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Inventar der Offenen Befehle der Sowjetischen Militäradministration des Landes Brandenburg

Nach der Überlieferung im Staatsarchiv der Russischen Föderation

von Brandenburgisches Landeshauptarchiv (Band-Herausgeber:in)
Andere 242 Seiten
Open Access

Zusammenfassung

Die Publikation ist ein Gemeinschaftsprojekt des Lehrstuhls Geschichte der Militäruniversität des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation (Moskau), des Zentrums für Zeitgeschichte von Bildung und Wissenschaft der Universität Hannover und des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Potsdam). Erstmals wird hier ein Überblick über die im Staatsarchiv der Russischen Föderation in Moskau vorhandene Offene Serie der Befehle der Sowjetischen Militäradministration des Landes Brandenburg – SMAB – gegeben. Einleitend erfolgen quellenkritische und institutionsgeschichtliche Untersuchungen zur Thematik. Den Hauptteil bildet das Inventar der von der Verwaltung der SMAB zwischen 1945 und 1949 erlassenen Offenen Befehle. Auf Interesse dürfte ebenfalls die Übersicht über die von der SMAB erlassenen «Anweisungen» stoßen.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Über das Buch
  • Autorenangaben
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • I. Einleitung
  • 1. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD)
  • 2. Brandenburg als föderale SBZ-Verwaltungseinheit
  • 3. Struktur und personelle Besetzung der Verwaltung der Sowjetischen Militäradministration der Provinz/des Landes Brandenburg (SMAB)
  • 4. Die Offenen Befehle der Verwaltung der SMAB
  • 5. Literatur
  • II. Inventar der im Staatsarchiv der Russischen Föderation, Moskau, vorhandenen Offenen Befehle der Verwaltung der Sowjetischen Militäradministration der Provinz/des Landes Brandenburg (SMAB-Befehle)
  • 1. SMAB-Befehle des Jahrgangs 1945
  • 2. SMAB-Befehle des Jahrgangs 1946
  • 3. SMAB-Anweisungen des Jahrgangs 1946
  • 4. SMAB-Befehle des Jahrgangs 1947
  • 5. SMAB-Anweisungen des Jahrgangs 1947
  • 6. SMAB-Befehle des Jahrgangs 1948
  • 7. SMAB-Anweisungen des Jahrgangs 1948
  • 8. SMAB-Befehle des Jahrgangs 1949
  • 9. SMAB-Anweisungen des Jahrgangs 1949
  • III. Anhang
  • 1. Struktur der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD)
  • 2. Struktur der Provinzialverwaltung Mark Brandenburg
  • 3. Struktur der staatlichen Verwaltung in der Provinz Mark Brandenburg 1945/46
  • 4. Administrative Gliederung der Provinz/des Landes Brandenburg
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Personenregister
  • Ortsregister
  • Reihenübersicht

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Vorwort

Im Jahre 1997 erschien innerhalb der Schriftenreihe „Quellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs“ der von Dr. Klaus Geßner bearbeitete Band „Befehle der Sowjetischen Militäradministration des Landes Brandenburg 1945-1949”. Er stellte in Form eines archivischen Inventars die im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in dessen Bestand Rep. 202 A „Büro des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg (1945-1952)“ überlieferten Befehle des Chefs bzw. des Stellvertretenden Chefs der Sowjetischen Militäradministration der Provinz/des Landes Brandenburg (SMAB-Befehle) aus den Jahren 1945-1949 vor, edierte einige bedeutsame SMAB-Befehle des Jahrganges 1945 und gab durch bestands- und verwaltungsgeschichtliche Untersuchungen wichtige Hinweise für ihre historische Auswertung. Die Aussagekraft der Befehle ist nach ihrer Lektüre unschwer zu erkennen, wird man doch unaufdringlich darauf aufmerksam gemacht, daß die Sowjetische Militäradministration das gesamte Leben ihrer Besatzungszone, damit auch die Brandenburgs, bis in kleinste Details hinein bestimmte und lenkte, in der Absicht, das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gefüge des Landes nach sowjetischem Vorbild grundlegend umzugestalten. Die Quellenkritik Geßners belegte allerdings, daß die vorhandene deutsche Empfängerüberlieferung nur etwa ein Drittel der sog. Offenen SMAB-Befehle umfaßte, und rief damit die Frage nach dem Inhalt der anderen beiden Drittel hervor.

Mein Vorwort vom Juni 1997 erwähnte die schwierige Zugänglichkeit der archivalischen Hinterlassenschaft der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland in den Moskauer Staatsarchiven. Umso überraschender und erfreulicher war es für den Reihenherausgeber und für den Bearbeiter, daß schon kurze Zeit später sich die Möglichkeit eröffnete, die sowjetische Überlieferung der Offenen SMAB-Befehle vollständig zu erschließen. Das wesentliche Verdienst hieran gebührt Prof. Dr. Manfred Heinemann (Zentrum für Zeitgeschichte von Bildung und Wissenschaft der Universität Hannover) und seinen ausdauernden und nachhaltigen, von der Volkswagenstiftung geförderten Bemühungen um die russischen Archive, insbesondere um die Zugänglichmachung ihrer Bestände durch die Publikation von Bestandsübersichten und Inventaren. In diesem Rahmen griff er den durch Geßners Band unausgesprochen nahegelegten Gedanken auf und vermochte mit seiner beeindruckenden Überzeugungskraft seinen russischen Partnern zu vermitteln, daß die in Deutschland geleistete Vorarbeit einer russischen Antwort bedürfe. Oberst Prof. Dr. Wladimir W. Sacharow, Lehrstuhl Geschichte der Militäruniversität des Verteidigungsministeriums der Russischen Förderation, Moskau, hat die im Staatsarchiv der Russischen Förderation nahezu vollständig nachweisbare Offene Serie der SMAB-Befehle sorgfältig und ausführlich inventarisiert ←7 | 8→sowie die Einleitung vor allem durch Untersuchungen zur Struktur und zum Personalbestand der SMAB bereichert. Sein Manuskript ist zunächst von Frau Berit Haritonow, Dresden, ins Deutsche übersetzt worden. Klaus Geßner hat es schließlich redaktionell überarbeitet, inhaltlich leicht ergänzt und mit Hinweisen auf die im BLHA existierende Befehlsüberlieferung versehen. Seiner Feder entstammen weiterhin große Teile der Einleitung. Im Ergebnis ist ein russisch-deutsches Gemeinschaftswerk entstanden, das mit seinem Überblick über eine bedeutsame Quellengruppe künftigen Forschungen zur Umbruchzeit in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands ein sicheres archivisches Fundament legen will.

Fragt man nach dem Ertrag von Sacharows Arbeit, so ergänzt sie einerseits Geßners Inventarisierung in Bezug auf den zentralen Bereich der Befehle, die die Beziehungen der SMAB zu den deutschen Verwaltungsstellen und deren Anleitung umfassen. Zum anderen gewährt sie mit der Masse der bislang unbekannten Befehle zum ersten Mal überhaupt einen Blick in das „Innenleben“ der SMAB, in ihren internen Dienstbetrieb, und zeigt damit gewissermaßen die Bewältigung des Besatzungsalltages aus der Perspektive der Besatzer. Die verwaltungsgeschichtlichen Angaben verdeutlichen mit ihren nüchternen Informationen in der wünschenswerten Konkretheit, welcher sowjetische Militär- und Verwaltungsapparat in Brandenburg mit welchen Funktionen geschaffen wurde, um die Umsetzung des sowjetischen Musters in einem durch ganz andere Traditionen geprägten Land zu betreiben.

Die vorliegende Veröffentlichung ist ein erster Schritt zur archivischen Erschließung Moskauer Bestände für die brandenburgische Landesgeschichtsforschung. Es bleibt zu hoffen, daß die Offenlegung der sowjetischen Quellen - ohne deren Einbeziehung die Geschichtsforschung in ihrer Erkenntnis der maßgeblichen sowjetischen Nachkriegspolitik in der SBZ in größtem Maße eingeschränkt ist - voranschreiten wird, daß, um ein in dem Zusammenhang des hier vorgestellten Quellenfundus naheliegendes Beispiel anzusprechen, die SMAB-Befehlsserien mit den „geheimen“ und den „streng geheimen“ Befehlen ebenfalls in gleicher Weise für die Forschung bereitgestellt werden und daß überhaupt die Anstrengungen um die Öffnung, Nutzbarmachung und Auswertung der SMAD-Überlieferung von Erfolg gekrönt werden. Wenn dieser Band einen kleinen Schritt in dieser Richtung darstellen sollte, hat er einen wesentlichen Zweck erreicht.

Potsdam, im September 2001

Dr. Klaus Neitmann
Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs

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I. Einleitung

1. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD)

Die Errichtung einer sowjetischen Besatzungsverwaltung im Osten Deutschlands hatte ihre Vorgeschichte. Die Notwendigkeit der Bildung von alliierten Militäradministrationen nach dem Sieg über Hitlerdeutschland wurde erstmals im Rahmen der Tätigkeit der Europäischen Beratenden Kommission, die auf Beschluß der Moskauer Konferenz der Außenminister der Staaten der Antihitlerkoalition vom Oktober 1943 geschaffen worden war, begründet und in den Dokumenten von Jalta (Februar 1945) und Potsdam (Juli/August 1945) fixiert. Das Protokoll eines Abkommens zwischen der UdSSR, den USA und Großbritannien über die Besatzungszonen Deutschlands und die Verwaltung von “Groß-Berlin” wurde innerhalb der Europäischen Beratenden Kommission am 12. September 1944 unterzeichnet. Es legte die Grenzen der alliierten Besatzungszonen, also auch das konkrete Territorium der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) fest. Am 14. November 1944 einigten sich die Alliierten in einem Abkommen “Über den Kontrollmechanismus in Deutschland”. Dieses beinhaltete, daß die Hoheitsrechte in Deutschland für die Zeit der Besetzung durch die Oberkommandierenden der Streitkräfte der UdSSR, der USA und Großbritanniens wahrgenommen werden sollten. Hier war also de facto die Rede von der Bildung militärischer Besatzungsverwaltungen, die in den einzelnen Zonen die politische Macht in vollem Umfang ausüben würden. Auf den Konferenzen der Alliierten von Jalta und Potsdam wurde der Beschluß zur Schaffung eines besonderen, eines höchsten Machtorgans der vier Siegermächte in Deutschland - des Alliierten Kontrollrates - gefaßt sowie eine Vereinbarung über die politischen und ökonomischen Prinzipien einer abgestimmten Politik der Alliierten gegenüber dem besiegten Deutschland für den Zeitraum der alliierten Besetzung getroffen.1

Nach der bedingungslosen Kapitulation des “Dritten Reiches” wurde Deutschland im Frühjahr 1945 von den alliierten Siegermächten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. In ihnen übten die durch die Regierungen der UdSSR, der USA, Großbritanniens und Frankreichs jeweils eingesetzten Militärverwaltungen die oberste ←9 | 10→Regierungsgewalt aus. In der Sowjetischen Besatzungszone war es die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) - früher auch als “Sowjetische Militärverwaltung in Deutschland” übersetzt die bis zu ihrer Auflösung Ende 1949 die innenpolitische Entwicklung ihrer Zone entscheidend beeinflußte.

Am 6. Juni 1945 beschloß der Rat der Volkskommissare der UdSSR, eine Sowjetische Militäradministration in Deutschland aufzubauen. In seiner Verordnung “Über die Organisation einer Militäradministration zur Verwaltung der Sowjetischen Besatzungszone in Deutschland” legte er eindeutig deren Zuständigkeit fest: “Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland hat die Aufgabe, die Einhaltung der Bedingungen, die sich aus der bedingungslosen Kapitulation für Deutschland ergeben, zu kontrollieren, die Sowjetische Besatzungszone in Deutschland zu verwalten und die vereinbarten Beschlüsse des Kontrollrates zu grundsätzlichen militärischen, politischen, ökonomischen und anderen für ganz Deutschland gemeinsamen Fragen durchzusetzen.”2

Der Oberste Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland erließ am 9. Juni 1945 seinen Befehl Nr. 1, in dem die Bildung der SMAD in Berlin als oberstes Machtorgan für die sowjetische Besatzungszone offiziell bekannt gegeben wurde. Marschall G.K. Schukow teilte darin mit, daß er zum Obersten Chef der SMAD, Armeegeneral W.D. Sokolowski zum 1. Stellvertreter des Obersten Chefs, Generaloberst I.A. Serow zum Stellvertreter des Obersten Chefs für Fragen der Zivilverwaltung und Generaloberst W.W. Kurassow zum Stabschef der SMAD ernannt worden war.3

Gemäß der Berliner Erklärung der Vier Alliierten vom 5. Juni 1945 stand der SMAD “die oberste Regierungsgewalt ..., einschließlich aller Befugnisse der deutschen Regierung, des Oberkommandos der Wehrmacht und der Regierungen, Verwaltungen oder Behörden der Länder, Städte und Gemeinden” zu. Sie hatte Frieden und Sicherheit zu garantieren sowie Deutschland “zusätzliche politische, verwaltungsmäßige, wirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Forderungen aufzuerlegen”.4 Im Verbund mit den sowjetischen Besatzungstruppen (Truppenstärke 1946: 675 000-730 000, 1947: mindestens 300 000, 1954: 550 000), Einheiten der sogenannten Inneren Truppen des sowjetischen Innenministeriums (Truppenstärke 1946: 15 000, 1947: 5 500) und sogenannten operativen Gruppen des sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit (Personalstärke 1946: 399, ←10 | 11→1949: 514) wirkte die SMAD von 1945 bis 1949 als zentrale Institution zur Durchsetzung der Interessen der UdSSR in Deutschland.

Auf der Grundlage der sowjetischen Auslegung der alliierten Abmachungen bestimmte die SMAD bis zur Gründung der DDR im Oktober 1949 unmittelbar die Entwicklung des politischen und ökonomischen Systems in der SBZ. Folgende Hauptziele wurden von ihr hierbei verfolgt:

- Abrüstung Deutschlands sowie Auflösung aller militärischen Einrichtungen und Formationen

- “Entnazifizierung” und “Demokratisierung” des öffentlichen Lebens

- Vernichtung des kriegswirtschaftlichen Potentials Deutschlands

- Durchsetzung der Reparationsauflagen

- Wiederaufbau der Industrie und Landwirtschaft zur Gewährleistung der Versorgung der sowjetischen Besatzungstruppen und der deutschen Bevölkerung

- Absicherung des sowjetischen Besatzungsregimes

Biographische Angaben

Brandenburgisches Landeshauptarchiv (Band-Herausgeber:in)

Die Herausgeber: Klaus Geßner: Abteilungsleiter am Brandenburgischen Landeshauptarchiv, Potsdam. Wladimir W. Sacharow: Professor am Lehrstuhl Geschichte der Militäruniversität des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation, Moskau.

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Titel: Inventar der Offenen Befehle der Sowjetischen Militäradministration des Landes Brandenburg