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Die deutsche Freimaurerei in der langen Jahrhundertwende

(1860 – 1935)

von Manuel Pauli (Autor:in)
©2022 Dissertation 544 Seiten

Zusammenfassung

Die Studie untersucht auf Grundlage der masonischen Publizistik die Geschichte der deutschen Freimaurerei in den Jahrzehnten der langen Jahrhundertwende. Sie rückt in diesem Zusammenhang die masonische Identität und die konfliktreichen innerfreimaurerischen Aushandlungsprozesse ins Zentrum. Damit werden bestehende Forschungslücken geschlossen, bisherige Einsichten erweitert und neue Perspektiven auf einen bedeutenden Teil des bürgerlichen Vereinswesens eröffnet.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Résumé
  • Abstract
  • Zusammenfassung
  • Zum Titelbild
  • Danksagungen
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Einleitung
  • 1. Die Freimaurerei ist ein Geheimnis
  • 1.1. Theoretische und methodische Perspektive
  • 1.2. Untersuchungszeitraum
  • 1.3. Forschungsstand
  • 2. Deutsche Freimaurereien und deutsche Freimaurerei
  • 3. Prolegomena zur freimaurerischen Publizistik
  • Basis und Autorität
  • 4. Die Formierung der deutschen Freimaurerei
  • 4.1. Konfliktfeld Religiosität
  • 4.2. Konfliktfeld innere Strukturen
  • 4.3. Antwort von oben – der Deutsche Großlogenbund
  • 4.4. Der Kronprinz und die Basisbewegung
  • 5. Basisarbeit zwischen Rückzug und Offensive
  • 5.1. J. G. Findel gegen den masonischen Konservatismus
  • 5.2. Der „Lessingbund“ und die Rückkehr zu aktiver Basisarbeit
  • Zusammenfassung: Basis und Autorität
  • Einheit und Reform
  • 6. Deutsche Freimaurerei im Zeitalter der Kulturkrise
  • 6.1. Das Logenwesen in der Krise
  • 6.2. Diskussionen und Ansätze zu einer Reform
  • 6.3. Die Freimaurerei in der ‚religiösen Krisis‘
  • 6.4. Deutsche Freimaurerei im Widerstreit ihrer Geschichtsbilder
  • 6.5. Inspiration und Konkurrenz jenseits des Tellerrands
  • 7. Von der Einheit zum Dualismus
  • 7.1. Der Settegaststreit
  • 7.2. Die Rückkehr der Einheitsfrage
  • 7.3. Streitfall deutsch-französische Aussöhnung
  • 7.4. Der Aufstieg des Vereins deutscher Freimaurer
  • 7.5. Die Dichotomisierung der deutschen Freimaurerei
  • Zusammenfassung: Einheit und Reform
  • Krieg und Frieden
  • 8. Pazifismus und Freimaurerei bis 1914
  • 8.1. Der internationale „Schottische Ritus“
  • 8.2. Freimaurerkongresse und die „Weltgeschäftsstelle“
  • 8.3. Internationale Basisarbeit
  • 8.4. Bilaterale Annäherung an die englische Freimaurerei
  • 8.5. Freimaurer gegen pazifistischen Internationalismus
  • 9. Die deutsche Freimaurerei im Ersten Weltkrieg
  • 9.1. Die Freimaurerei als ‚geistiges Heer‘ des Deutschtums
  • 9.2. Kriegsaufgaben der deutschen Freimaurerei
  • 9.3. Nationalfreimaurerische Einheit
  • Zusammenfassung: Krieg und Frieden
  • Untertanen und Verschwörer
  • 10. Die Politik des Unpolitischen
  • 10.1. Die Freimaurerei als Schule der Untertanen
  • 10.2. Die politische Geographie der deutschen Freimaurerei
  • 10.3. Der ‚unpolitische‘ Bürger
  • 10.4. Der Maurer im Gewande des Volkstums – Freimaurerei und Nationalismus
  • 11. Antimasonismus bis 1918
  • 11.1. Begriffsklärung: Theorie, Mythos, Ideologie?
  • 11.2. Von den Ursprüngen bis zur Reichsgründung
  • 11.3. Entwicklung im Kaiserreich bis 1914
  • 11.4. Antimasonismus im Ersten Weltkrieg
  • 11.5. Kriegsende und Neuanfang
  • Zusammenfassung: Untertanen und Verschwörer
  • Blüte und Krise
  • 12. Krisenhafte Hochkonjunktur – die Mitgliederentwicklung in der Weimarer Republik
  • 13. Zwischen Neuanfang und Kontinuität
  • 13.1. Der Schock von Versailles
  • 13.2. Von staatstragender Politikferne zur Systemopposition
  • 14. Die deutschen Großlogen gehen getrennte Wege
  • 14.1. Suche nach dem inneren Feind
  • 14.2. Der altpreußische Großlogenbundaustritt
  • 14.3. Rechtskurs der altpreußischen Großlogen
  • 14.4. Rechtskurs der humanitären Großlogen
  • 15. Desintegration der deutschen Freimaurerei
  • 15.1. Das Ende der deutschfreimaurerischen Geschichtsschreibung
  • 15.2. Der Verein deutscher Freimaurer in der Desintegration
  • 15.3. Krise und Desintegration der freimaurerischen Publizistik
  • 16. Abgedrängt und ausgegrenzt – der freimaurerische Internationalismus nach dem Krieg
  • 16.1. Der „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“ zwischen Einbindung und Ausgrenzung
  • 16.2. Nationale Maurerei und internationales Maurerrecht
  • 16.3. Aktivismus an den kosmopolitischen Rändern
  • 16.4. Einbruch in nationales Gelände – Schottischer Ritus und Symbolische Großloge
  • Zusammenfassung: Blüte und Krise
  • Angriff und Abwehr
  • 17. Suche nach einem Platz in der ‚nationalen Bewegung‘
  • 17.1. Altpreußisches Werben mit Hindernissen
  • 17.2. Klärungsprozesse und Rückkopplungsschleifen
  • 17.3. Die Altpreußen geraten ins Visier
  • 17.4. Ludendorffs Kreuzzug gegen die ‚überstaatlichen Mächte‘
  • 17.5. Eine brüchige Abwehrfront gegen Ludendorff
  • 18. Der Aufstieg des Nationalsozialismus und die Freimaurerei
  • 18.1. Der Antimasonismus der Nationalsozialisten
  • 18.2. Deutsche Freimaurerei und Nationalsozialismus
  • 19. NS-Staat und Freimaurerei
  • 19.1. Die staatspolitische Lösung der ‚Freimaurerfrage‘
  • 19.2. Antimasonische Arbeit des frühen NS-Staats
  • 19.3. Das einstweilige Ende der Freimaurerei in Deutschland
  • 20. Ausblick: die ‚dunkle Zeit‘
  • Zusammenfassung: Angriff und Abwehr
  • Resümee
  • 21. Neue Erkenntnisse und Perspektiven
  • Anhang
  • Glossar freimaurerischer Begriffe
  • Gradstruktur der Freimaurerei in Deutschland (1870 – 1933)
  • Quellen- und Literaturverzeichnis
  • Ungedruckte Quellen
  • Gedruckte Quellen
  • Forschungsliteratur
  • Logenverzeichnis
  • Personenverzeichnis
  • Reihenübersicht

Résumé

La franc-maçonnerie n’a pas de mystère, elle est un mystère – comme dit un proverbe commun entre les francs-maçons allemands au 19e siècle.

La thèse de doctorat présente contribue à un plus grand éclaircissement de ce mystère. Sur la base de publications maçonniques se forme ainsi l’histoire

de la ‘communauté imaginée’ maçonnique allemande pendant la longue fin du siècle entre les années 1870 et 1930.

Vers le milieu du 19e siècle les francs-maçons allemands commencèrent à s’organiser en dehors les grandes loges qui existaient sans être liées entre elles et au-delà de leurs frontières. C’est ainsi que la franc-maçonnerie allemande se conçut en ‘communauté imaginée’. Autres tentatives de réaliser cette idée ne répondirent pourtant pas trop souvent aux espérances. Trop de divergences existèrent entre les conceptions de franc-maçonnerie, en plus depuis qu’il fallut tenir en compte les grandes loges avec leurs traditions, intérêts et exigeances de souveraineté distinctifs.

En conséquence la thèse de doctorat présente est en grande partie une histoire des disputes sur la nature et l’importance de la franc-maçonnerie.

La mise au point sur les lignes de conflits intérieurs et les maintes tentatives d’arriver à une identité commune permet une meilleure compréhension des forces motrices derrière le développement historique de la franc-maçonnerie allemande. En resultèrent de nouvelles perspectives particulièrement sur le développement radical-nationaliste pendant les années 1920.

Abstract

Freemasonry, rather than being merely secretive, is a big mystery in itself – or so went a popular saying among German freemasons in the 19th century. This dissertation sheds further light on that mystery, by closely examining masonic media, thus writing a history of the ‘imagined community’ of German freemasonry during the ‘long turn of the century’, that is the years stretching roughly from the 1870s to the 1930s.

Beginning around the middle of the 19th century, German-speaking freemasons started to organize outside and across the borders of their distinct grand lodges, thus forming the nucleus of an ‘imagined community’ of German freemasonry. Further attempts at translating this idea into manifest reality regularly fell short. Too varied were the views on freemasonry, especially since the grand lodges had also entered the picture with their distinct traditions, interests and claims of sovereignty. Consequently, this dissertation is in large parts a history of the central conflicts and controversies over the essence and meaning of freemasonry.

Focusing on these internal differences and on the multifaceted attempts at identity-formation allowed for new insights and a better understanding of the dynamics that shaped the history of freemasonry in Germany, especially regarding its turn to radical nationalism in the 1920s.

Zusammenfassung

Die Freimaurerei hat kein Geheimnis, sie ist ein Geheimnis – so jedenfalls ein geläufiges Sprichwort unter deutschen Freimaurern im 19. Jahrhundert. Die vorliegende Dissertation trägt dazu bei, dieses Geheimnis weiter zu erhellen. Auf Grundlage der masonischen Publizistik entstand dabei eine Geschichte der deutschfreimaurerischen ‚imagined community‘ in der ‚langen Jahrhundertwende‘ zwischen den 1870er und den 1930er Jahren.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begannen deutschsprachige Freimaurer damit, sich außerhalb der getrennt voneinander existierenden Großlogen und über deren Grenzen hinweg zu organisieren. So begann sich die deutsche Freimaurerei als ‚imagined community‘ zu formieren. Weiteren Versuchen, diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen, blieben jedoch immer wieder hinter den Erwartungen zurück. Zu divergent waren die Ansichten über Freimaurerei, erst recht, seit mit den Großlogen auch deren distinkte Traditionen, Interessen und Souveränitätsansprüche zu berücksichtigen waren. Folglich ist die vorliegende Dissertation über weite Strecken eine Geschichte der Auseinandersetzungen über das Wesen und die Bedeutung der Freimaurerei.

Dieser Fokus auf die inneren Konfliktlinien und die zahllosen Versuche, zu einem gemeinsamen masonischen Selbstverständnis zu gelangen, ermöglichte ein besseres Verständnis der Triebkräfte hinter der historischen Entwicklung der deutschen Freimaurerei. Insbesondere hinsichtlich der radikalnationalistischen Entwicklung in den 1920er Jahren ergaben sich so neue Einsichten.

Zum Titelbild

Das Titelbild zeigt ein Gemälde von Lovis Corinth (1858 – 1925), einem der bedeutendsten deutschen Vertreter des Impressionismus. Der aus Ostpreußen stammende Corinth hatte zunächst an der Kunstakademie Königsberg studiert. Von dort aus führte ihn sein Weg über mehrere Stationen nach München, wo er auch mit der Freimaurerei in Berührung kam. Er wurde Mitglied der Loge „In Treue fest“, in deren Haus sich auch sein Atelier befand. Hier entstand 1898/99 das Gemälde, das dieses Buch schmückt.

Abseits vom Titel weist kaum etwas an „Die Logenbrüder“ auf die Freimaurerei hin. Einzig eine kaum erkennbare Inschrift im Hintergrund gibt verschlüsselt Auskunft: ein Quadrat, gefolgt von i T f (für „in Treue fest“), daneben ein Hexagramm. Anstatt alles hinter der ikonischen Bildsprache der Freimaurerei zurücktreten zu lassen, richtet Corinth seinen Fokus auf die Brüder, die er trotz der gedrängt wirkenden Komposition individuell zu porträtieren scheint.

„Die Logenbrüder“ ist heute Teil der Sammlung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München.1

Danksagungen

Das ist doch mal ein wirklich interessantes Thema!“ So oder ähnlich waren in den vergangenen Jahren häufig die Reaktionen, die ich auf mein Forschungsthema zu hören bekam. Dem kann ich nach all der Zeit des thematischen Tunnelblicks noch immer uneingeschränkt zustimmen, was keine Selbstverständlichkeit ist. Ich hoffe, dass nicht nur die Themenstellung, sondern auch die resultierende Untersuchung interessant ist. Soweit sie die Erwartungshaltungen erfüllt, ist das auch der Unterstützung, Aufmunterung und kritischen Begleitung zahlreicher Personen und Institutionen geschuldet, denen zu Danken an dieser Stelle angemessen ist.

Allen voran gilt mein Dank natürlich Prof. Dr. Uwe Puschner, der diese Arbeit begleitet und als Erstgutachter entgegengenommen hat. Schon bei unserem ersten Kontakt im Sommer 2015 brachte er meinem Vorhaben großes Interesse entgegen, was sich zu meinem großen Glück in einem vertrauensvollen Betreuungsverhältnis fortsetzte, von dem ich und die Arbeit immens profitiert haben. In besonders guter Erinnerung bleibt mir auch Herrn Puschners Doktorandenkolloquium, wo ich mehrfach Gelegenheit hatte, die Fortschritte meiner Forschung zu präsentieren und konstruktives Feedback zu erhalten. Dafür sowie für zahlreiche Hinweise, kritische Rückmeldungen und nicht zuletzt für die herzliche Aufnahme in den Kreis der Puschner-Schüler bedanke ich mich bei allen Teilnehmern.

An zweiter Stelle gilt mein Dank Prof. Almut-Barbara Renger, die trotz Zeitdruck die Zweitbegutachtung übernahm.

Große Dankbarkeit empfinde ich weiterhin dafür, dass mir von 2018 bis 2020 durch das Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin ein sorgenfreies Forschen ermöglicht wurde.

Weiterhin gilt mein Dank den vielen Mitarbeitern der konsultierten Archive und Bibliotheken. Allen voran ist hierbei Peter Wiegmann von der Royal York Bibliothek im Logenhaus Berlin zu nennen, der mir den Weg zu den umfangreichen Quellenbeständen seiner Bibliothek wies. Im gleichen Atemzug sei Thad Peterson vom Deutschen Freimaurermuseum e. V. in Bayreuth genannt, der mich am heißesten Wochenende des Jahres 2019 trotz drückender Hitze in der Museumsbibliothek willkommen geheißen hat.

Großen Dank schulde ich schließlich auch unzähligen Freimaurerbrüdern, die mir nicht nur mit wertvollen Hinweisen zur Seite sprangen, sondern mich auch durch ihre Begeisterung und ihr Interesse an meiner Forschung anspornten. In diesem Zusammenhang gilt mein Dank insbesondere dem deutschen freimaurerischen Bildungswerk „Akademie Forum Masonicum e. V.“ und dessen Vorsitzenden Dieter Ney. 2019 hatte ich die große Freude, hier Auszüge meiner Forschungsarbeit präsentieren und zur Diskussion stellen zu dürfen. Zudem hat die „Akademie“ die Veröffentlichung dieses Buchs durch die großzügige Übernahme der Druckkosten unterstützt, wofür ich ihr gar nicht genug danken kann. Daneben wurde die Veröffentlichung durch die großzügige ←15 | 16→Unterstützung der freimaurerischen Forschungsgesellschaft „Quatuor Coronati e. V.“ ermöglicht, der hiermit ebenso mein Dank ausgesprochen sei.

Für moralische Unterstützung und eine Freundschaft, die mir auch dann noch die Treue hielt, wenn von mir jedes Lebenszeichen ausblieb, danke ich Andreas Plöger, Janine Swoboda, Katharina Vnoucek und Florian Wasmeier.

Der allergrößte Dank gilt schließlich meinen Eltern, die mich immer unterstützt und gefördert haben, sowie dem wichtigsten Menschen in meinem Leben, meiner Partnerin Maria Adam. Ohne ihre bedingungslose Liebe und Unterstützung in allen Lebenslagen wäre die vorliegende Arbeit gar nicht möglich gewesen.

Abkürzungsverzeichnis

3WK

Große National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln

AASR

Alter und Angenommener Schottischer Ritus

ADV

Alldeutscher Verband

AFL

Allgemeine Freimaurer-Liga

AfS

Archiv für Sozialgeschichte

AMI

Association maçonnique internationale

APuZ

Aus Politik und Zeitgeschichte

AQC

Ars Quatuor Coronatorum

BArch

Bundesarchiv

BFFK

Blätter für fränkische Familienkunde

CG

Comenius-Gesellschaft

DAG

Deutsche Adelsgenossenschaft

„Deutsche Bruderkette“

Großloge „Deutsche Bruderkette“

„Drei Weltkugeln“

Große National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln

DRW

Deutsches Rechtswörterbuch

DVSTB

Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund

FzaS

Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne

Gestapo

Geheime Staatspolizei

GG

Geschichte und Gesellschaft

GLDB

Großloge „Deutsche Bruderkette“

GLKFzB

Große Loge von Preußen, genannt „Kaiser Friedrich zur Bundestreue“

GLL

Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland [ab 1930 mit dem Zusatz: Deutsch-Christlicher Orden]

GLLvS

Große Landesloge von Sachsen

GLvB

Großloge „Zur Sonne“ in Bayreuth

GLvD

Große Freimaurerloge „Zur Eintracht“ in Darmstadt

GLvF

Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes in Frankfurt am Main

GLvH

Große Loge von Hamburg

GLvPr

Große Loge von Preußen, genannt zur Freundschaft [bis 1915: Royal York zur Freundschaft]

←17 | 18→GOdF

Grand Orient de France

Große Landesloge

Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland [ab 1930 mit dem Zusatz: Deutsch-Christlicher Orden]

Große Landesloge von Sachsen

Große Landesloge von Sachsen

Große Loge von Hamburg

Große Loge von Hamburg

Große Loge von Preußen

Große Loge von Preußen, genannt zur Freundschaft [bis 1915: Royal York zur Freundschaft]

Großloge von Bayreuth

Großloge „Zur Sonne“ in Bayreuth

Großloge von Darmstadt

Große Freimaurerloge „Zur Eintracht“ in Darmstadt

Großloge von Frankfurt

Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes in Frankfurt am Main

HA

Historische Anthropologie

HZ

Historische Zeitschrift

IASL

Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur

IF

Zeitschrift für internationale Freimaurerforschung

IfZ

Institut für Zeitgeschichte

JASO

Journal of the Anthropological Society of Oxford

JfA

Jahrbuch für Antisemitismusforschung

JGMOD

Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands

JMEH

Journal of Modern European History

JMH

Journal of Modern History

JRFF

Journal for Research into Freemasonry and Fraternalism

JSHJ

Journal for the Study of the Historical Jesus

„Kaiser Friedrich zur Bundestreue“

Große Loge von Preußen, genannt „Kaiser Friedrich zur Bundestreue“

KAS

Konrad-Adenauer-Stiftung

KZ

Konzentrationslager

KZfSS

Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie

LdF

Lessingbund deutscher Freimaurer

NDO

Nationalverband Deutscher Offiziere

NS

Nationalsozialismus, nationalsozialistisch

←18 | 19→NSDAP

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

PVS

Politische Vierteljahresschrift

QC

Quatuor Coronati (Deutschland)

RBHC

Revue Belge d’Histoire Contemporaine

REHMLAC+

Revista de Estudios Históricos de la Masonería Latinoamericana y Caribeña plus

RFSS

Reichsführer SS

RGG

Religion in Geschichte und Gegenwart

RSHA

Reichssicherheitshauptamt

SA

Sturmabteilung der NSDAP

SD

Sicherheitsdienst des RFSS

SDHA

SD-Hauptamt

SGL

Symbolische Großloge von Deutschland

SPD

Sozialdemokratische Partei Deutschlands

SS

Schutzstaffel der NSDAP

StA Ludwigsburg

Staatsarchiv Ludwigsburg

SZRKG

Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte

TAU

Periodikum der Forschungsloge Quatuor Coronati

UFL

Universala Framasona Ligo

UFO

Unabhängiger Freimaurer-Orden

UGLE

United Grand Lodge of England

ZfR

Zeitschrift für Religionswissenschaft

ZIG

Zeitschrift für Ideengeschichte

ZjR

Zeitschrift für junge Religionswissenschaft

ZKG

Zeitschrift für Kirchengeschichte

ZRGG

Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte

←19 | 20→

Einleitung

„Der Freimaurer-Orden ist eine Verbindung, deren Zweck darauf gerichtet ist, durch die ihr eigenthümliche Lehr- und Uebungsweise, Religiosität, Sittlichkeit und Humanität zu befördern und Weisheit des Lebens zu lehren und zu üben.“2

„Der Bund der Freimaurer ist ein menschlich-brüderlicher Verein freier Männer zur Wahrung und Pflege edler Humanität.“3

„Der Freimaurer-Ritterorden ist eine auf vaterländischer und christlicher Grundlage beruhende Verbrüderung freier Männer, geschlossen zur Ehre Gottes, zur eignen Veredlung und zur Veredlung der Brüder, zur Förderung der allgemeinen Liebe und zur Erhöhung der Würde und des Wohles der Menschheit.“4

1.Die Freimaurerei ist ein Geheimnis

Die diesem Kapitel vorangestellten Zitate aus freimaurerischen Satzungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts geben einen Eindruck sowohl von der Schwierigkeit, das Wesen der Freimaurerei zu bestimmen, als auch von der Vielfalt der freimaurerischen Selbstverständnisse in diesem Zeitraum. Sie sind die Spitze eines Eisbergs, der nahelegt, dass sich diese besondere Form der Geselligkeit nicht auf eine Definition, auf einen überzeitlichen Wesenskern festlegen lässt, auch wenn es an solchen Definitionsversuchen in der über 300jährigen Geschichte der Freimaurerei nicht gemangelt hat.

Insbesondere zeigen die Zitate, dass sich die Freimaurerei stets veränderte, entgegen dem von ihr gepflegten Mythos der Unwandelbarkeit.5 Tatsächlich ist die Geschichte der Freimaurerei eine Geschichte ihres ständigen Wandels, eines Wandels nicht nur ←20 | 21→ihrer äußeren Formen, sondern viel grundlegender noch ihrer Selbstverständnisse, die es schier unmöglich machen, von der Freimaurerei im Singular zu sprechen.

Florian Maurice hat schon vor etlichen Jahren auf die freimaurerische Wandlungsfähigkeit hingewiesen. In seiner Monographie zu freimaurerischen Reformbemühungen um 1800 resümierte er, dass die Freimaurerei kein hermetisch abgeschlossener Raum sei, sondern in einem dialektischen Verhältnis zur Außenwelt stehe, welches ihr ermögliche, Stimuli aufzunehmen und somit „ihr Gesicht mit den Bedürfnissen der Zeit [zu] wandeln.“6 Im Gegensatz zu ihrem Anspruch sei sie also „nicht mit festgelegten Inhalten verbunden“, sondern ein Raum, in dem die verschiedensten Deutungen und inhaltlichen Ausgestaltungen möglich seien; ein Raum, der jedoch nicht einfach leer sei, sondern dessen Inventar hinreichend vieldeutig und unbestimmt sei, um „den Vorgang der ständigen Gestaltung und Wandlung“ sowohl zu ermöglichen, als auch unsichtbar zu machen.7 „Die Unbestimmtheit und Vieldeutigkeit der Begriffe und Symbole machte es möglich, daß man von außen hineintrug, was man im Inneren zu finden wünschte, und schließlich glauben konnte, es dort vorgefunden zu haben.“8

Stephan Gregory wiederum hat gezeigt, dass diese Aneignungs- und Adaptionskultur in der freimaurerischen Geheimnisökonomie selbst angelegt ist. Im Zentrum der freimaurerischen Vergesellschaftung steht ein nur im masonischen Innenraum geteiltes Geheimnis, wodurch sich dieser Innenraum von einer profanen Außenwelt abgrenzt und so Vertrauen und Verbundenheit unter den Freimaurern herstellt. Im Initiationsritual überschreitet ein sogenannter Suchender diese Schwelle zwischen Außen und Innen, wird in eine Loge aufgenommen und gilt fortan als Bruder Freimaurer.9 Der Soziologe Georg Simmel hat diese Vergesellschaftungsfunktion des Geheimnisses bereits Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben und analysiert.10 Gregory geht nun noch einen Schritt weiter, indem er auch das Geheimnis selbst nicht mehr substantialistisch, sondern funktionalistisch denkt. Was ihm zufolge die freimaurerische Geheimniskultur ausmacht und von anderen Formen geheimniszentrierter Vergesellschaftung unterscheidet, ist nicht ein bestimmter geheimer Inhalt, sondern das Geheimnis als Selbstzweck. Das freimaurerische Geheimnis ist nach Gregory „eine Art Leerform“,11 die jedoch nicht als eine solche erfahren wird, denn auch die Freimaurer unterliegen der „substantialistische[n]‌ Illusion“12 und befüllen in der Aneignung des rein funktionalen freimaurerischen Geheimnisses diese Leerform stets aufs Neue. Die Kunst der ←21 | 22→Freimaurerei wird bei Gregory dadurch zur „Montage von Geheimnisattraktionen“.13 Gregorys anspruchsvolle kulturtheoretische Analyse lässt sich vielleicht am prägnantesten mit einem unter deutschen Freimaurern im 19. Jahrhundert geflügelten Wort zusammenfassen, in dem sich die Ahnung von der fordernden Leere des freimaurerischen Geheimnisses ausdrückte: „Die Freimaurerei hat kein Geheimniss; sie ist aber ein Geheimniss.“14

Historisch betrachtet lag in der inhaltlichen Flexibilität bei gleichzeitiger fiktiver Unwandelbarkeit eine Stärke. Sie ermöglichte, dass sich ein alter Traditionsverband wie die Freimaurerei sowohl in der zeitlichen wie auch in der räumlichen Ausbreitung stets auf neue Gegebenheiten und Erfordernisse einstellen und somit seinen Fortbestand sichern und seine Verbreitungsmöglichkeit steigern konnte. Allerdings lag darin auch Konfliktpotential, denn die verschiedenen so entstehenden Varianten mussten nicht zwangsläufig miteinander kompatibel sein. Sie konnten zu ganz unterschiedlichen Ansichten über Wesen, Zweck, Ziel und Einrichtung der – dem Anspruch nach – identischen Sache kommen. Solche Differenzen belasteten die Freimaurerei als ‚imagined community‘,15 deren universaler und unitarischer Anspruch in den Ritualtexten formuliert wurde, etwa wenn es hieß: „Die Freimaurerei ist allgemein, sie erstreckt sich über den ganzen Erdboden und alle [Brüder] auf demselben machen nur eine Loge aus“.16

Die so entstehenden Spannungen entluden sich in der Geschichte der Freimaurerei immer wieder, teils in produktiver, teils in destruktiver Weise. Wie ein Schatten begleiten Selbstverständnis- und Abgrenzungsdiskussionen die Freimaurerei, trotz des in der Rede von „Brüderlichkeit“ gegebenen Harmonieversprechens.

1.1. Theoretische und methodische Perspektive

All das ist Grund genug, den Fokus neu auszurichten, weg von der Frage nach dem vermeintlich ‚eigentlichen‘ Wesen der Freimaurerei, die auch in der akademischen Freimaurerforschung ihren Niederschlag gefunden hat.17 Stattdessen empfiehlt es sich, die Auslegungs- und Aushandlungsprozesse in den Blick zu nehmen, mit denen die Freimaurerei sich immer wieder aufs Neue über ihr Wesen verständigte. Erst wenn man den Wandel nicht mehr als Geschichte der Devianz und die Aushandlungsprozesse nicht mehr nur als Phänomene zweiter Ordnung begreift, sondern als Wege ins Zentrum der Freimaurerei, wird man dieser als historischem Objekt gerecht.←22 | 23→

Das bedeutet, sich der Freimaurerei nicht in erster Linie als Arkangesellschaft zu nähern, deren statisches Wesen sich den Mitgliedern mittels ritueller Einweihung und Progression durch verschiedene Grade enthüllt, sondern sie als Diskursgemeinschaft zu verstehen, die sich über das Wesen ihrer freimaurerischen ‚imagined community‘ austauscht und dieses Wesen so immer wieder aufs Neue erst bestimmt.

Unter dieser Maßgabe ist es nur von begrenztem Nutzen, den Quellenkorpus auf Ritualtexte und Katechismen zu beschränken, wie es etwa Christian Braun in seiner Studie „Zur Sprache der Freimaurerei“ tut. Braun liegt zwar nicht falsch, wenn er diese Quellenauswahl mit der zentralen Bedeutung der rituellen Arbeit für die freimaurerische Sozialisation begründet. Die dadurch unbeachtet bleibenden Texte sind jedoch eben gerade nicht lediglich „sekundäre und tertiäre Abbilder“ der Freimaurersprache, wie Braun meint, sondern neben dem persönlichen Austausch in der Logengemeinschaft die zentralen Orte, wo das Wesen der Freimaurerei konstruiert und somit auch der Interpretationsspielraum für die Rituale und Symbole abgesteckt wurde.18 Denn bei aller von der Freimaurerei betonten Dogmenlosigkeit, die sich gerade in der Verwendung von interpretationsbedürftigen Symbolen ausdrückt, gab es doch gewisse Spurrillen, das heißt ausgetretene Pfade der Aneignung und Auslegung, die sich mit dem Ideenhistoriker John G. A. Pocock als unterschiedliche Sprachen verstehen und so in Texten greifbar machen lassen.

Sprache in diesem Sinne meint jede „institutionalized mode of speech“, also implizite abstrakte Regelsysteme sprachlicher Kommunikation, bestehend „aus einem bestimmten Vokabular, aus rhetorischen Konventionen, Argumentationsmustern, aber auch inhaltlichen Vorannahmen, Leitmotiven etc.“19 Die so verstandene Sprache gibt dem individuellen Sprecher nicht einfach ein beliebig formbares Mittel zur Verwirklichung seiner kommunikativen Intentionen an die Hand, sondern drückt der Kommunikation ihren Stempel auf, indem sie die mit ihr möglichen Sprachhandlungen einschränkt, wodurch erst der Raum für sinnhaftes sprachliches Handeln geschaffen wird. Sie ist, so eine Formulierung Pococks, die Matrix, innerhalb derer Texte stattfinden.20

Die Aufgabe der Geschichtsforschung ist daher die Untersuchung historischer Texte auf die zugrundeliegenden Konventionen, Argumentationsmuster, Vorannahmen, Leitmotive und die mit ihnen versuchten und verwirklichten Sprachhandlungen. Die (Ideen-)Geschichte wird somit zu einer „history of language games and their outcomes.“21 Daran orientiert sich auch die vorliegende Arbeit, um in diesem Zugriff die Selbstverständnisse, Aushandlungsprozesse und Wandlungen in der deutschen Freimaurerei der langen Jahrhundertwende offenzulegen.←23 | 24→

1.2. Untersuchungszeitraum

Die lange Jahrhundertwende wurde erstmals 1990 in einem Sammelband zur Geschichte der Moderne als eigene Epoche vorgeschlagen und hat seither als Periodisierungskonzept in mehreren Studien Anwendung und Adaption gefunden.22 Ähnlichkeit besteht auch zu Ulrich Herberts Konzept der Hochmoderne und dem aus der Kunstgeschichte entlehnten, von Detlev Peukert popularisierten Konzept der klassischen Moderne.23

Die lange Jahrhundertwende muss jedoch nicht notwendigerweise von modernisierungstheoretischen Vorannahmen aus gedacht werden. Vielmehr geht es grundsätzlich darum, den Blick für längerfristige Entwicklungslinien und die sich aus Kontinuität, Wandel und Umbruch ergebende Dynamik der Geschichte zu öffnen.24 Das bedeutet insbesondere, eingeschliffene und festgefahrene Deutungsschemata zu überwinden, indem die üblichen Zäsuren eingebettet und die von ihnen geprägten Periodisierungskonzepte aufgebrochen werden. Vor allem betrifft das die noch immer übliche Fokussierung auf den Ersten Weltkrieg als ‚Urkatastrophe‘, die ein ‚langes 19. Jahrhundert‘ von einem ‚kurzen 20. Jahrhundert‘ scheidet, womöglich noch konkret festgemacht an einem ‚Epochenjahr 1917‘.25 Das Konzept der langen Jahrhundertwende öffnet hier den Blick für eine differenzierte Neubewertung.

Details

Seiten
544
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783631878811
ISBN (ePUB)
9783631879320
ISBN (Hardcover)
9783631879313
DOI
10.3726/b19880
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2022 (Juli)
Schlagworte
Bürgertum Verein Kaiserreich Weimarer Republik Nationalsozialismus Nationalismus Bürgerlichkeit 19. Jahrhundert 20. Jahrhundert Verschwörungstheorien
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2022. 544 S.

Biographische Angaben

Manuel Pauli (Autor:in)

Deutsche Freimaurerei – Großloge – Jahrhundertwende – 19. Jahrhundert – 20. Jahrhundert – Bürgertum – Bürgerlichkeit – Verein – Ideengeschichte – Kulturgeschichte – Kaiserreich – Wilhelminismus – Erster Weltkrieg – Weimarer Republik – Nationalsozialismus – Liberalismus – Konservatismus – Nationalismus – Orden – Bund – Männerbund – Verschwörungstheorien

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Titel: Die deutsche Freimaurerei in der langen Jahrhundertwende
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