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Die Sprache der Börsenmagazine

Eine pragmalinguistische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Textsorte der Investmentempfehlung

von Daniela Puato (Autor:in)
Monographie 312 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • 0. Einleitung und bibliographischer Einstieg
  • 1. Die deutschen Börsenmagazine im Überblick
  • 1.1. Gesamtpanorama
  • 1.2. Die wichtigsten Publikationen
  • 1.2.1. Börse Online
  • 1.2.2. Der Aktionär
  • 1.2.3. Focus Money
  • 1.3. Pragmatische Zielsetzungen
  • Teil I: Allgemeine sprachliche Charakteristiken der Börsenmagazine
  • 2. Die Lexik der Börsenmagazine
  • 2.1. Fachtermini: Typologien im Überblick
  • 2.1.1. Gemeinsprachliche Wörter
  • 2.1.2. Internationalismen
  • 2.1.3. Anglizismen
  • 2.1.4. Abkürzungen
  • 2.1.5. Hybridbildungen
  • 2.1.6. Eponymische Bildungen
  • 2.1.7. Synonyme
  • 2.2. Fachtermini: Strategien der Popularisierung
  • 2.2.1. Gemeinsprachliche Wörter und Internationalismen
  • 2.2.2. Anglizismen
  • 2.2.3. Abkürzungen
  • 2.3. Nicht-fachlich konnotierte Lexik
  • 2.3.1. Gehobene Ausdrücke
  • 2.3.2. Gemeinsprachliche Redewendungen
  • 2.3.3. Umgangssprachliche Ausdrücke
  • 2.3.4. Euphemismen
  • 2.3.5. Wortspiele
  • 2.4. Lexik in textueller Perspektive: Referenzketten
  • 3. Die Morphosyntax und Textstruktur der Börsenmagazine
  • 3.1. Informationsverdichtung
  • 3.1.1. Wortstruktur
  • 3.1.1.1. Nominale Komposita
  • 3.1.1.2. Nominale Ableitungen und Konversionen
  • 3.1.2. Phrasenstruktur
  • 3.1.2.1. Linksattribute
  • 3.1.2.2. Rechtsattribute
  • 3.1.3. Satzstruktur
  • 3.1.3.1. Satzwertige Präpositionalphrasen
  • 3.1.3.2. Satzwertige Partizipphrasen
  • 3.1.3.3. Satzwertige appositive Nominalphrasen
  • 3.1.3.4. Satzwertige deverbative Nominalphrasen
  • 3.1.3.5. Nominalsätze
  • 3.1.3.6. Sätze mit entsemantisiertem Verb
  • 3.2. Passivierungsstrategien
  • 3.2.1. Anonymisierung
  • 3.2.2. Informationale Linearisierung
  • 3.3. Kataphorische Explizierung der Textstruktur
  • 3.3.1. Logisch-semantische Relationen
  • 3.3.2. Informationsstruktur
  • 3.3.3. Argumentationsstruktur
  • 3.4. Redewiedergabe
  • 3.5. Kodierung der Kommunikationsteilnehmer
  • 4. Börsenmagazine zwischen Fach- und Pressesprache: exemplarische Textanalysen
  • 4.1. Fachsprachliche und pressesprachliche Charakteristiken der Börsenmagazine
  • 4.2. Exemplarische Textanalysen
  • 4.2.1. Kürzere Meldungen
  • 4.2.2. Längere Berichte
  • 4.2.3. Kommentare
  • 4.2.4. Interviews
  • 4.2.5. Investmentempfehlungen
  • Teil II: Die Investmentempfehlung
  • 5. Die Investmentempfehlung als Herzstück der Börsenmagazine
  • 5.1. Die Investmentempfehlung in textueller Perspektive
  • 5.1.1. Journalistische Textsorte
  • 5.1.2. Textuelle Makrostruktur
  • 5.2. Die Investmentempfehlung in pragmatischer Perspektive
  • 5.2.1. Direktiver Sprechakt
  • 5.2.2. Argumentationsteile
  • 5.2.3. Handlungsanweisung
  • 5.3. Pragmatische Typologie der Investmentempfehlung
  • 5.3.1. Explizite (Kauf)Empfehlung
  • 5.3.2. Ergebnisoffene Empfehlung
  • 5.4. Inhaltlich-textuelle Typologie der Investmentempfehlung
  • 5.4.1. Produktklasse: Aktien-, Anleihe-, Fonds- und Derivatempfehlung
  • 5.4.2. Autonomie: Einzel- vs. Kollektivempfehlung
  • 5.4.3. Umfang: Kurz- vs. Langempfehlung
  • 5.4.4. Platzierung: rubrikinterne vs. rubrikexterne Empfehlung
  • 6. Die Investmentempfehlung in ausgewählten Börsenmagazinen (I): eine quantitative Korpusanalyse
  • 6.1. Zusammensetzung des Korpus
  • 6.2. Quantitative Gesamtauswertung
  • 6.3. Auswertung nach Zeitschrift
  • 6.3.1. Börse Online
  • 6.3.2. Der Aktionär
  • 6.3.3. Focus Money
  • 6.4. Gegenüberstellung der Zeitschriften
  • 7. Die Investmentempfehlung in ausgewählten Börsenmagazinen (II): die explizite Kaufempfehlung
  • 7.1. Informationsangabe und -gewichtung
  • 7.1.1. Positiv-Informationen
  • 7.1.2. Negativ-Informationen
  • 7.2. Redaktionelle Einschätzungen
  • 7.2.1. Gesamteinschätzung des Investmentprodukts
  • 7.2.2. Risikoeinschätzung
  • 7.2.3. Zukunftseinschätzungen
  • 7.3. Verweis auf externe Expertenmeinungen
  • 7.4. Handlungsanweisung
  • 7.4.1. Standardisierte Handlungsanweisung
  • 7.4.2. Nicht-standardisierte Handlungsanweisung
  • 7.4.3. Adressatenspezifische nicht-standardisierte Handlungsanweisung
  • 7.4.4. Zusammenspiel von standardisierter und nicht-standardisierter Handlungsanweisung
  • 7.4.5. Modalisierung der Handlungsanweisung
  • 7.5. Beschränkungen der Handlungsanweisung
  • 7.5.1. Beschränkung auf eine bestimmte Anlegernatur
  • 7.5.2. Beschränkung auf eine bestimmte Anlagestrategie
  • 7.5.3. Beschränkung auf einen bestimmten Anlagehorizont
  • 7.5.4. Beschränkung auf eine bestimmte Investmentsumme
  • 7.5.5. Beschränkung auf eine bestimmte Eventualität
  • 7.5.6. Mehrfache Beschränkung
  • 7.6. Praktische Tipps zur Orderplatzierung
  • 8. Die Investmentempfehlung in ausgewählten Börsenmagazinen (III): die ergebnisoffene Empfehlung
  • 8.1. Informationsangabe und -gewichtung
  • 8.1.1. Positiv-Informationen
  • 8.1.2. Negativ-Informationen
  • 8.2. Redaktionelle Einschätzungen
  • 8.2.1. Gesamteinschätzung des Investmentprodukts
  • 8.2.2. Risikoeinschätzung
  • 8.2.3. Zukunftseinschätzungen
  • 8.3. Verweis auf externe Expertenmeinungen
  • 8.4. Handlungsanweisung
  • 8.4.1. Standardisierte Handlungsanweisung
  • 8.4.2. Nicht-standardisierte Handlungsanweisung
  • 8.4.3. Adressatenspezifische nicht-standardisierte Handlungsanweisung
  • 8.4.4. Zusammenspiel von standardisierter und nicht-standardisierter Handlungsanweisung
  • 8.4.5. Modalisierung der Handlungsanweisung
  • 8.5. Beschränkungen der Handlungsanweisung
  • 8.5.1. Beschränkung auf eine bestimmte Anlegernatur
  • 8.5.2. Beschränkung auf eine bestimmte Anlagestrategie
  • 8.5.3. Beschränkung auf einen bestimmten Anlagehorizont
  • 8.5.4. Beschränkung auf eine bestimmte Investmentsumme
  • 8.5.5. Beschränkung auf eine bestimmte Eventualität
  • 8.5.6. Mehrfache Beschränkung
  • 8.6. Praktische Tipps zur Orderplatzierung
  • 8.7. Die ergebnisoffene Empfehlung im Vergleich zur expliziten Kaufempfehlung
  • 9. Die Investmentempfehlung in ausgewählten Börsenmagazinen (IV): exemplarische Textanalysen
  • 9.1. Aktien: Explizite Kaufempfehlung
  • 9.2. Aktien: Ergebnisoffene Empfehlung
  • 9.3. Sonstige Anlageklassen
  • 10. Fazit
  • 10.1. Börsenmagazine als Gesamtpublikation
  • 10.2. Die Textsorte der Investmentempfehlung
  • 11. Ausblick
  • Literatur
  • Nicht-wissenschaftliche Online-Publikationen
  • Anhang: Reproduktion von Originalseiten aus Börse Online, Focus Money und Der Aktionär

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0. Einleitung und bibliographischer Einstieg

Es gibt Fachsprachen, die eine hohe Alltagspräsenz aufweisen. So ist wohl jeder beispielsweise beim Lesen von Beipackzetteln ins Stocken geraten oder hat sich über schwer verständliches Juristendeutsch geärgert. Es erscheint daher kaum verwunderlich, dass die Medizin- und Rechtssprache eingehend wissenschaftlich untersucht worden sind, auch und vor allem in Bezug auf ihre Popularisierung.

Börsenfachsprache hingegen war lange Zeit auf einen engen Expertenkreis beschränkt. In den Jahren seit der Finanzkrise 2008 hat sich dies jedoch grundlegend geändert. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat dazu geführt, dass die traditionellen Anlageformen des Durchschnittsbürgers, sprich Sparbuch und Lebensversicherung, oft noch nicht einmal die Inflationsrate decken. Vermögenserhalt und -aufbau sind nicht mehr möglich, indem man das Geld einfach auf dem Konto lässt. Auch angesichts sinkender Rentenniveaus erscheinen alternative Investmentformen unumgänglich.

Die Medienlandschaft hat längst darauf reagiert. Die Ratgeber in Buchform zum Thema häufen sich (Einfach erfolgreich anlegen, So machen Sie das Beste aus ihrem Geld u.v.m.), wobei Titel besonders beliebt sind, die das Wort reich enthalten (Reich werden an der Börse, Reich ohne Stress, Reich werden und bleiben u.a.). Selbst Boulevardzeitungen wie Bild befassen sich in ihrer Ratgeber-Rubrik verstärkt mit Geldfragen und sogar die Stiftung Warentest widmet sich immer häufiger der Bewertung von Finanzprodukten.

Eine besondere Rolle kommt Börsenmagazinen zu. Es sind neue Zeitschriften erschienen, die sich spezifisch an Börseneinsteiger richten (wie z.B. Der Anleger). Aber auch etablierte Zeitschriften wie Börse Online, Focus Money und Der Aktionär haben sich von einem Nischenprodukt für Profis zu Publikationen gewandelt, die sich an ein immer breiteres Publikum wenden.

Die vorliegende Studie befasst sich mit der Sprache der Börsenmagazine, die hier zum ersten Mal als eigenständiger Untersuchungsgegenstand gewürdigt wird. Zur Börsensprache allgemein liegen bereits einige (primär) linguistische Studien vor, die sich allerdings lediglich mit Einzelaspekten befassen: was die Lexik betrifft, Fachterminologie (Nycz 2009, Stawikowska-Marcinkowska 2013) und metaphorische Ausdrücke (Eitze 2012); was die textuelle Dimension angeht, Text-Bild-Sorte Infographik (Parr 2007, Stöckl 2012, Schmitz/Voßkamp 2015) und Textsorte der Aktienempfehlung unter informationstheoretischen (Su Lee/Geierhos 2011) und pragmatischen Gesichtspunkten (Schnettler 2009; Puato 2017, 2018).

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Börsensprache gilt als Teilgebiet der Wirtschaftssprache. Allerdings enthalten die Arbeiten zur Wirtschaftspresse (v.a. Fluck/Fernbach/Waldrich 1975, Piirainen 1982, Piirainen/Airismäki 1987, Heinrich 1989, Schneeweiss 2000, Taino 2004, Heinrich/Moss 2006, Rathmann 2007, Beck u.a. 2012, Szwed 2012) sowie zur Wirtschaftssprache allgemein (z.B. die Monographien von Hundt 1995 und Höppnerová 2010, die Sammelbände von Hartmann/O’Mahony 2002, Ammon/Mattheier/Nelde 2005, Moss 2009 und Hundt/Biadala 2015) nur sporadische Hinweise zur Sprache der Börse. Ähnliches gilt auch für die Werke, die sich mit der Vermittlung von Wirtschaftssprache befassen (u.a. Buhlmann 1990, Ohnacker 1992, Heuberger 1997, Zhao 2002, 2011, Spillner 2005, Reuter 2010, Magheţiu 2012, 2015).

Arbeiten zu spezifischen Aspekten der Wirtschaftssprache sind ebenfalls arm an Beobachtungen, die gezielt die Börsenfachsprache betreffen. Der Vollständigkeit halber seien sie jedoch überblicksartig erwähnt, da einige Aspekte der Analysen sich auf die Börsensprache übertragen lassen. Die meisten Untersuchungen der Wirtschaftssprache befassen sich mit der Lexik. Ein erster Schwerpunkt bildet der Fachwortschatz, so v.a. die Arbeiten zur Wortbildung (Horst 1998, Rings 2001, Kontríková 2002, Taino 2005, Jortikka 2005, 2008, Crestani 2010a, 2010b), zu Abkürzungen (Corbacho Sánchez 2005, Vondrášková 2011), zu Anglizismen (Langer 1996, Kovtun 2000, Béchet-Tsarnos 2005, Vogler 2009) sowie zur diatopischen Variation der Terminologie (Messina 2015) und zur Diachronie (Burkhardt 2015). Ein zweiter Schwerpunkt bildet die Semantik der wirtschaftlichen Termini (Krämer 2011) sowie die Phraseologie (Duhme 1991, Aktaş 2008, Smolyar 2009, Stein 2015) und die Metaphorik (Hübler 1989, Jäkel 1992, 2003, Höppnerová 2006, Corbacho Sánchez 2009, Stein 2015). Die Syntax ist hingegen lediglich in einigen Teilaspekten untersucht worden, vor allem hinsichtlich der Nominalisierungstendenzen (Mostỳn 2009, 2011, Höppnerová 2013), der Partizipialkonstruktionen (Kvam 1986, Vidová 2000, Mostỳn 2010, Höppnerová 2016), der Funktionsverbgefüge (Schaarschuh 1990, Drechsel 2009, Marušić 2012) und der Passivkonstruktionen (Höppnerová 2015). Vergleichsweise wenig Beachtung haben Textstruktur (Fischer 1998, Taino 2009) und Pragmatik (Ehrhardt 2000, Puato 2016) gefunden, mit Ausnahme der Wirtschaftskommunikation (Bungarten 1994, Brünner 2000, Bolten 2003, Behr u.a. 2007, Qian 2012, Rocco 2013).

Die in der vorliegenden Studie eingenommene Perspektive zur Untersuchung der Sprache der Börsenmagazine ist pragmalinguistisch, d.h. die Interaktion des Textes mit der Leserschaft steht im Mittelpunkt. Börsenmagazine befinden sich an der Schnittstelle von Fach- und Pressesprache. Entsprechend vielfältig sind die pragmatischen Ziele, die verfolgt werden. Vier übergeordnete Ziele lassen ←12 | 13→sich erkennen: die Vermittlung von Inhalten, die adressatengerechte Aufbereitung von Inhalten, der Aufbau einer Beziehung zum Leser sowie die Wahrung von redaktionellen Eigeninteressen. Bei der Vermittlung von Inhalten geht es um Auswahl (und eventuell Erklärung) von Fachinformationen und Fachwissen. Diese Inhalte werden durch Kondensierung von Informationen und verschiedene Hilfestellungen so aufbereitet, dass eine zeitsparende und mühelose Lektüre ermöglicht wird. Hinsichtlich der Relation zum Leser erfüllen Börsenmagazine die pragmatische Zielsetzung der Unterhaltung und sind darüber hinaus bestrebt, generell Nähe zum Leser aufzubauen. In den Bereich der redaktionellen Eigeninteressen fallen die Zielsetzungen der Selbstdarstellung als kompetenter und unabhängiger Handlungsträger sowie des Selbstschutzes, d.h. die begrenzte Verantwortungsübernahme für das Gesagte im Falle von eventuellen zukünftigen Fehlentscheidungen seitens des Lesers.

Eine besondere Rolle in den Börsenmagazinen spielen die Investmentempfehlungen, die naturgemäß für den Leser von großer Bedeutung sind. Zielgruppe sind nämlich institutionelle Akteure und Privatanleger, die regelmäßig an der Börse handeln und konkrete operative Hinweise zur Entscheidungsfindung erwarten. Die Textsorte der Investmentempfehlung befindet sich insgesamt im pragmatischen Spannungsfeld zwischen adressatenzentrierten und sprecherzentrierten Zielsetzungen. Auf der einen Seite sollen dem Adressaten Entscheidungshilfen geliefert werden und es soll vor möglichen Fehlentscheidungen gewarnt werden; dabei kann auf spezifische Adressatengruppen eingegangen werden. Auf der anderen Seite liegt ein sprecherzentriertes Bestreben nach Selbstdarstellung und Selbstschutz vor.

Die vorliegende Studie verfolgt ein zweifaches Ziel: Zum einen sollen die wesentlichen sprachlichen Charakteristiken der Börsenmagazine herausgearbeitet werden (Lexik, Morphosyntax, Textstruktur). Die einzelnen Charakteristiken auf den verschiedenen Sprachebenen werden dabei systematisch auf die generellen pragmatischen Zielsetzungen bezogen. Zum anderen soll unter dem Gesichtspunkt des vollzogenen Sprechaktes die Textsorte der Investmentempfehlung in ihren verschiedenen Ausprägungen vertieft werden. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie die Handlungsanweisung an den Leser sprachlich formuliert ist, wie sie begründet wird und wie sie eventuell eingeschränkt wird.

Die Studie ist folgendermaßen strukturiert. Zunächst werden die wichtigsten deutschen Börsenmagazine vorgestellt, auch in Hinblick auf ihre pragmatischen Zielsetzungen (Kapitel 1). Im ersten Teil der Arbeit (Kapitel 24) erfolgt dann eine detaillierte Analyse der Sprache der Börsenmagazine. Kapitel 2 behandelt die Lexik der Börsenmagazine, wobei in Betracht gezogen werden: die Typologien der Fachtermini, die Strategien ihrer Popularisierung, die Verwendung ←13 | 14→von nicht-fachlich konnotierter Lexik verschiedener Stilebenen (auch in textueller Perspektive). Anschließend wird in Kapitel 3 die Morphosyntax vertieft, wobei die verschiedenen Formen der Informationsverdichtung auf Wort-, Phrasen- und Satzebene, die Strategien der Passivierung, die kataphorische Explizierung der Textstruktur, die Redewiedergabe sowie die Kodierung der Kommunikationsteilnehmer berücksichtigt werden. Sodann werden fach- und pressesprachliche Charakteristiken der Börsenmagazine anhand exemplarischer Textanalysen aufgezeigt (Kapitel 4).

Der zweite Teil der Arbeit (Kapitel 59) befasst sich mit der Investmentempfehlung, die das pragmatische Herzstück der Börsenmagazine darstellt. Materialgrundlage bildet ein Korpus von 3.500 Empfehlungstexten, die im Zeitraum 2015–2019 in den Wochenzeitschriften Börse Online, Der Aktionär und Focus Money erschienen sind. Kapitel 5 analysiert die Investmentempfehlung in textueller Perspektive als pressesprachliche Textsorte sowie in pragmatischer Perspektive als (direktiver) Sprechakt; sodann werden Investmentempfehlungen nach pragmatischen wie inhaltlich-textuellen Kriterien klassifiziert. Kapitel 6 enthält eine Beschreibung des Korpus sowie dessen quantitative Auswertung. In den Kapiteln 7 und 8 werden jeweils zwei pragmatische Typologien von Investmentempfehlungen untersucht, die ich „explizite Kaufempfehlung“ und „ergebnisoffene Empfehlung“ nennen möchte. Bei Ersterer ist die Handlungsanweisung („Kaufen“) von vornherein geklärt durch Platzierung des Textes in einer bestimmten Rubrik oder durch den Titel bzw. Untertitel des Empfehlungstextes; bei Letzterer ergibt sich die Handlungsanweisung, sofern sie denn überhaupt vorhanden ist, erst aus dem Textzusammenhang selbst und kann neben „Kaufen“ beispielsweise auch „Verkaufen“ beinhalten. Das Bild wird in Kapitel 9 durch einige exemplarische Textanalysen von Investmentempfehlungen abgerundet. Ein ausführliches Fazit führt die wichtigsten Ergebnisse der vorliegenden Studie vor Augen (Kapitel 10), es folgt ein kurzer Ausblick (Kapitel 11). Im Anhang schließlich befinden sich Reproduktionen von Originalseiten aus den Magazinen des Korpus, die als Beispiele für die verschiedenen Typologien von Investmentempfehlungen dienen.

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1. Die deutschen Börsenmagazine im Überblick

Nach einem kurzen Überblick über die Publikationen, die in der deutschen Medienlandschaft zu den Börsenmagazinen zählen (1.1), werden die drei wichtigsten wöchentlichen Zeitschriften vorgestellt: Börse Online, Der Aktionär und Focus Money (1.2). Schließlich werden die grundlegenden pragmatischen Zielsetzungen der Börsenmagazine allgemein herausgearbeitet (1.3).

1.1. Gesamtpanorama

Das Panorama der deutschsprachigen Börsenmagazine ist vielfältig. Ein erstes Unterscheidungskriterium ist die Erscheinungsfrequenz. Diese bestimmt nämlich bereits die Grundausrichtung der Publikation: Die wöchentliche Erscheinung ermöglicht, zeitnah auf aktuelle Ereignisse zu reagieren, wodurch kurzfristige Trends erfasst werden können. Demgegenüber eignen sich monatlich (Der Anleger, TradersMagazin, ETF Extra Magazin, Das Investment), zweimonatlich (Mein Geld) oder vierteljährlich (Börsencoach, Markteinblicke, Fonds exklusiv, TiAm) erscheinende Magazine eher dazu, grundsätzliche Hintergrundinformationen zu liefern und langfristige Entwicklungen zu beleuchten.

Ein zweites Unterscheidungskriterium ist das Publikum, an das sich jeweils die Magazine richten. Einige beschränken sich auf (mehr oder weniger) versierte Privatanleger (Der Anleger, Börsencoach), andere auf institutionelle Leser (Das Investment, Cash.Online, TiAm). Die meisten Magazine wenden sich an beide Zielgruppen: Börse Online, Der Aktionär, Focus Money, Effecten Spiegel, TradersMagazin, ETF Extra Magazin, Mein Geld, Markteinblicke, Fonds exklusiv.

Es sei vermerkt, dass fast alle Magazine breit aufgestellt sind und die verschiedensten Asset-Klassen und Produkte behandeln. Lediglich ETF Extra Magazin und Fonds exklusiv sind spezialisiert auf (aktiv und/oder passiv gemanagte) Fonds.

Zusammenfassung

Börsenmagazine richten sich an ein heterogenes Publikum aus professionellen Akteuren und Privatanlegern und befinden sich an der Schnittstelle von Fach- und Pressesprache. Sie verfolgen verschiedene pragmatische Zielsetzungen, sowohl adressaten- als auch sprecherzentriert: Inhalte vermitteln und präsentieren, eine Beziehung zum Leser aufbauen, redaktionelle Eigeninteressen wahren. In pragmalinguistischer Perspektive befasst sich die Studie mit Lexik, Morphosyntax und Textstruktur der deutschen Börsenmagazine. Besonderes Augenmerk richtet sich auf die zentrale Textsorte der Investmentempfehlung. Auf der Grundlage eines 3.500 Texte umfassenden Korpus wird untersucht, wie die Handlungsanweisung («Kaufen», «Verkaufen», «Halten») sprachlich formuliert, begründet und eingeschränkt wird.

Details

Seiten
312
ISBN (PDF)
9783631804223
ISBN (ePUB)
9783631804230
ISBN (MOBI)
9783631804247
ISBN (Buch)
9783631794449
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (November)
Schlagworte
Börsensprache Fachsprachen Pressesprache Pragmatik Sprechakt Empfehlung Handlungsanweisung Lexik Syntax Textstruktur
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2020. 312 S., 15 s/w Abb., 42 Tab.

Biographische Angaben

Daniela Puato (Autor:in)

Daniela Puato ist Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Rom Sapienza. Ihre Forschungsgebiete umfassen Fachsprachen mit Fokus Wirtschaft und Medizin, DaF-Grammatik und kontrastive Linguistik Deutsch-Italienisch.

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Titel: Die Sprache der Börsenmagazine