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«Das finde ich etwas (.) ja schon etwas sehr Spezielles, auch sehr persönlich.»

Narrative Intimität in öffentlicher Selbstthematisierung

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Marianne Bosshard

Intime Öffentlichkeiten prägen unseren Alltag. Sei es in sozialen Netzwerken, in Radio und Fernsehen oder in Buchform: Das zuweilen sehr persönliche Erzählen aus dem eigenen Leben ist populär. Doch wie kommt hierbei Intimität zustande? Exemplarisch an drei Erzählformaten aus dem Schweizer Radio und Fernsehen zeigt die Studie auf, wie und mit welchen Funktionen Intimität in der Interaktion kommunikativ angezeigt bzw. hergestellt wird. Der Fokus liegt dabei auf ihrer narrativen Durchformung, zu der ein Mix an Erzählmustern ebenso zählt wie ein grundsätzliches Spiel mit Sichtbarkeiten. Kulturwissenschaftlich eingebettet, leistet die vorliegende Positionierungsanalyse von Selbstthematisierungen in öffentlich-medialen Kontexten einen Beitrag zur Debatte um Privatheit und Öffentlichkeit und bietet mit einem narrativen Verständnis von Intimität eine Grundlage für deren Erforschung in weiteren Zusammenhängen.

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4. Vom Erzählen erzählen

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4.1. Konversationsanalytische Begründung

Mit der linguistischen Erforschung von Intimität verhält es sich analog derjenigen von Emotionen: Beide drehen sich um Untersuchungsgegenstände, die in der Psychologie eine lange Forschungstradition aufweisen können, während sie sprachwissenschaftlich ein Schattendasein fristeten. Erst in den vergangenen Jahren hat sich die Linguistik der breit abgestützten Erforschung von Emotionen zugewandt, mit dem Fokus, ihre kommunikative Konstituiertheit auszudifferenzieren; die Auseinandersetzung mit Intimität steckt sogar gänzlich in den Kinderschuhen. Indes lassen sich aber aus der erfolgten Etablierung von Emotionen als linguistischem Untersuchungsgegenstand auch für das Abstecken eines linguistischen Forschungsfeldes Intimität grundlegende Bedingungen ableiten: Will man Intimität sprachwissenschaftlich beschreiben, kann einzig von Interesse sein, „was auf der interaktionalen Oberfläche […] relevant gemacht wird, d. h. was […] unabhängig vom ‚tatsächlichen‘ inneren Erleben thematisiert wird“ (Reber 2009, zit. bei Kupetz 2013: 73). Eine solche Perspektive geht mit einem Verständnis von Intimität als nicht bloss individuellem Gefühl, sondern als sich aus vielen kommunikativen Wechselwirkungen ergebend einher, in denen „aus einem isolierten Nebeneinander der Individuen bestimmte Formen des Miteinanders und Füreinanders werden“ (Hahn 2014: 9). Intimität ist somit als sozial geregeltes Phänomen zu begreifen, wie dies Reinhard Fiehler für Emotionen herausgehoben hat (vgl. 2001: 1427), deren Ausdruck in einem „Zusammenspiel jeweils unterschiedlicher sprachlicher und prosodischer Mittel“ (Schwitalla 2010: 157), etwa in einer Kombination aus „Mittel[n] der Lexik, der Phraseologie und der Prosodie“ (ebd.: 157), gelingt. Wenn im Folgenden daher...

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