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Musik und Theater in der Schweiz des 19. Jahrhunderts

Das Berner Hôtel de Musique und sein Umfeld

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Edited By Fabian Kolb and Klaus Pietschmann

1766 begründeten einige Mitglieder der Grande Societé de Berne die erste Aktiengesellschaft der Schweiz mit dem Ziel, ein Theater- und Konzerthaus zu errichten – dem bestehenden Theaterverbot zum Trotz. Das rasch fertiggestellte Hôtel de Musique fungierte zunächst als Ball- und Konzertsaal, bevor es ab 1800 zu einem regelmässigen Theaterbetrieb kam. Bis zur Eröffnung des Stadttheaters im Jahr 1903 blieb das Hôtel de Musique das Zentrum des bernischen Musik- und Theaterlebens.
Die Beiträge dieses Bandes beleuchten die Rolle des Hauses vor dem Horizont der Musik- und Theatergeschichte Berns und der Schweiz im 19. Jahrhundert. Im Zentrum stehen dabei Konzertwesen und Musikfestkultur der Aare-Stadt ebenso wie vor allem die dortige Opern- und Theaterpflege, inklusive einer umfassenden Dokumentation des Repertoires sowie sämtlicher Theater-, Opern-, Tanz- und Konzertaktivitäten am Hôtel de Musique Bern.
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„Herr Capellmeister Spor aus Wien, mit seiner Frau Gemahlin, Violin und Harfe, beyde vorzüglich“. Musikalische Spurensuche im Bern des frühen 19. Jahrhunderts

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EDITH KELLER

„Herr Capellmeister Spor aus Wien, mit seiner Frau Gemahlin, Violin und Harfe, beyde vorzüglich“

Musikalische Spurensuche im Bern des frühen 19. Jahrhunderts *

„Bern, die schönste der Schweizer Städte von denen, die wir bis jetzt sahen“, schrieb der 1784 in Braunschweig geborene Komponist, Violinvirtuose und Dirigent Louis Spohr anlässlich eines längeren Aufenthalts in der Schweiz im Frühjahr und Sommer 1816.1 Nachdem Spohr seine Anstellung als Kapellmeister am Theater an der Wien bereits im Februar 1815 wegen Unstimmigkeiten zugunsten einer ausgedehnten Konzert ← 11 | 12 → reise ins angrenzende Ausland aufgegeben hatte, gelangte er im April 1816, nach Auftritten in Basel und Zürich, nach Bern. Doch so sehr er die landschaftlichen Reize der Schweiz auch rühmte und im nahe des Thunersees gelegenen Dorf Thierachern gar den „schönsten Punkt der Erde“ gefunden zu haben glaubte,2 die eidgenössische Orchesterlandschaft beschrieb er weit weniger enthusiastisch: „Das Orchester ist hier [in Bern] noch schlechter wie in Basel und Zürich und das Publikum noch ungebildeter mit Ausnahme sehr weniger.“3 Diese harsche Kritik wird verständlich, wenn man das Musikleben des frühen 19. Jahrhunderts am Beispiel der künftigen Bundeshauptstadt etwas genauer betrachtet.

Das Orchester, dessen Qualität Spohr mit spitzer Feder bemängelte, war jenes der Musikalischen Gesellschaft, der späteren Bernischen Musikgesellschaft (BMG). Im November 1815 gegründet, bestand es fast ausschliesslich aus Dilettanten – wobei dem auch von Spohr in diesem Zusammenhang verwendeten...

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