Der Literaturnobelpreis – Literacka Nagroda Nobla
Polnische und deutsche Preisträgerinnen und Preisträger in ihrem kulturhistorischen Kontext - Polscy i niemieccy laureaci literackiej Nagrody Nobla w kontekście kulturowo-historycznym
Summary
Excerpt
Table Of Contents
- Abdeckung
- Titelblatt
- Impressum
- Inhaltsverzeichnis
- Vorrede
- Przedmowa
- Literaturnobelpreise – Laureaten der Slavia und die Politik
- Literacka Nagroda Nobla – słowiańscy laureaci w kontekście politycznym
- Ein Nobelpreisträger im Kreuzfeuer der Kritik. Sienkiewicz heute (und gestern)
- Rewoljucje Reymonta
- Die Bewohner des „weißen Flecks” (Czesław Miłoszs Ansichten über den Westen)
- Grass „auf polnisch“. Auf verschlungenen Wegen seiner Rezeption in Polen
- Der lange Weg zum Literaturnobelpreis. Günter Grass und der westdeutsche Literaturbetrieb der Nachkriegszeit
- Czas-analfabeta i przestrzeń-erudytka w myślach i fabułach Olgi Tokarczuk
- Über die Initiation durch Lesen, das Handwerk des Schreibens und die Verantwortung des Übersetzens in Olga Tokarczuks Essayband „Übungen im Fremdsein“ – ein Kommentar
- Über die Autorinnen und Autoren
Vorrede
Es ist guter Brauch, die Strategische Partnerschaft, die die Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel seit vielen Jahren verbindet, alle zwei Jahre mit Kieler Tagen in Poznań sowie Posener Tagen in Kiel zu begehen. Nach Verschiebungen aufgrund der Pandemie und (zu) vielen Videokonferenzen konnten dann im November 2022 die regulären Posener Tage in Kiel mit einem Jahr Verspätung begangen werden. Es ist zudem guter Brauch, dass die eng miteinander kooperierenden Partnerinstitute, hier also das Instytut Filologii Polskiej i Klasycznej der UAM und das Institut für Slavistik der CAU Tagungen organisieren, um sich über wissenschaftliche Themen auszutauschen. Seit der Implementierung des Double-Degree-Masterprogramms „Interkulturelle Studien: Polen und Deutsche in Europa – EuPoD“ an beiden Hochschulen ist es zu guter Letzt auch guter Brauch, dass, über die Grenzen der erwähnten Institute hinweg, die am Programm beteiligten Fächer an diesen Tagungen mitwirken – so war es 2012, 2015, 2017 und 2019.
Für das Jahr 2022 hatten die Organisatorinnen und Organisatoren – wohl auch als eine Folge der Pandemie – nun entschieden, den Rahmen der Konferenz ein wenig bescheidener zu gestalten und sich für ein Round-Table-Format ausgesprochen. Eingeladen war ein kleinerer Kreis an Germanistinnen und Germanisten sowie Slavistinnen und Slavisten, die sich dem Thema der Verleihung der Literaturnobelpreise an polnische wie deutsche Autorinnen und Autoren widmeten, angeregt durch Skandale im Stockholmer Verleihungskomitee einerseits, andererseits aber natürlich auch durch die Verleihung des Preises an Olga Tokarczuk.
8Das Tableau der besprochenen Laureatinnen und Laureaten umfasst nun – wenig verwunderlich – den Zeitrahmen von 1905, als die Verleihung des Preises an Henryk Sienkiewicz erfolgte, bis 2018, als Olga Tokarczuk ausgezeichnet wurde. Der zeitliche Horizont beträgt also mehr als ein Jahrhundert, und so haben sich, wie die vorliegenden Beiträge zeigen, nicht nur die ästhetischen Anschauungen der ausgezeichneten Autorinnen und Autoren verändert, sondern auch die Begründungen für die Preisvergabe sowie die Rezeption und Stellung der Laureatinnen und Laureaten in ihren eigenen wie auch in anderen kulturellen Kontexten.
Die Verleihung des Preises an Henryk Sienkiewicz wurde als „wenig verwunderlich“ bezeichnet, was wohl der prominenten Position Sienkiewiczs in der polnischen Kultur- wie Geistesgeschichte geschuldet ist. Folglich begannen die Round-Table-Gespräche mit Ausführungen von Krzysztof Trybuś zu Leben und Werk des „Homers zweiter Klasse“ und dessen Wahrnehmung im Polen der Jahre der PiS-Regierung, gefolgt von Maciej Junkierts Überlegungen zu Władysław Reymonts Revolutionen, wie sie im Abstand eines Jahrhunderts wirken (können). Agata Stankowska schließlich unternahm eine Neuverortung des essayistischen Schaffens Czesław Miłoszs in Bezug auf dessen „Ansichten über den Westen“ – ist es doch angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine von bestürzender Aktualität. Katarzyna Kuczyńska-Koschany, Rebekka Wilpert sowie Marta Janachowska-Budych, deren Beitrag im vorliegenden Band nicht erscheint, widmeten sich dann dem Werk der letzten Nobelpreisträgerin polnischer Herkunft, Olga Tokarczuk, in Bezug auf (nicht nur) Raum und Zeit, sondern auch hinsichtlich ihrer Rezeption in Deutschland. Wir sehen also – es fehlt nur Wisława Szymborska, und alle Ausgezeichneten polnischer Herkunft hätten im vorliegenden Band Berücksichtigung gefunden.
Anders sieht es auf der Seite der deutschen Laureatinnen und Laureaten aus. Hier reicht das Spektrum zwar von dem im Jahr 1910 ausgezeichneten Paul Heyse, zu dessen Schaffen Julia Ilgner referierte, bis zu Günter Grass, der den Literaturnobelpreis 1999 erhielt, und deckt so gleichfalls nahezu ein Jahrhundert ab. Es fehlen indes Autorinnen und Autoren wie Thomas Mann, der in Polen doch hohe Wertschätzung genießt – wie im Übrigen auch der letzte Roman Olga Tokarczuks, Empuzjon (2022), aber auch das Prequel zum Zauberberg des zu früh verstorbenen Paweł Huelle, nämlich Castorp (2004)zeigen. Es fehlt Heinrich Böll – vielleicht wegen seiner Affinität zu 9Sowjetautoren wie Aleksandr Solženicyn oder Lev Kopelev, und es fehlen Herta Müller sowie Elfriede Jelinek, beides Sprachkünstlerinnen deutscher Zunge.
Während Paul Heyse, der aufgrund seiner klassischen Manier in Deutschland als „Enkel Goethes“ gehandelt wurde, in Polen zu den weniger bekannten deutschen Autoren gehört, wird und wurde der international bekannte Günter Grass allein aufgrund seiner Herkunft aus Danzig und seiner unüberhörbaren politischen Stellungnahmen stets als ausnehmend kontroverse Person wahrgenommen. Hier zeichnet Ingo Irsigler Grass’ Nobilitierung durch die Verleihung des Nobelpreises ebenso nach wie die Entwicklung von einem „angry young man“ der deutschen Literaturszene zu einem „Kulturdenkmal“. Vergleichbar geht Jerzy Kalążny vor, der sich mit Grass’ Rezeption in unserem Nachbarland befasst: Die Wege sind dort – auch wegen der ideologischen Paradigmenwechsel – noch ein wenig verschlungener, doch am Ende steht auch in Polen das „Denkmal“ Grass, dem man in Danzig auf Schritt und Tritt auch in Fremdenführern begegnet. Kalążnys Beitrag zeigt: Es gibt für mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Autorinnen und Autoren immer auch ein zweites Leben, etwa das im Nachbarland.
Die Ausführungen bis hierher verdeutlichen: Enge europäische Nachbarschaft, wie im Verhältnis von Polen und Deutschland, ist jenseits des Politischen nicht denkbar – und das gilt auch für die jeweiligen literarischen Felder. Michael Düring geht in seinem einführenden Beitrag daher der Frage nach, ob die Verleihung eines Literaturnobelpreises jenseits des Politischen überhaupt möglich ist – hatte Alfred Nobel gerade dies in seinem Testament ja vorgesehen. Doch anhand der in diesem Band chronologisch vorgestellten, mit dem Nobelpreis geehrten Autorinnen und Autoren wird – ausgehend von Sienkiewicz, dessen Dankesrede schon am Beginn des 20. Jahrhunderts ein grundsätzliches politisches Statement zum Status quo Polens enthält – deutlich, dass die Kriterien des Nobelschen Testaments nicht ausreichen, um politische Indienstnahme auszuschließen. Das Testament unterliegt wie jedes Schriftwerk hermeneutischen Operationen; es unterliegt, zugespitzt, dem politischen Zeitgeist und politischen Konjunkturen. Exemplarisch zeigen dies die Fallstudien des vorliegenden Sammelbandes.
Michael Düring / Miriam Völkel, Herbst 2025
Przedmowa
Dobrym zwyczajem stało się już celebrowanie partnerstwa strategicznego, które od wielu lat łączy Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu i Uniwersytet Christiana Albrechta w Kilonii, dzięki organizowanym co dwa lata Dniom Kilońskim w Poznaniu i Dniom Poznańskim w Kilonii. Po przesunięciach spowodowanych pandemią i (zbyt) wielu wideokonferencjach Dni Poznania w Kilonii odbyły się jak zwykle w listopadzie 2022 roku, jednak z rocznym opóźnieniem. Dobrym zwyczajem stało się również organizowanie przez ściśle współpracujące instytuty partnerskie, w tym przypadku Wydział Filologii Polskiej i Klasycznej w Poznaniu oraz Instytut Slawistyki w Kilonii, konferencji w celu wymiany spostrzeżeń na tematy naukowe. Od czasu wdrożenia na obu uniwersytetach dwudyplomowego programu studiów magisterskich „Studia międzykulturowe: Polacy i Niemcy w Europie” (PiNwE) dobrym zwyczajem stał się w końcu udział w tych konferencjach, poza wymienionymi instytutami, także innych podmiotów zaangażowanych w program – tak było w latach 2012, 2015, 2017 i 2019.
W 2022 roku organizatorzy zdecydowali się – prawdopodobnie również pod wpływem doświadczeń pandemicznych – uczynić konferencję nieco skromniejszą i wybrali format okrągłego stołu. Mniejsza niż zwykle grupa germanistów i slawistów została zaproszona do wygłoszenia referatów na temat wyboru polskich i niemieckich laureatów literackiej Nagrody Nobla. Inspiracją tematyczną był z jednej strony skandal wokół przyznawania nagród przez Komitet Noblowski, a z drugiej strony przyznanie Nagrody Nobla Oldze Tokarczuk.
Details
- Pages
- 166
- Publication Year
- 2026
- ISBN (PDF)
- 9783631935842
- ISBN (ePUB)
- 9783631935859
- ISBN (Hardcover)
- 9783631935835
- DOI
- 10.3726/b22780
- Language
- German
- Publication date
- 2026 (March)
- Keywords
- Essayistik Raumzeit Raum Zeit Tokarczuk Literaturbetrieb nach 1945 Literaturpreisvergaben Gruppe 47 Untergrundliteratur polnische Rezeption Grass Identität Europa Miłosz Revolution Historischer Roman Reymont Konservatismus Trilogie Sienkiewicz
- Published
- Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. 166 S.
- Product Safety
- Peter Lang Group AG