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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVI. Jahrgang / 2014

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Edited By Peter Heßelmann

Den Schwerpunkt dieses Bandes der Simpliciana bilden vierzehn Vorträge, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Chiffrieren und Dechiffrieren in Grimmelshausens Werk und in der Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2014 in Gelnhausen gehalten wurden. Fünf weitere Studien ergänzen unser neues Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet wie gewohnt einige Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Zur Geschichte des deutschen Rätsels mit einem Blick auf das 17. Jahrhundert: Tomas Tomasek

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TOMAS TOMASEK (Münster)

Zur Geschichte des deutschen Rätsels mit einem Blick auf das 17. Jahrhundert

1.Vorbemerkung

In einem Tagungsband, der sich mit literarischem Chiffrieren und Dechiffrieren beschäftigt, dürften auch Bemerkungen über die Gattung des Rätsels am Platze sein, denn Rätsel stellen ihrer Definition nach nichts anderes dar als Verschlüsselungen von Begriffen oder Personen, die dem Rezipienten zur Auflösung aufgegeben werden („Rat’, was ist das?“). In pragmatischer Sicht sind Rätsel Prüfungsfragen mit verschlüsselnden Textstrukturen, die z. B. Aspekte des Lösungsbegriffs metaphorisieren (wenn etwa eine Schneeflocke als ein „federloser Vogel“ bezeichnet wird) oder eine verwirrende Antithetik aufbauen (wenn z. B. gesagt wird, etwas sei „gestorben, aber nicht geboren“), aber auch Ambivalenzen erzeugen bzw. absichtlich vage bleiben. Die Rätselverschlüsselung braucht dabei nicht nur inhaltsseitig (d. h. semantisch) zu erfolgen, sondern kann auch die Ausdrucksseite, die Buchstabenstruktur eines Lösungsworts, nutzen (so beim Anagramm, Logogriph, Palindrom). Angemerkt sei, dass Rätsel nicht nur Einzelbegriffe wie ‚den Hahn‘ oder ‚den Hund‘ verschlüsseln, sondern oft auch mehrere Begriffe zusammen (,die Schneeflocke und die Sonne‘) oder auch ganze Vorgänge (wie z. B. den Mord an Thomas Becket).1

So stellt das Aufgeben von Rätseln aus heutiger Sicht im Vergleich zur normalen Prüfungsfrage eine irreguläre Art des Prüfens dar, zumal Rätsel verschiedenste Textgestalten annehmen können (z. B. die eines Briefs, Berichts, Epigramms). Oft weisen sie keine explizite Frageform...

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