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„Wir sind keine kleinen Dalai Lamas“

Lebenswelten von Tibeterinnen und Tibetern der zweiten Generation in Indien und der Schweiz

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Tina Lauer

Das Heimatland ihrer Eltern und Grosseltern kennen in der Diaspora geborene Tibeterinnen und Tibeter meist nur aus Erzählungen. In den letzten Jahrzehnten wurde dem Leid der tibetischen Flüchtlinge sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt und in Bildbänden, Filmen, Studien und Romanen dokumentiert. Die Nachkommen der Flüchtlinge fanden bisher aber nur wenig Beachtung. Doch gerade weil sie die Erfahrungen und Erlebnisse ihrer Eltern und Grosseltern nicht teilen, ihre Sozialisation in einem anderen Land erfahren haben und sich dennoch stark mit dem Schicksal Tibets verbunden fühlen, drängen sich kulturwissenschaftliche Fragen auf – vor allem die nach ihrer Verbindung zur tibetischen Herkunft. Die vorliegende Studie befasst sich erstmals ausführlich mit Biografien von Tibeterinnen und Tibetern der zweiten Generation in Indien und in der Schweiz. Zentrale kulturelle Aspekte wie der Bezug zum Buddhismus, zur tibetischen Sprache oder zu Rezeptionen tibetischer Identität werden mit zahlreichen Zitaten, Bildern und Forschungsanekdoten eindrucksvoll dargestellt. Daneben finden auch die Sozialisation, politisches und soziales Engagement sowie Träume und Ziele dieser Generation Beachtung.

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I. Teil: Forschungskontext, Forschungsstand, Methode und theoretische Kontextualisierung 17

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17 I. Teil Forschungskontext, Forschungsstand, Methode und theoretische Kontextualisierung 18 19 1. Einleitung 1.1 „Medienwirksame Proteste der jungen Exiltibeter“1 Am 24. März 2008 wurde im griechischen Dorf Olympia die olympische Fackel entzündet und auf ihren Weg nach Peking gebracht, den Aus- tragungsort der olympischen Sommerspiele. Kurze Zeit später warf sich eine junge Frau scheinbar blutverschmiert vor den Fackellauf. Es handelte sich um Dolkar2: eine Tibeterin, die in der Schweiz geboren und aufge- wachsen ist. Mit ihrer medienwirksamen Protestaktion wollte die damals 26-jährige Publizistikstudentin auf die Menschenrechtssituation in Tibet aufmerksam machen, wo es kurz zuvor erneut zu gewaltvollen Auseinan- dersetzungen zwischen Tibetern und chinesischen Besatzern gekommen war (Haefliger 2008: 1). Seit 2008 verzeichnen politisch engagierte Tibetervereine einen deut- lichen Zuwachs an im Exil geborenen Tibeterinnen und Tibetern. Dolkar ist eine von ihnen.3 Doch wer ist diese Generation? Was genau treibt Tibeterinnen und Tibeter wie Dolkar zu solchen Protestaktionen an? Eine Art Pflichtgefühl? Oder die Sehnsucht nach einem Ort, an dem sie nie gelebt und den sie meist noch nie gesehen haben? Während tibetische Flüchtlinge seit über 50 Jahren fortlaufend im Exil ein besseres Leben suchen, werden immer wieder neue Bildbände, Filme und Romane über das Leid dieser Menschen und die Strapazen, die 1 Titel eines Artikels auf der Homepage von Swissinfo vom 28. Juli 2008: . 20. September 2011. 2 Name geändert. 3 Beispielsweise gemäss Experteninterviews mit Tendon Dahortsang, zum Zeitpunkt des Interviews Präsidentin des VTJE (vom 20. Januar 2009)...

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