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Framing – Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit

In der deutschen Sprache, der deutschsprachigen Literatur, Medien, Kultur, DaF-Didaktik und Translatologie

by Teuta Abrashi (Volume editor) Albulena Blakaj-Gashi (Volume editor) Milote Sadiku (Volume editor) Ellen Tichy (Volume editor)
©2026 Edited Collection 200 Pages

Summary

Der Begriff Framing sorgt nicht nur im deutschen öffentlichen Diskurs für Aufsehen – auch in den Disziplinen Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften wird intensiv über seine Tragweite diskutiert. Framing wird von Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Medien gezielt eingesetzt, um die öffentliche Wahrnehmung zu lenken und die Meinungsbildung zu beeinflussen. Doch was genau steckt hinter diesem Konzept? Ist es ein neuer Ansatz oder nur die Wiederaufnahme bekannter Theorien? Welche Rolle spielen Konstruktivismus und Konstruktionismus, wenn es darum geht, die Beziehung zwischen Sprache, Denken und Wirklichkeit zu verstehen?
Diese Fragen wurden im Rahmen der von der Universität Prishtina ausgerichteten 14. Jahreskonferenz des Südosteuropäischen Germanistenverbandes (SOEGV) aus interdisziplinärer Perspektive diskutiert. Der Sammelband enthält eine Auswahl wissenschaftlicher Beiträge dieser Konferenz, die die vielfältigen Aspekte des Framings beleuchten. Die Aufsätze möchten Impulse für Forschung, Lehre und öffentlichen Diskurs setzen.

Table Of Contents

  • Abdeckung
  • Titelblatt
  • Copyright-Seite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • Die Rolle von Framing bei der Vermittlung linguistischen Wissens im DaF-Studium: Fallbeispiel interkulturelle Linguistik und Phraseologie (Hana Bergerová)
  • 1. Rahmenbedingungen – das transnationale Erasmus+-Projekt Germanistik Digital
  • 2. Theoretische Ausgangspunkte
  • 2.1. Der sprachwissenschaftliche Frame-Ansatz
  • 2.2. Der kommunikationswissenschaftliche Frame-Ansatz
  • 3. Praktische Umsetzung der Frame- und Framing-Konzepte in linguistischen Lehrveranstaltungen – einige Einblicke
  • 3.1. Einleitung
  • 3.2. Interkulturelle Linguistik als Lehrgegenstand
  • 3.3. Phraseologie als Lehrgegenstand
  • 4. Schlussbemerkungen
  • Literatur
  • Aktivierung von Frames und Inferenzen als Angebote an Leserinnen und Leser im zeitgenössischen deutschsprachigen Generationenroman (Claudia Agnes Müller)
  • 1. Frames als Beschreibungsinstrument für die Steuerung der Perspektive
  • 2. Kommunikation zwischen den Generationen im Familienroman
  • 3. Rückblick auf die Genese der Muster
  • 4. Beständigkeit der Rahmenkonstruktion und der Polarität der Werte
  • 5. Ausgesetzt und verlassen am Ende einer abgewerteten Vergangenheit
  • 6. Eltern als Bewohner der Gegenwelt
  • 7. Im Nebel des Vergessens
  • 8. Gegenprogramm: jüngere Autoren/Autorinnen zeigen Empathie
  • 9. Fazit
  • Literatur
  • Falsche oder echte schwarze Schafe? — Der Einsatz von Frames in Ursula Hauckes „Papa – Charly hat gesagt…“ (Sonila Sadikaj)
  • 1. Einleitung
  • 2. Analyse des Frame-Gebrauchs
  • 3. Zusammenfassung und Perspektive
  • Literatur
  • Internetquellen
  • Anhang:
  • Die Kompositamacht im deutschen Politdiskurs (Silvana Simoska)
  • 1. Einleitende Worte
  • 2. Frames und Framing
  • 3. Metaphern und Manipulation
  • 4. Komposita als Frames
  • 5. Wortbildungscluster und konzeptuelle Metaphern
  • 5.1. KM BREMSE
  • 5.2. KM WENDE
  • 5.3. KM KLIMA
  • 6. Schöne-Worte-Gesetze
  • 7. Fazit
  • Literatur
  • Belege
  • Sprachlicher Aspekt von Funktionsverbgefügen im DaF-Unterricht in Albanien (Brikena Kadzadej-Zavalani)
  • 1. Einleitung
  • 2. Eigenschaften von Funktionsverbgefügen
  • 3. Zur Bedeutung der FVG
  • 4. FVG im DaF-Untericht
  • 5. Ergebnisse der Lehrwerkanalyse „Menschen“ (A1–B1)
  • 6. Schlussbemerkungen
  • Literatur
  • Der Einsatz von Überzeugungs- und Überredungsmitteln bei Germanistikstudierenden in Nordmazedonien (Gëzim Xhaferri / Biljana Ivanovska)
  • 1. Einleitung
  • 2. Theoretische Auffassungen
  • 3. Methodik der Untersuchung
  • 4. Modifizierungen in der Sprache
  • 4.1. Interne Modalitätsmarkierungen
  • 4.2. Morphologische Modalitätsmarkierungen
  • 5. Aufmerksamkeitssignale
  • 6. Intensivierungsmittel
  • 7. Ergebnisse und Fazit
  • Literatur
  • ‚Frames‘, ‚Framing‘ und ‚Reframing‘ nach einem rezeptionsästhetischen Ansatz (Niketa Stefa)
  • Einleitung
  • 1. Kontaktmuster
  • 2. Deduktive Muster
  • 3. Vorbildliche Verhaltensmuster
  • 4. Zeugenmuster
  • 5. Reflexionsmuster
  • 6. Schlussbemerkungen
  • Literatur
  • Der Framing-Effekt der Werbeslogans aus linguistischer Sicht (Bisera Stankova)
  • 1. Einleitung
  • 1.1. Framing und Werbung
  • 1.2. Funktionen der Werbesprache
  • 1.3. Elemente der Werbeanzeige
  • 1.4. Funktionen der Slogans
  • 2. Methoden der Analyse
  • 3. Korpus und Analyse
  • 3.1. Quantitative Analyse
  • 3.2. Qualitative Analyse
  • 3.2.1. Phonologischer Aspekt
  • 3.2.2. Syntaktischer Aspekt
  • 3.2.3. Semantischer Aspekt
  • 4. Fazit
  • Literatur
  • Internetquelle
  • Scenes and Frames: Die Bearbeitung der Übersetzung von Kutelis „E bija e Hënës dhe Diellit – Die Tochter von Sonne und Mond“ (Erta Spaho-Herri / Migena Sejdini)
  • 1. Kuteli und sein Werk
  • 2. Die Scenes-and-Frames-Semantik und die Übersetzung
  • 2.1. Scenes-and-Fraes-Semantik
  • 2.2. Bedeutung der Scenes-and-Frames-Semantik bei der Übersetzung im Allgemeinen
  • 3. Scenes-and-Frames-Semantik in Kutelis Erzählungen. Übersetzungsproblematik.
  • 4. Fazit
  • Literatur
  • Internetquellen
  • Versprachlichung der Emotion Ärger in der deutschen und albanischen Phraseologie (Milote Sadiku)
  • 1. Einleitung
  • 2. Definition des Emotionsbegriffs
  • 3. Die Emotion Ärger
  • 4. Ärger-Phraseme im Deutschen und Albanischen
  • 5. Schlussbemerkung
  • Literatur
  • Wörterbücher:
  • Sekundärliteratur
  • Reframing in der akademischen Lehre: Von der Wissensvermittlung zur Kompetenzorientierung (Ellen Tichy)
  • 1. Einleitung
  • 2. Kompetenzorientierung in der Hochschuldidaktik
  • 3. Transversale Kompetenzen
  • 4. Reframing als didaktischer Ansatz
  • 4.1. Lehrszenario: Gestaltung eines kompetenzorientierten Projektseminars
  • 4.2. Der Forschungsansatz Linguistic Landscape als didaktisches Modell
  • 5. Fazit
  • Literatur
  • Journal of Language and Social Psychology
  • Die Rolle von Frames in verschiedenen Bereichen der Linguistik (Teuta Abrashi)
  • 1. Frames und Lexikologie
  • 2. Frames und Semantik
  • 3. Frame und Syntax
  • 4. Schlussfolgerung
  • Literatur

Einleitung

Dank des sogenannten Framing Manuals des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks ARD und die folgenden Debatten über die (negativen oder positiven) Auswirkungen einer solchen Sammlung von Empfehlungen für eine „objektive“ Berichterstattung, ist der Begriff Framing in der letzten Zeit in den deutschen öffentlichen Diskurs stark aufgetreten. Framing ist kein neues Konzept. Der Begriff des Framings wurde bereits als nützliches Instrument für ein breites Spektrum von Disziplinen implementiert, insbesondere in der Soziologie, Psychologie, Kommunikation, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft usw., aber auch in der Linguistik. Es scheint, dass insbesondere Politiker und Werbetreibende anscheinend das Framing als sehr nützliches Instrument empfunden haben, um ihre Ziele zu erreichen. Sie versuchen mit sorgfältigem Aufgreifen bestimmter Wörter, die Meinung der Menschen zu ändern oder zu formen, weil nach kognitiv Wissenschaftlern/innen: „Wann immer wir Worte hören, die sich auf direkte Erfahrungen mit der Welt stützen, (so Elisabeth Wehling) simuliert unser Gehirn die jeweils abgespeicherten physischen Erfahrungen und Sinneseindrücke“. Demzufolge betrachten heute einige Wissenschaftler Framing als ein starkes Argument dafür, wie sich durch die Sprache bzw. durch (sogar) neu erschöpfte Wörter unsere Meinung und insgesamt die öffentliche Meinung ändern kann. Als Beispiel kann man das neuerdings im deutschen politischen Diskurs aufgetauchte Wort Asyltourismus nennen, durch das die Flucht vor Gewalt, Krieg, Folter, Verfolgung, Hunger oder Armut zur Urlaubsreise umgedeutet wird.

Außer Diskussionen in der öffentlichen Meinung, gibt es neuerdings auch in den sprachwissenschaftlichen Kreisen Auseinandersetzungen über das Framing. Für einige Grammatiktheoretiker eröffnet Framing ein neuer Horizont und eine neue Perspektive, für die anderen jedoch stellt das Framing überhaupt keinen neuen Ansatz dar, sondern es verwendet teilweise einige Merkmale der bereits etablierten Grammatikmodelle. Auch die Literaturwissenschaftler teilen nicht die gleiche Meinung. Einige von ihnen meinen, dass Framing zum Kontext gehört, andere sind aber der Meinung, dass sich der Begriff Framing (so Mieke Bal) zum erfolgreichen Rivalen von Kontext entwickelt hat, da Framing, im Vergleich zum Kontext, der sich auf etwas statisches bezieht, ein dynamisches Gebilde aus Texten und Kontexten befördert. Ein weiteres Dilemma im Zusammenhang mit

Framing ist, ob der Konstruktivismus als makrotheoretische Basis des Framing Ansatzes anzunehmen ist. Auch in dieser Hinsicht gibt es keine einheitliche Meinung, denn die Vielfalt an Versionen des Konstruktivismus die Aufklärung des Verhältnisses von Konstruktivismus und Framing-Ansatz enorm erschwert. Darüber hinaus sollte der Konstruktivismus nicht mit dem Konstruktionismus vermischt werden, der im Vergleich zum ersten mit dem re-framing verbunden ist. Nach dieser Makrotheorie werden die Ideen selbst aus Erfahrung generiert, um das Frame zu erstellen, in die wiederum neue Erfahrungsstücke eingeführt werden, um neue Ideen zu generieren, so dass die vorhandenen Frames modifiziert oder sogar vollständig geändert werden (re-framing). Beide Theorien nehmen in der Didaktik eine herausragende Stellung ein (Lernen durch Erfahrung vs. Lernen durch Handeln).

Es gibt mindestens drei Gründe, warum dieses Thema für die diesjährige Tagung gewählt wurde: i) das Framing ist in allen Bereichen (Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, DaF, Translatologie, Didaktik) vorhanden, (ii) es ist sehr präsent und aktuell in der deutschen öffentlichen Meinung, daher wäre es interessant zu untersuchen, ob es in den SOEGV-Ländern ein Echo gibt, und (iii) weil Framing die Wahrnehmung bestimmt, indem ein Kontext so dargestellt wird, dass ein und dieselbe Information ganz anders wirkt (ein Glass kann halb-voll oder halb-leer sein).

In diesem Sinne, könnte das Thema der 14. Jahreskonferenz des Südosteuropäischen Germanistenverbandes (SOEGV), die von der Universität Prishtina, „Hasan Prishtina“, Philologische Fakultät, und Abteilung für deutsche Sprache und Literatur, vom 03. – 06. Mai 2023 in Prishtina, Kosovo gehalten wurde als eine Erweiterung der 6. Jahreskonferenz des SOEGV mit dem Themas, Perspektivierung-Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit, betrachtet werden, aber auf einer ganz anderen Ebene und Blickwinkel.

Teuta Abrashi und Ellen Tichy

Die Rolle von Framing bei der Vermittlung linguistischen Wissens im DaF-Studium: Fallbeispiel interkulturelle Linguistik und Phraseologie

Hana Bergerová (Ústí nad Labem)

ABSTRACT

This article shows possibilities for integrating the concept of framing into the university teaching of German as a foreign language. For the case study presented, two linguistic disciplines were selected; both are part of the coursework in German linguistics at the author’s home institution. The practical implementation of framing is exemplified in the use of two online teaching materials on intercultural linguistics and phraseology, which were created as part of the transnational Erasmus+ project Germanistik Digital. The following explanations show that frames and framing can be successfully used in the teaching of intercultural linguistics and phraseology and can enhance the appeal of the teaching.

Keywords: Framing, German as a foreign language, intercultural linguistics, phraseology, online teaching material

ABSTRACT

In diesem Beitrag werden Möglichkeiten der Einbindung des Framings in die Hochschullehre im Bereich Deutsch als Fremdsprache aufgezeigt. Für die Fallstudie wurden zwei linguistische Disziplinen ausgewählt, die am Heimatinstitut der Verfasserin zum Bestandteil der Ausbildung in germanistischer Linguistik gehören. Die praktische Umsetzung des Framings wird anhand von zwei Online-Unterrichtsmaterialien zur interkulturellen Linguistik und zur Phraseologie veranschaulicht, die im Rahmen des transnationalen Erasmus+-Projektes Germanistik Digital entstanden. Die nachfolgenden Ausführungen belegen, dass Frames und Framing bei der Vermittlung interkulturell-linguistischer und phraseologischer Lehrinhalte sehr gut einsetzbar sind und zur Attraktivität der Lehre beitragen können.

Details

Pages
200
Publication Year
2026
ISBN (PDF)
9783631939567
ISBN (ePUB)
9783631939574
ISBN (Hardcover)
9783631939550
DOI
10.3726/b23296
Language
German
Publication date
2026 (April)
Keywords
Framing Frames Framingansatz Frame Konzept Frame-Semantik Konstruktionsgrammatik Sprachwissenschaft Literaturwissenschaft Kulturwissenschaft DaF Translatologie Didaktik
Published
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. 200 S., 3 farb. Abb., 5 s/w Abb., 26 Tab.
Product Safety
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Biographical notes

Teuta Abrashi (Volume editor) Albulena Blakaj-Gashi (Volume editor) Milote Sadiku (Volume editor) Ellen Tichy (Volume editor)

Teuta Abrashi war langjährige Leiterin der Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Prishtina. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der allgemeinen und kontrastiven Linguistik. Albulena Blakaj-Gashi ist Professorin für deutsche Literatur an der Universität Prishtina. Sie war Vizerektorin und zuvor Vizedekanin der Philologischen Fakultät. Milote Sadiku ist Professorin an der Universität Prishtina und seit 2020 Vizedekanin der Philologischen Fakultät. Ellen Tichy (DaFF/TU Berlin) hat ihre Forschungsschwerpunkte in der Wissenschaftsgeschichte der Germanistik in Mittelosteuropa sowie der DaF-Fachdidaktik.

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