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Genderrepräsentation in der russischen Sprache heute: Zwischen Ideologie und Sprachpraxis

by Daria Almeskirchen (Author)
©2025 Thesis 322 Pages

Summary

Diese Arbeit untersucht, wie Gender in der russischen Sprache repräsentiert wird – und wie sprachliche Normen dabei gesellschaftliche Vorstellungen prägen und widerspiegeln. Ausgehend von der Beobachtung, dass Sprache keine neutrale Größe ist, wird der Zusammenhang zwischen Genderrollen, Sprachgebrauch und gesellschaftlicher Normbildung analysiert. Im Fokus stehen sowohl feministische Sprachpraktiken als auch der dominante Diskurs in Massenmedien. Durch eine korpusgestützte Analyse publizistischer Texte und feministischer Onlineforen sowie eine Auswertung von YouTube-Kommentaren wird gezeigt, wie vielfältig und konfliktgeladen der Diskurs um gendergerechte Sprache in Russland ist. Diese Studie leistet damit einen Beitrag zur russistischen Genderlinguistik und rückt die Frage ins Zentrum, welche Sprachformen als normal gelten – und wer darüber entscheidet.

Table Of Contents

  • Abdeckung
  • Halbtitel-Seite
  • Serienseite
  • Titelseite
  • Copyright-Seite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Einleitung
  • 1. Gender und Sprachforschung
  • 1.1. Geschichte der Gender- und Queeren Linguistik: von ‚exotischer Frauensprache‘ zur Kritik der Heteronormativität
  • 1.1.1. Volkslinguistik und Frauensprache
  • 1.1.2. Zweite Welle oder moderner Zugang zur genderlinguistischen Forschung
  • 1.1.3. Dritte Welle oder postmoderner Zugang zur genderlinguistischen Forschung
  • 1.1.4. Genderlinguistik und Queere Linguistik: Implementierung der wissenschaftlichen Tradition in die neuesten Forschungen
  • 1.2. Russistische Gender- und Queere Linguistik
  • 1.2.1. Die erste Entwicklungsphase: Die russistische Genderlinguistik in den 1990er Jahren
  • 1.2.2. Die zweite Entwicklungsphase: Die russistische Genderlinguistik in den 2000er Jahren
  • 1.2.3. Die dritte Entwicklungsphase: Die russistische Genderlinguistik ab 2010
  • 1.2.4. Drei Jahrzehnte der russistischen Genderlinguistik: Probleme und Perspektiven
  • 2. Gender und Sprachpolitik
  • 2.1. Sprachpolitische Ansätze für eine genderkorrekte Sprache: Beispiel Europa
  • 2.1.1. Sexismus in der Sprache
  • 2.1.2. Politik für eine gendergerechte Sprache im europäischen Vergleich
  • 2.1.3. Negative Reaktionen auf die Sprachveränderungen: ‚Genderismus‘ und typische Argumentationsmuster
  • 2.1.4. Zwischenfazit: Sprachpolitische Ansätze für die gendergerechte Sprache in Europa
  • 2.2. Russisch als eine gendergerechte Sprache: zwischen europäischer Erfahrung und Sprachaktivismus
  • 2.2.1. Sprachpolitik in Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion
  • 2.2.2. Russisch als gendergerechte Sprache: die ersten Ansätze
  • 2.3. Öffentliche Diskussion zur gendergerechten Sprache in den russischsprachigen Kommentaren auf YouTube
  • 2.3.1. Studiendesign
  • 2.3.2. Analyseergebnisse
  • 2.3.3. Argumente gegen eine gendergerechte Sprache
  • 2.3.4. Argumente für eine gendergerechte Sprache
  • 2.3.5. Zusammenfassung und Diskussion
  • 3. Gender und Sprachpraxis
  • 3.1. Genus und Sexus in der russischen Sprache
  • 3.1.1. Personenbezeichnungen in der russischen Sprache
  • 3.1.2. Ambigene Appellativa (genus commune) in der russischen Sprache
  • 3.1.3. Neue Feminativa in der russischen Sprache als Gegentendenz zur Maskulinisierung
  • 3.1.4. Zwischenfazit: Korrelation zwischen Genus und Sexus in der russischen Sprache
  • 3.2. Funktionalstile und Textsorten in der russistischen Forschungstradition
  • 3.3. Analyse der Repräsentation von Gender in verschiedenen Funktionalstilen der russischen Sprache
  • 3.3.1. Studiendesign und Methodologie
  • 3.3.2. Repräsentation von Gender im Korpus des publizistischen Stils
  • 3.3.2.1 Wörter человек [Mensch], мужчина [Mann] und женщина [Frau] im Korpus des publizistischen Stils
  • 3.3.2.2 Weitere feminine Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils
  • 3.3.2.3 Suffixe der Feminativa im Korpus des publizistischen Stils
  • 3.3.2.4 Maskulinisierung im Korpus des publizistischen Stils
  • 3.3.2.5 Nicht genderspezifizierende Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils
  • 3.3.3. Repräsentation von Gender im Korpus der feministischen Foren
  • 3.3.3.1 Wörter человек [Mensch], мужчина [Mann] und женщина [Frau] im Korpus der feministischen Foren
  • 3.3.3.2 Weitere maskuline Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren
  • 3.3.3.3 Weitere feminine Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren
  • 3.3.3.4 Suffixe der Feminativa im Korpus der feministischen Foren
  • 3.3.3.5 Maskulinisierung im Korpus der feministischen Foren
  • 3.3.3.6 Nicht genderspezifizierende Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren
  • 3.3.4. Zusammenfassung und Diskussion: Repräsentation von Gender in verschiedenen Funktionalstilen der russischen Sprache
  • Fazit
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang 1: Liste der Codes in der Analyse von YouTube-Kommentaren
  • Anhang 2: Feminine Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils in absteigender Häufigkeit
  • Anhang 3: Feminine Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren in absteigender Häufigkeit
  • Studies on Language and Culture in Central and Eastern Europe (SLCCEE)

Studies on Language and Culture in Central and Eastern Europe

Edited by Christian Voß

Volume 47

Inhaltsverzeichnis

  1. Abbildungsverzeichnis

  2. Tabellenverzeichnis

  3. Einleitung

  4. 1. Gender und Sprachforschung

    1. 1.1. Geschichte der Gender- und Queeren Linguistik: von ‚exotischer Frauensprache‘ zur Kritik der Heteronormativität

      1. 1.1.1. Volkslinguistik und Frauensprache

      2. 1.1.2. Zweite Welle oder moderner Zugang zur genderlinguistischen Forschung

      3. 1.1.3. Dritte Welle oder postmoderner Zugang zur genderlinguistischen Forschung

      4. 1.1.4. Genderlinguistik und Queere Linguistik: Implementierung der wissenschaftlichen Tradition in die neuesten Forschungen

    2. 1.2. Russistische Gender- und Queere Linguistik

      1. 1.2.1. Die erste Entwicklungsphase: Die russistische Genderlinguistik in den 1990er Jahren

      2. 1.2.2. Die zweite Entwicklungsphase: Die russistische Genderlinguistik in den 2000er Jahren

      3. 1.2.3. Die dritte Entwicklungsphase: Die russistische Genderlinguistik ab 2010

      4. 1.2.4. Drei Jahrzehnte der russistischen Genderlinguistik: Probleme und Perspektiven

  5. 2. Gender und Sprachpolitik

    1. 2.1. Sprachpolitische Ansätze für eine genderkorrekte Sprache: Beispiel Europa

      1. 2.1.1. Sexismus in der Sprache

      2. 2.1.2. Politik für eine gendergerechte Sprache im europäischen Vergleich

      3. 2.1.3. Negative Reaktionen auf die Sprachveränderungen: ‚Genderismus‘ und typische Argumentationsmuster

      4. 2.1.4. Zwischenfazit: Sprachpolitische Ansätze für die gendergerechte Sprache in Europa

    2. 2.2. Russisch als eine gendergerechte Sprache: zwischen europäischer Erfahrung und Sprachaktivismus

      1. 2.2.1. Sprachpolitik in Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion

      2. 2.2.2. Russisch als gendergerechte Sprache: die ersten Ansätze

    3. 2.3. Öffentliche Diskussion zur gendergerechten Sprache in den russischsprachigen Kommentaren auf YouTube

      1. 2.3.1. Studiendesign

      2. 2.3.2. Analyseergebnisse

      3. 2.3.3. Argumente gegen eine gendergerechte Sprache

      4. 2.3.4. Argumente für eine gendergerechte Sprache

      5. 2.3.5. Zusammenfassung und Diskussion

  6. 3. Gender und Sprachpraxis

    1. 3.1. Genus und Sexus in der russischen Sprache

      1. 3.1.1. Personenbezeichnungen in der russischen Sprache

      2. 3.1.2. Ambigene Appellativa (genus commune) in der russischen Sprache

      3. 3.1.3. Neue Feminativa in der russischen Sprache als Gegentendenz zur Maskulinisierung

      4. 3.1.4. Zwischenfazit: Korrelation zwischen Genus und Sexus in der russischen Sprache

    2. 3.2. Funktionalstile und Textsorten in der russistischen Forschungstradition

    3. 3.3. Analyse der Repräsentation von Gender in verschiedenen Funktionalstilen der russischen Sprache

      1. 3.3.1. Studiendesign und Methodologie

      2. 3.3.2. Repräsentation von Gender im Korpus des publizistischen Stils

        1. 3.3.2.1 Wörter человек [Mensch], мужчина [Mann] und женщина [Frau] im Korpus des publizistischen Stils

        2. 3.3.2.2 Weitere feminine Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils

        3. 3.3.2.3 Suffixe der Feminativa im Korpus des publizistischen Stils

        4. 3.3.2.4 Maskulinisierung im Korpus des publizistischen Stils

        5. 3.3.2.5 Nicht genderspezifizierende Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils

      3. 3.3.3. Repräsentation von Gender im Korpus der feministischen Foren

        1. 3.3.3.1 Wörter человек [Mensch], мужчина [Mann] und женщина [Frau] im Korpus der feministischen Foren

        2. 3.3.3.2 Weitere maskuline Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren

        3. 3.3.3.3 Weitere feminine Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren

        4. 3.3.3.4 Suffixe der Feminativa im Korpus der feministischen Foren

        5. 3.3.3.5 Maskulinisierung im Korpus der feministischen Foren

        6. 3.3.3.6 Nicht genderspezifizierende Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren

      4. 3.3.4. Zusammenfassung und Diskussion: Repräsentation von Gender in verschiedenen Funktionalstilen der russischen Sprache

  7. Fazit

  8. Literaturverzeichnis

  9. Anhang 1: Liste der Codes in der Analyse von YouTube-Kommentaren

  10. Anhang 2: Feminine Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils in absteigender Häufigkeit

  11. Anhang 3: Feminine Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren in absteigender Häufigkeit

Abbildungsverzeichnis

  1. Abbildung 1: Ein Kommentar mit drei Argumente – ‚Das ist ein insignifikantes Problem‘, ‚Feminativa werden negativ wahrgenommen‘ und ‚Lächerlichmachen‘

  2. Abbildung 2: Prozessmodell der Analyse

  3. Abbildung 3: Transformationen in der Kategorie der Belebtheit in der russischen Sprache

  4. Abbildung 4: Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils

  5. Abbildung 5: Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren

  6. Abbildung 6: Liste der Codes in der Analyse von YouTube-Kommentaren

Tabellenverzeichnis

  1. Tabelle 1: Argumente gegen die gendergerechte Sprache

  2. Tabelle 2: Argumente für die gendergerechte Sprache

  3. Tabelle 3: Russische Deklinationsklassen und Genusklassifikation

  4. Tabelle 4: Feminine Movierungssuffixe in der russischen Sprache

  5. Tabelle 5: Die fünf größten semantischen Kategorien bei maskulinen und femininen Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils

  6. Tabelle 6: Suffixe der Feminativa im Korpus des publizistischen Stils

  7. Tabelle 7: Die fünf größten semantischen Kategorien bei maskulinen und femininen Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren

  8. Tabelle 8: Suffixe der Feminativa im Korpus der feministischen Foren

  9. Tabelle 9: Feminine Personenbezeichnungen im Korpus des publizistischen Stils in absteigender Häufigkeit

  10. Tabelle 10: Feminine Personenbezeichnungen im Korpus der feministischen Foren in absteigender Häufigkeit

Einleitung

Im Jahre 2019 schrieb die russische Aktivistin und Feministin Tatiana Nikonova einen Blogbeitrag, in dem sie die Notwendigkeit der Feminativa in der russischen Sprache anschaulich beweisen wollte. Sie konstruierte mehrere Beispielsätze, die absurd klangen und schwer verständlich waren, weil dort maskuline Personenbezeichnungen in Bezug auf Frauen benutzt wurden.1

Официанты тут одеты в черные юбки.

[Die Kellner sind hier in schwarze Röcke gekleidet.]

Учителю не стоит носить глубокие декольте.

[Ein Lehrer sollte kein tiefes Dekolleté tragen.]

Джейн Эйр — образцовая гувернер.“

[Jane Eyre ist *eine vorbildliche Gouverneur.]

Знаменитый танцовщик Айседора Дункан.

[Der berühmte Tänzer Isadora Duncan.]2

Unter diesem Beitrag wurden über 700 Kommentare verfasst, die sowohl von Gleichgesinnten als auch von Gegner*innen der ‚unnötigen‘ Feminativa in der russischen Sprache stammten, was für eine lebhafte Diskussion sorgte. Diese Situation stellte eher eine Ausnahme dar, da normalerweise die Fragen der gendergerechten Sprache und der sprachlichen Repräsentation von Gender eher am Rande der öffentlichen Diskussion blieben und wenig Aufmerksamkeit erregten (vgl. Tolstokorova 2010, 103).

Details

Pages
322
Publication Year
2025
ISBN (PDF)
9783631935545
ISBN (ePUB)
9783631935552
ISBN (Softcover)
9783631935538
DOI
10.3726/b23325
Language
German
Publication date
2025 (December)
Keywords
Gender russische Sprache Genderrepräsentation Gendernormen feministische Linguistik gendergerechte Sprache Sprachaktivismus feministische Internetforen Publizistik Genderlinguistik in Russland Sprachpolitik in Russland
Published
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2025. 322 S., 6 s/w Abb., 10 Tab.
Product Safety
Peter Lang Group AG

Biographical notes

Daria Almeskirchen (Author)

Daria Almeskirchen erwarb den Master in „Kulturen und Literaturen Mittel- und Osteuropas“ und promovierte im Fach „Slawische Sprachen“ am Institut für Slawistik und Hungarologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie erhielt ein Promotionsstipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

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Title: Genderrepräsentation in der russischen Sprache heute: Zwischen Ideologie und Sprachpraxis