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«Das finde ich etwas (.) ja schon etwas sehr Spezielles, auch sehr persönlich.»

Narrative Intimität in öffentlicher Selbstthematisierung

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Marianne Bosshard

Intime Öffentlichkeiten prägen unseren Alltag. Sei es in sozialen Netzwerken, in Radio und Fernsehen oder in Buchform: Das zuweilen sehr persönliche Erzählen aus dem eigenen Leben ist populär. Doch wie kommt hierbei Intimität zustande? Exemplarisch an drei Erzählformaten aus dem Schweizer Radio und Fernsehen zeigt die Studie auf, wie und mit welchen Funktionen Intimität in der Interaktion kommunikativ angezeigt bzw. hergestellt wird. Der Fokus liegt dabei auf ihrer narrativen Durchformung, zu der ein Mix an Erzählmustern ebenso zählt wie ein grundsätzliches Spiel mit Sichtbarkeiten. Kulturwissenschaftlich eingebettet, leistet die vorliegende Positionierungsanalyse von Selbstthematisierungen in öffentlich-medialen Kontexten einen Beitrag zur Debatte um Privatheit und Öffentlichkeit und bietet mit einem narrativen Verständnis von Intimität eine Grundlage für deren Erforschung in weiteren Zusammenhängen.

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5. Intimität als interpersonaler, narrativer Prozess

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Traditionellerweise wird das Kundtun von Persönlichem, die Selbstthematisierung, eng mit Intimität in Verbindung gebracht, im Sinne davon, dass eine Preisgabe von Persönlichem indexikalisch auf Intimität verweist (vgl. hierzu auch Kapitel 2.5). Von der Intimität ist etwa die Rede, „die durch die Mitteilung sehr persönlicher Daten, Erlebnisse, Gefühlen [sic] zwischen den Gesprächspartnern entsteht“ (Betten 2003: 11). Jiang/Bazarova/Hancock kleiden diese einflussreiche Grundannahme in treffender Weise in die folgenden Worte: „Perhaps the most important basis of intimate social relationships is self-disclosure, the act of revealing personal information to other people“ (Jiang/Bazarova/Hancock 2011: 58; vgl. auch Laurenceau/Rivera/Schaffer et al., 2004: 62). Und auch Heinz Käufeler stellt für die Intimität gerade in modernen Gesellschaften fest, dass für sie „die in diesen Gesellschaften charakteristische soziale Praxis der Offenlegung und Enthüllung persönlicher Innerlichkeiten, was hier als Merkmal echter und enger persönlicher Beziehungen gilt“ (2008: 171), ein äusserst „wichtiger Strang“ (ebd.: 171) ist.86

Allerdings wurde erkannt, dass self-disclosure, das Mitteilen von persönlichsten Gedanken, Gefühlen und Informationen, nicht dazu ausreicht, Intimität herzustellen; „although self-disclosure often triggers intimate interaction, in itself self-disclosure is insufficient to instill a sense of intimacy between two people“ (Reis 2007: 10, zit. nach Jiang/Bazarova/Hancock 2011: 62). So können Selbstthematisierungen aufgrund ihres dynamischen und kollaborativen Charakters nicht einzig für sich, entbunden von ihrem interaktiven Kontext betrachtet werden. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass Selbstthematisierungen gemeinsam, zwischen den Gesprächspartnern ausgehandelt werden, worüber...

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