsethik, moralischer Verantwortung und über rein sprachmittlerische Technik hinausgehender Einstellungen herauszustellen.

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Mit der Zusammenstellung von thematisch und methodisch unterschiedlichen wissenschaftlichen Texten zu aktuellen Theorien der Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaften, aber auch zu übersetzungspraktischen Aspekten und didaktischen Fragen aus dem Bereich der akademischen Lehre in entsprechenden Studiengängen hoffen die Herausgeber und die Herausgeberin, einen polyperspektivischen und anregenden Überblick über relevante gegenwärtige Fragestellungen der Translationswissenschaften im europäischen Kontext präsentieren zu können.

Die wissenschaftliche Tagung in Genua im Oktober 2018, die den Anlass zur vorliegenden Publikation darstellte, fand zu einem Zeitpunkt statt, zu dem wohl niemand im Entferntesten geahnt hätte, vor welche Herausforderungen die Jahre 2020 und 2021 nicht zuletzt auch die wissenschaftliche und akademische Forschung und Lehre stellen würde. Infolge der weltweiten Einschränkungen im Zuge der Pandemiebekämpfung sind wissenschaftliche Tagungen, Konferenzen sowie Reisen und Auslandsaufenthalte zu wissenschaftlichen Zwecken und schließlich auch Lehrveranstaltungen in Form von Präsenzunterricht an zahllosen Universitäten zurzeit nur in sehr begrenztem Maße möglich. Es freut die AutorInnen und das Herausgeberteam daher umso mehr, dass mit der vorliegenden Veröffentlichung in schwierigen Zeiten ein Beitrag zur internationalen translatologischen Diskussion geleistet werden kann, womit sich die Hoffnung verbindet, dass auch persönliche Begegnungen zum wissenschaftlichen Austausch und zur akademischen Wissensvermittlung so bald wie möglich wieder zur Normalität gehören werden.

Claudio Di Meola, Joachim Gerdes, Livia Tonelli

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Martine Dalmas

Informationsstruktur und Übersetzung

Abstract The article deals with the role of the information structure in assertive utterances and shows, by means of several examples, which lexical and topologicalsyntactic means are used in German for the discourse function ‘focus’. In the contrastive part, the two languages German and French are compared with regard to the focusing function. Since they are topologically differently centered, they also use other structural or constructional means here: e.g. the fronting – retardation in German and the cleft sentences in French. In translation teaching, the information-structural criteria should be made clear and the corresponding differences between the languages explained in detail.

Keywords: Informationsstruktur, Frontierung, Retardierung, Fokussierung, Spaltsätze, deutsch-französischer Sprachvergleich, Übersetzung

Details

Seiten
272
ISBN (PDF)
9783631847077
ISBN (ePUB)
9783631847084
ISBN (MOBI)
9783631847091
ISBN (Hardcover)
9783631794784
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (April)
Schlagworte
Translatologie Übersetzen Übersetzungsdidaktik Dolmetschdidaktik Fachsprachenübersetzung Auslandsgermanistik
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2021. 272 S., 4 s/w Abb., 12 Tab.

Biographische Angaben

Claudio Di Meola (Band-Herausgeber:in) Joachim Gerdes (Band-Herausgeber:in) Livia Tonelli (Band-Herausgeber:in)

Claudio di Meola ist Professor für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Rom «La Sapienza». Joachim Gerdes ist Professor für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Genua. Livia Tonelli war bis 2018 Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Genua.

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Titel: Deutsch übersetzen und dolmetschen