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Hybridisierung und Ausdifferenzierung

Kontrastive Perspektiven linguistischer Medienanalyse

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Edited By Stefan Hauser and Martin Luginbühl

Hybridisierung und Ausdifferenzierung sind zwei Prozesstypen, die für die massenmediale Textsortengeschichte von grundlegender Bedeutung sind: So werden für ein Medium neue Textmuster nicht von Grund auf neu entwickelt, sondern es werden oftmals Merkmale bereits existierender Textsorten übernommen, adaptiert und transformiert. In der Folge entstehen neue Textsorten, die entweder bestehende Textsorten ablösen und somit etablierte Kommunikationspraktiken ersetzen oder es kommt zu einer Ergänzung des bisherigen Textsortenrepertoires. In beiden Fällen ist es notwendig, die Aufmerksamkeit nicht nur auf einzelne, d.h. isoliert betrachtete Textsorten, sondern auch auf ganze Systeme von Textsorten zu richten; erst so werden die Auswirkungen von Hybridisierung und Ausdifferenzierung auf den «kommunikativen Haushalt» erkennbar.
Dieser Band vereinigt medienlinguistische Beiträge zu Fragen der Textsorten-Hybridisierung und Ausdifferenzierung im Bereich von Online-Medien (Online-Zeitungen und -Zeitschriften, Webforen, Facebook-Profilen, User-Kommentaren, Infografiken) und traditionellen Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen und Radio). Viele der Beiträge gehen auch medienvergleichend vor.
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Textsortenhybride beim Kommentar

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HARTMUTE . H. LENK

Der Kommentar erscheint regelmäßig in Tageszeitungen und öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogrammen. Er folgt dabei bestimmten Textmustern. Aus unterschiedlichen Gründen weichen Kommentator(inn)en vom Konventionellen ab. In Tageszeitungen erscheinen Kommentare gelegentlich als offene Briefe. Diese Mustermischung ist oft durch den politisch-diskursiven Kontext bedingt und dient der Aufmerksamkeitserregung. Als Gegentendenz bedient sich die traditionelle Presseschau in der Berliner Zeitung in teils ausgedehnten Teilen des Kommentarmusters. Im Hörfunksender Radio eins wird der tägliche Kommentar als scheinbares Live-Gespräch inszeniert. Die Dialogisierung kann hier als Anpassung an die Rezeptionserfordernisse des Mediums gesehen werden.

1. Zum Kommentar als journalistischer Darstellungsform

Die Textsorte Kommentar gehört zu den etablierten journalistischen Darstellungsformen nicht nur in deutschsprachigen, sondern auch in Zeitungen anderer Länder. Kommentare werden darüber hinaus auch in mehreren deutschen öffentlich-rechtlichen Radioprogrammen regelmäßig gesendet und gelegentlich in den TV-Nachrichtenmagazinen von ARD (Tagesthemen) und ZDF (heute-Journal) eingesetzt.1

Kommentare gelten in der Publizistikwissenschaft und Medienlinguistik gemeinhin als Hauptform meinungsbetonter Texte (vgl. Näheres dazu bei Lüger 2012, Lenk/Vesalainen 2012 und Lenk 2012a). Sie spielen eine wichtige Rolle in den persuasiven Beeinflussungsversuchen der Medien als politischen Akteuren (Eilders 2008).

Textlinguistische Beschreibungen des Kommentars in Tageszeitungen2 heben seine persuasive Funktion, den prinzipiell bewertenden Charakter und typische Textstrukturen hervor, wobei der argumentative Aufbau eine besondere Beachtung erfährt. Dies wird auch in der Ausbildung von Journalisten so gesehen: Schalkowski (2011: 19) fasst den Kommentar als Grundform der Kritik. In seinem...

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