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Jazz, pouvoir et subversion de 1919 à nos jours / Jazz, Macht und Subversion von 1919 bis heute

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Pascale Cohen-Avenel

Pour la première fois, un ouvrage scientifique étudie le jazz et ses relations avec le pouvoir dans plus de 6 pays francophones, germanophones et russophones. Il s’interroge sur la valeur subversive du jazz dans la quête identitaire de la jeunesse contestataire, sur son rôle dans la propagande d’Etat de l’Est comme de l’Ouest, et dans la définition de soi des élites et des artistes des années 1920 à nos jours. Résolument internationale, la perspective choisie est également pluridisciplinaire.
Diese Studie widmet sich als erste in diesem Gebiet dem Jazz und seinen Beziehungen zu den Machthabern der jeweiligen Staaten. Der Fokus liegt auf verschiedenen deutsch-, französisch- sowie russischsprachigen europäischen Ländern. Untersucht wird, wie subversiv der Jazz in der Identitätssuche der Jugend wirkt, sowie seine Rolle in der staatlichen Propaganda, und in der Selbstdefinition der Eliten und der Künstler von den 1920er Jahren bis heute. Die Perspektive dieses Buches ist sowohl international wie interdisziplinär.
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Le jazz et la jeunesse

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WOLFGANG LAMPRECHT

Erforschung medialer Geschichtsvermittlung (VGM)

Als ich noch den Luxus der Jugend für mich verbuchen durfte, das war in den 1970er Jahren, gehörten zu meinem bevorzugten Look – oder, wie man heute sagt, Style – schlabbrige Pullover, lässige Hosen, eine Frisur wie Jimi Hendrix, eine leicht gebückte Haltung und ein Gang, der das Gegenteil dessen symbolisierte, was meine Eltern mit dem übertriebenen Leistungswillen eines Ich-AG-CEOs gleichgesetzt hätten. „Du schaust aus wie ein Schlurf“, war ein Satz, den nicht nur ich oft in Zusammenhang mit einem besorgten Minenspiel meiner Erziehungsberechtigten zu hören bekam. Dieser Satz kam immer etwas abfällig daher und spielte auf Nachlässigkeit, Müßiggang oder Verkommenheit an. Jedenfalls auf etwas, was ein halbes Dezennium zuvor noch als Auszeichnung gegolten hatte: Die meisten Schlurfs der 1930er und 1940er Jahre kleideten sich nämlich sorgsam, legten Wert auf ihre langen Haare und waren keineswegs arbeitsscheu. Sie waren anders und wollten auch gar nicht so sein, wie die kurzgeschorenen Gleichaltrigen in den braunen Uniformen der HJ. Oder wie die echten deutschen Mädels des BDM.

Anders-Sein und die Liebe zum Jazz, das machte denn auch den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Schlurfs und mir aus. – Aber wie sollten meine Eltern das wissen? Sie hörten ja auch kaum Musik. Diese nun kann über ihre individuelle Funktion hinaus eine Gruppenintegrierung hervorrufen, die Zugehörigkeit zu einem bestimmten sozialen Umfeld, wie wir sie etwa in der Rock-, Punk- und Beat-Bewegung gefunden...

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