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Kunst und Kulturtransfer zur Zeit Karls des Kühnen

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Norberto Gramaccini and Marc C. Schurr

Die glanzvolle Herrschaft der Burgunderherzöge bedeutete einen Höhepunkt in der europäischen Kulturgeschichte. Ereignisse wie die Schlacht bei Murten und die Schlacht von Nancy beeinflussten das kulturelle Selbstverständnis insbesondere der Schweizer, Niederländer und Belgier. Zusätzlich wurde das burgundische Erbe durch die Heirat des späteren Kaisers Maximilian mit Maria von Burgund kulturell, materiell und politisch zu einem Grundpfeiler der Habsburger Monarchie. Bis heute wird das kulturelle Gedächtnis der Europäer davon geprägt.
Dieser Band zeigt diese Zusammenhänge aus der Perspektive der Kunstwissenschaften und der Kulturtransferforschung auf. Die Autorinnen und Autoren präsentieren in ihren Beiträgen die regionalen und überregionalen Verflechtungen des gesamteuropäischen Kunstschaffens in den verschiedensten Gattungen im 15. Jahrhundert. Ausgewählte Fallstudien beschäftigen sich mit dem aussergewöhnlichen Reichtum der künstlerischen Produktion, aber auch mit den vielfältigen Dimensionen des kulturellen Austauschs am burgundischen Hof und in seinem weiteren Umfeld. Die Beiträge im vorliegenden Band basieren auf den Vorträgen der internationalen Tagung vom Juli 2008 in Bern und sind in deutscher, französischer oder englischer Sprache verfasst.

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MARC CAREL SCHURR und NORBERTO GRAMACCINI Einleitung 7

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Einleitung Marc Carel Schurr und Norberto Gramaccini Im Zuge des cultural turns, der sich seit den 1990er Jahren in den Geistes- wissenschaften bemerkbar macht1, hat sich auch die Kunstgeschichte verstärkt interdisziplinären Forschungsansätzen zugewendet. Kunstgeschichte als Teil ei- nes kulturwissenschaftlichen Gesamtprojekts zu verstehen, ist schon beinahe zu einer Selbstverständlichkeit geworden, und fast automatisch hat dies das bevor- zugte Interesse des Fachs an den gesellschaftlichen Funktionen und der me- dialen Wirksamkeit der Kunstwerke nach sich gezogen.2 Der intensivierte Kontakt der Kunstgeschichte mit den Nachbardisziplinen hat zweifellos methodisch befruchtend gewirkt. Insbesondere das von den Sprachwissenschaften erarbeitete Konzept des Kulturtransfers vermochte der Kunstgeschichte neue Impulse zu geben, die sich auch an den Universitäten in Bern und Basel sowie an der ETH Zürich in Gestalt des vom Schweize- rischen Nationalfonds geförderten Doktorandenkollegs „Kunst als Kulturtrans- fer seit der Renaissance“ niedergeschlagen haben. Schliesslich hat die Kunstgeschichte immer wieder mit grosser Hingabe und Genauigkeit die Weitergabe künstlerischer Innovationen über die Grenzen von Nationen und Regionen hinweg beschrieben. Dies hat dem Fach von je her eine gewisse Internationalität verliehen, die viel zu seinem Charisma beigetra- gen hat. Ob Florenz, Rom, Paris oder Prag – die Kulturzentren der alten Welt blieben in der Kunstgeschichte lebendig und konnten auch in Zeiten der mit dem Preis der geistigen und sprachlichen Abschottung zu bezahlenden Kon- struktion des Nationalstaats vom einstmals üblichen intensiven kulturellen Aus- tausch zwischen den Völkern Europas Zeugnis ablegen. Wäre daher das Label vom „Kulturtransfer“ nicht ein ideales Etikett f...

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