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«Das finde ich etwas (.) ja schon etwas sehr Spezielles, auch sehr persönlich.»

Narrative Intimität in öffentlicher Selbstthematisierung

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Marianne Bosshard

Intime Öffentlichkeiten prägen unseren Alltag. Sei es in sozialen Netzwerken, in Radio und Fernsehen oder in Buchform: Das zuweilen sehr persönliche Erzählen aus dem eigenen Leben ist populär. Doch wie kommt hierbei Intimität zustande? Exemplarisch an drei Erzählformaten aus dem Schweizer Radio und Fernsehen zeigt die Studie auf, wie und mit welchen Funktionen Intimität in der Interaktion kommunikativ angezeigt bzw. hergestellt wird. Der Fokus liegt dabei auf ihrer narrativen Durchformung, zu der ein Mix an Erzählmustern ebenso zählt wie ein grundsätzliches Spiel mit Sichtbarkeiten. Kulturwissenschaftlich eingebettet, leistet die vorliegende Positionierungsanalyse von Selbstthematisierungen in öffentlich-medialen Kontexten einen Beitrag zur Debatte um Privatheit und Öffentlichkeit und bietet mit einem narrativen Verständnis von Intimität eine Grundlage für deren Erforschung in weiteren Zusammenhängen.

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2. Intimität – kommunikativ, expressiv, narrativ

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„The need for humans to establish and maintain intimate attachments and connections with others is a central and fundamental human motivation that appears to cut across cultures“ (Laurenceau/Rivera/Schaffer et al. 2004: 61).9 Will man Jean-Philippe Laurenceau et al. Glauben schenken, spielt Intimität für jeden einzelnen Menschen eine äusserst bedeutsame Rolle – und dies erst noch über Kulturen hinweg; Levent Soysal spricht mit Blick auf soziale Netzwerke sogar von der Intimität als globalem Phänomen – „Intimacy is becoming a response to, and a product of, globalizing discourses and practices“ (2010: 392). Trotzdem unterliess es die sprachwissenschaftliche Forschung (v. a. die deutschsprachige) bisher, sie eingehender zu untersuchen und nach ihren kontextuellen Erscheinungen zu differenzieren. Obwohl Intimität an einen kommunikativen Austausch und damit an sprachliches Handeln zurückgebunden ist. Sie kann als ein „feeling of closeness developing from communication“ (Laurenceau/Rivera/Schaffer et al. 2004: 62) umschrieben werden.

Laurenceau et al. lassen in dieser Formulierung nicht nur den gemeinsamen Nenner der zeitgenössischen psychologischen Forschungsliteratur aufscheinen. In dieser Äusserung hallt ebenso der Grundgedanke des Philosophen und Soziologen Georg Simmel nach, der dessen Ausführungen zur „Gesellschaft zu zweien“ Anfang des 20. Jahrhunderts prägte und der von Kornelia Hahn – Soziologin von Haus aus – unlängst herausgearbeitet sowie ← 27 | 28 → für eine Auseinandersetzung mit Intimität in gegenwärtigen Medienkulturen fruchtbar gemacht worden ist. Gerade der Umstand, dass dieser Grundgedanke, Intimität und Kommunikation als unzertrennlich anzusehen, schon lange Zeit und in vielfältiger Weise über die...

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