Show Less
Restricted access

Moskau – Das Dritte Rom?

Einflüsse der italienischen Renaissance auf die russische Kunst der Frühen Neuzeit. Reiseberichte als eine Quellengattung der Kunstgeschichte

Series:

Anna Szech

Kaum ein anderes architektonisches Ensemble wirkt in seiner Gesamterscheinung russischer als der Gebäudekomplex des Moskauer Kreml. Interessanterweise wurden seine prominentesten Bauten nicht von einheimischen, sondern von italienischen Architekten errichtet, die der Einladung russischer Grossfürsten folgten und in den Jahren zwischen 1470 und 1520 in Moskau tätig waren. Anhand ausführlicher Analysen dieser und weiterer bedeutenden Sakralbauten Russlands wird der Frage nachgegangen, in welchem Umfang das kulturelle Selbstverständnis der Russen den Anschluss an die von Italien ausgehende und sich in ganz Europa ausbreitende Renaissancebewegung erlaubte.
Ein Kapitel über eine seltene Ikonenreihe, die bestimmten Kanons westeuropäischer Ikonographie unterliegt, gewährt einen Einblick in die zweite wichtige Gattung russischer Kunst dieser Zeit – die Ikonenmalerei.
Als Sekundärquelle werden einige, der westlichen Forschung bis jetzt kaum zugängliche Berichte russischer Reisenden des 15. und 16. Jahrhunderts über Florenz und Rom herangezogen, neu übersetzt und ausgewertet.
Show Summary Details
Restricted access

I. Einleitung

Extract

I.   Einleitung

1.   Der architektonische Stil des Moskauer Kreml: Altrussische Tradition oder Tendenzen der italienischen Renaissance?

Kaum ein anderes architektonisches Ensemble wirkt in seiner Gesamterscheinung russischer als der Gebäudekomplex des Moskauer Kreml. Interessanterweise wurden seine prominentesten Bauten Uspenskij Sobor – die Mariä-Entschlafens-Kathedrale (1475–1479) (Abb. 1), Granovitaja Palata – der Facettenpalast (1487–1491) (Abb. 2) und Arhangel’skij Sobor – die Erzengel-Michael-Kathedrale (1505–1508) (Abb. 3) nicht von einheimischen, sondern von italienischen Architekten im Auftrag der Moskauer Grossfürsten errichtet.1 Die Baumeister Aristotele Fioravanti, Marco Ruffo, Pietro Antonio Solari, Aloisio Lamberti da Montagnana sowie einige andere folgten der Einladung von Ivan III., der im Jahr 1462 zum Grossfürst von Moskau wurde und nun wünschte, dass seine Residenz – der Kreml – durch neue Architektur ein angemessenes repräsentatives Aussehen erhielte.2 Das russische Wort kreml’ bezeichnet den befestigten Teil einer mittelalterlichen Stadt, der sich zumeist auf einer strategisch günstig gelegenen Stelle – auf einem Hügel oder an einem Fluss- oder Seeufer – befand und zusätzlich durch hohe Festungsmauern geschützt wurde. Solche Kreml-Festungen beherbergten die wichtigsten sakralen Errichtungen einer Stadt, Fürstenpaläste und Wohnsitze kirchlicher und weltlicher Würdenträger. Der Moskauer Kreml war im 15. Jahrhundert nicht der einzige russische Kreml, denn beinahe jede russische Stadt hatte ein solches aus Holz oder Stein errichtetes Befestigungswerk vorzuweisen. Zu den bekanntesten zählten dabei die Kreml-Festungen von Vladimir, Novgorod und Pskov. ← 11 | 12 → Der besondere Status des Kreml von Moskau, den dieser seit dem 14. Jahrhundert innehatte, liess...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.