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Mediale Emotionskulturen

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Edited By Stefan Hauser, Martin Luginbühl and Susanne Tienken

Der Sammelband geht der Frage nach, inwiefern in massenmedialen Kontexten neue Emotionskulturen zum Tragen kommen. Die Beiträge untersuchen, wie Emotionen verbal und mit anderen Zeichen hervorgebracht oder neu verhandelt werden und welche soziopragmatischen oder diskursiven Effekte dies hat. Im Zentrum steht damit einerseits die Analyse der Medialität des Emotionsdisplays, andererseits die Frage nach medial emergierenden Emotionskulturen: Sind neue sprachliche und  andere soziale Praktiken der Emotionalisierung zu beobachten? Der Band vereinigt kulturanalytisch-medienlinguistische Analysen zu Emotionsdarstellungen in digitaler Kommunikation (Facebook, YouTube, Twitter, Selbsthilfeplattformen), aber auch im Fernsehen (Talkshows, Wissensdokus) und in der Medialität der Handschriftlichkeit. Dabei werden Phänomene wie Hatespeech und Shitstorms auf Facebook und Twitter ebenso untersucht wie Fan-Trauer auf Twitter, Fussball-Livetweets und Emotionalisierungen in YouTube-Videos, Online-Selbsthilfegruppen, TV-Wissensdokus oder in der Fernsehrezeption in Social Media.

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#RIP – kollektive Fan-Trauer auf Twitter (Karina Frick)

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KARINA FRICK

#RIP – kollektive Fan-Trauer auf Twitter

Die Themen Tod und Trauer haben längst auf Online-Plattformen mit everydayness-Charakter wie Twitter Einzug gehalten; so wird dort beispielweise der Tod prominenter Persönlichkeiten kollektiv betrauert. Anhand einer Sammlung von Tweets zum Tod des deutschen Schauspielers Götz George untersucht der vorliegende Beitrag, wie sich solche gemeinschaftlichen Trauermanifestationen gestalten und welche spezifischen Verbalisierungs- und Ausdrucksformen von Trauer sich in der Online-Umgebung von Twitter finden lassen. Dabei zeigt sich, dass eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit diesen neuartigen Formen einerseits den Rückgriff auf bekannte Muster begünstigt, die aus der Offline-Kommunikation bekannt sind, dass sich aber andererseits die Grenzen des Sagbaren auch ausweiten.

1. Tod und Trauer im Netz1

1.1 Trauernormen im Wandel

Die Emotion Trauer tritt in der Regel als Reaktion auf einen Verlust auf (Freud 1946), der beispielsweise (aber nicht zwangsläufig2) den Tod einer nahestehenden Person betrifft. Die Empfindung sowie der Ausdruck der von Schwarz-Friesel (2013: 67) als Basisemotion3 „unangenehmer Art“ kategorisierten ← 179 | 180 → Emotion Trauer werden über gesellschaftlich und kulturell geprägte Trauernormen – bzw. über sogenannte „feeling rules“4 (Hochschild (1979: 563) – reguliert, die ihrerseits mit bestimmten erwartbaren Praktiken wie einer schriftlichen Todesanzeige oder einer irgendwie gearteten Abschiedszeremonie einhergehen. Solche Gefühlsregeln legen darüber hinaus die Rahmenbedingungen für einen als angemessen wahrgenommenen Umgang mit bzw. den Ausdruck von Trauer fest, etwa was den Zeitraum, den Ort oder – genereller – die Berechtigung zur Trauer anbelangt...

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