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Der weibliche Blick auf den Orient

Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich

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Miroslawa Czarnecka, Christa Ebert and Grazyna B. Szewczyk

Der von Edward Said angeregte Orientalismus-Diskurs über den westlichen Blick auf den Orient weist auf die überwiegend durch Stereotype und Vorurteile geprägte Betrachtungsweise des Okzidents hin. Dabei geht Said stillschweigend von einem männlichen Diskurs aus, gestützt auf zumeist von Männern verfasste Texte und Bilder – wie etwa der Topos von Feminisierung und Sexualisierung des Orients als des unterlegenen, exotischen Anderen. Wie aber nehmen Frauen den Orient wahr? Verstärken und unterstützen sie die männliche Sichtweise oder konterkarieren oder variieren sie sie?
Forschungsgegenstand dieses Bandes sind Aufzeichnungen europäischer Frauen, die in Begleitung ihrer Männer oder allein den Orient bereisten und ihre Eindrücke in Berichten, Tagebüchern oder Briefen zu Papier brachten. Die geschilderten Begleitumstände der Reisen werden eingehend analysiert, da sie die Perspektive des Eigenen entscheidend mitbestimmen. Von der Forschung bislang noch kaum wahrgenommene Reiseschriftstellerinnen aus osteuropäischen Regionen werden in die Untersuchung einbezogen und als Teil der europäischen Kulturgeschichte ins Blickfeld gerückt. Auch Texte von orientalischen Schriftstellerinnen werden berücksichtigt: In ihrem Spiegel wird die Wahrnehmung der Europäerinnen auf den Orient kritisch überprüft und gelegentlich auch revidiert. Der Band präsentiert die Ergebnisse des internationalen Symposiums «Der weibliche Blick auf den Orient», das vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Słubice stattfand.

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Die Reise- und Lebensbeschreibung von Regina Salomea Pilsztyn geb. Rusiecka (1718–1760), einer polnischen Orientreisenden im Kontext der Kulturgeschichte der Frauenreisen im 18. Jahrhundert 13

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Die Reise- und Lebensbeschreibung von Regina Salomea Pilsztyn geb. Rusiecka (1718–1760), einer polnischen Orientreisenden im Kontext der Kulturgeschichte der Frauenreisen im 18. Jahrhundert1 Mirosława Czarnecka Regina Rusiecka ist in der Kulturgeschichte der Frauenreise die zweite Euro- päerin, die eine Reise in das Osmanische Reich machte und sie in Form eines autobiografischen Reiseberichts memorierte. Sechzehn Jahre nach Lady Mary Montagu (1689–1762) fuhr sie 1732 zum ersten Mal nach Konstantinopel. Der Text von Rusiecka ist primär als ihre Autobiographie, ihre Lebensge- schichte zu lesen und sekundär als ein Reisebericht. Er enthält private Erleb- nisse, familiäre Vorkommnisse, Berichte aus ihrer beruflichen Lebenswelt und zugleich explizite Darstellungen der Reisevorbereitungen, die Schilde- rungen der Reisen selbst, die Einblicke in den Alltag und in die Kultur des Orients. Als Augenzeugin – diese Rhetorik der Identifikation hebt sie stets hervor – berichtet Rusiecka über ihre Begegnungen mit den traditionellen Räumen der orientalischen Frauenkultur, wie Frauenbad und Harem. Dabei durchbricht sie die Perspektive einer europäischen Reisendin,– um hier die von Ida Hahn-Hahn eingeführte und popularisierte Bezeichnung zu gebrau- chen –, die in diesen Räumen als Touristin kurzfristig verweilte. Regina Rusiecka wählt die Türkei als Exilland und an diesem Ort schreibt sie ihre Lebensgeschichte nieder. Ich werde Rusiecka in die Reisekultur von Frauen der Frühen Neuzeit verorten und zeigen, wie sie die in der Forschung festgelegte Typologie der Frauenreisen dieser Zeit durchbricht. Vor dem Hintergrund einer kurz skiz- zierten Geschichte der Geschlechterrelation in Altpolen werde ich darauf...

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