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Der imaginierte Ort, der (un)bekannte Ort

Zur Darstellung des Raumes in der Literatur

Series:

Anna Gajdis and Monika Manczyk-Krygiel

Die Monographie bietet einen Überblick über verschiedene Raumkonzepte der modernen Literaturforschung. Es werden Orte und Unorte, historische und gegenwärtige Regionen, mentale Räume der Kultur und Bildung, der Natur und Landschaften, die sich mit den Phänomenen der Exil- und Heimaterfahrung, Grenz- und Schwellenräume, Globalisierung, Migration und des Geschlechts auseinandersetzen, präsentiert. Die moderne Raumforschung ermöglicht auch, sowohl die Identitätskonstruktionen als auch die Zusammenhänge zwischen dem literarischen Subjekt und der anvisierten Raumkonstruktion zu erkunden. Der Band ist in drei Teile gegliedert, in denen unterschiedliche Räume von der Barockzeit bis zur Postmoderne in ihren geographischen, politischen, sozialen, kulturellen und virtuellen Varianten vom literarischen Individuum wahrgenommen werden.
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Zur Raumproblematik in Marlen Haushofers Roman Die Wand

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Abstract: Der Beitrag geht von einem Raumkonzept aus, das den Raum als gesellschaftlich konstituiert und subjektkonstituierend, als relativ und nicht absolut betrachtet, und konzentriert sich auf die Präsenz des Raumes im Bericht der Ich-Erzählerin im Roman Die Wand von Marlen Haushofer. Die Handlungen der Protagonistin werden als soziale Praktiken der Konstituierung eines neuen Raums gedeutet, dem die Funktionen eines Überlebensraums zugewiesen werden. Dadurch bleibt der Raum durchaus sozial konnotiert. Die Protagonistin stellt den Bezug zwischen ihrer früheren sozialen Erfahrung von etablierten Normen, Grenzen und Abhängigkeiten (bedingt vom Geschlecht, Alter, Bildung, Beruf etc.) und ihrer neuen Freiheit her. In ihrem Versuch, als soziales Wesen zu überleben, muss sie aber anstelle der abgelehnten alten Differenzen und Grenzen neue anerkennen und einführen. Im neu konstituierten Überlebensraum als Experimentierraum werden wichtige Erkenntnisse sichtbar und mitteilbar.

Keywords: Marlen Haushofer, Raum, Grenze, Raumkonstituierung, Sozialisierung des Raumes, soziale Praktiken, Sexualität, Desexualisierung, Intersektionalität, Differenz

Der Roman von Marlen Haushofer Die Wand wird bekanntlich zu Beginn der 80er Jahre im Zeichen der feministischen Re-Lektüre der von Frauen geschriebenen Literatur zum neuen Leben erweckt. In der Diskussion wird er durchaus nicht einheitlich bewertet, der Roman wird als rigorose Patriarchatskritik gelobt, aber auch als Reproduktion patriarchaler Denkweisen kritisiert. Diese Rezeptionslinien setzen sich auch in der Forschung jüngeren Datums fort. Mittlerweile liegen eine Menge Forschungsarbeiten vor, die sich dem Werk von verschiedenen Standpunkten aus annähern und neue Bedeutungsschichten erschließen.1

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