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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVII. Jahrgang / 2015

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Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält elf Vorträge, die während der Tagung zum Thema Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld Mitte Juni 2015 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Sieben weitere Beiträge ergänzen das neue Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu anderen Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Wer ist Philarchus Grossus? Simplicianische Autorschaftsmachinationen im narrativen Hintergrund

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1.    Der Steckbrief und der blinde Fleck

In seinem Aufsatz „Die ,Zusammenfügung‘ der Simplicianischen Schriften. Bemerkungen zum Zyklusproblem“ von 1988, der nach wie vor Aufgaben für die Grimmelshausen-Forschung bereithält, gibt Jörg Jochen Berns für Philarchus Grossus den folgenden Steckbrief: Der Schweizer Philarchus Grossus zähle unter den sechs „perspektivensetzenden Romanpersonen“ zur Dreiergruppe der „mehr stadtbürgerlich orientierten“, die auch hinsichtlich der Faktur ihrer Namen zusammengehörten (nicht „pikaresk sprechend[]“, sondern „anagrammatisch konstruiert[]“).1 Er sei „trotz seines bombastischen Namens“ „eine schmächtige Seele“, worauf eben dieser als „sprechender Name, Koloritname, Programmname“ verweise: „ ,Philarchus‘ läßt sich mit ,Herrschaftsfreund‘ und ,Grossus‘ mit ,Groschen‘ oder auch ,der Gröbliche‘ übersetzen. Alle diese Namen passen zum devoten Verhalten des armen Lohnschreibers.“2 Anders als Courasche, Springinsfeld und der Kaufmann des zweiten Vogel-Nests gehöre er zu denjenigen „perspektivensetzenden Personen“, die nicht mittels eines Titelkupfers „ins Bild gesetzt“ werden; während Berns die drei portraitierenden Titelkupfer als „in ihrem Geltungsanspruch biographisch begrenzt“ wertet, seien die übrigen von grundsätzlicherem Gehalt.3 Das sind nun aber bemerkenswerterweise nicht mehr drei, ← 143 | 144 → sondern bloß noch zwei: die zum Abentheurlichen Simplicissimus und zum ersten Vogel-Nest. Philarchus Grossus ist in der synoptisch-vergleichenden Präsentation unvermerkt auf der Strecke geblieben.

Dieser Lapsus (falls es denn einer ist)4 scheint mir kein Zufall, sondem symptomatisch. Denn anders als die ändern Perspektivfiguren, die (mit Ausnahme Springinsfelds) in ihrer jeweiligen autobiographischen Erzählung den Vordergrund zu bespielen suchen, operiert Philarchus Grossus,...

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