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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVI. Jahrgang / 2014

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Edited By Peter Heßelmann

Den Schwerpunkt dieses Bandes der Simpliciana bilden vierzehn Vorträge, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Chiffrieren und Dechiffrieren in Grimmelshausens Werk und in der Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2014 in Gelnhausen gehalten wurden. Fünf weitere Studien ergänzen unser neues Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet wie gewohnt einige Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Dechiffrierung verschlüsselter Texte der Frühen Neuzeit – Methoden, Probleme, Forschungsbedarf: Klaus Schmeh

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KLAUS SCHMEH (Gelsenkirchen)

Dechiffrierung verschlüsselter Texte der Frühen Neuzeit – Methoden, Probleme, Forschungsbedarf

1.Einführung

Im Jahr 1977 stellte der US-Historiker Albert Leighton in der Fachzeitschrift Cryptologia das so genannte Astle-Kryptogramm vor.1 Dabei handelt es sich um einen verschlüsselten Text aus dem 15. Jahrhundert, der in dem 1876 erschienenen Buch The Origin and Progress of Writing von Thomas Astle abgedruckt ist (Abb. 1).2 Das Original des verschlüsselten Schriftstücks ist verschollen. Astle beschreibt den verschlüsselten Text mit folgenden Worten: „Manuskript auf Pergament in meiner Büchersammlung, geschrieben während der Herrschaft von Heinrich VI.“3 Heinrich VI. war ein englischer König, der von 1422 bis 1461 und von 1470 bis 1471 regierte. Mehr ist über das Astle-Kryptogramm nicht bekannt.

Eine naheliegende Frage lautet nun: Wie kann man einen Jahrhunderte alten verschlüsselten Text wie das Astle-Kryptogramm dechiffrieren? Zunächst erscheint dies nicht schwierig, schließlich gibt es umfangreiche Literatur über das Dechiffrieren von Kryptogrammen. Die entsprechende Wissenschaft wird als „Kryptoanalyse“ bezeichnet. Allerdings beziehen sich die meisten Kryptoanalyse-Arbeiten auf die moderne, computerbasierte Verschlüsselungstechnik. Diese hat seit ihren Anfängen in den sechziger Jahren große Fortschritte gemacht und ist heute kaum noch mit der Vor-Computer-Kryptologie zu vergleichen. Daher ist auch Kryptoanalyse-Literatur, die moderne Verfahren behandelt, für das Lösen historischer Verschlüsselungen nahezu wertlos. Dies zeigt sich schon an den Rahmenbedingungen, die in der modernen Kryptoanalyse gelten: ← 15 | 16 →

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