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Jazz, pouvoir et subversion de 1919 à nos jours / Jazz, Macht und Subversion von 1919 bis heute

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Edited By Pascale Cohen-Avenel

Pour la première fois, un ouvrage scientifique étudie le jazz et ses relations avec le pouvoir dans plus de 6 pays francophones, germanophones et russophones. Il s’interroge sur la valeur subversive du jazz dans la quête identitaire de la jeunesse contestataire, sur son rôle dans la propagande d’Etat de l’Est comme de l’Ouest, et dans la définition de soi des élites et des artistes des années 1920 à nos jours. Résolument internationale, la perspective choisie est également pluridisciplinaire.
Diese Studie widmet sich als erste in diesem Gebiet dem Jazz und seinen Beziehungen zu den Machthabern der jeweiligen Staaten. Der Fokus liegt auf verschiedenen deutsch-, französisch- sowie russischsprachigen europäischen Ländern. Untersucht wird, wie subversiv der Jazz in der Identitätssuche der Jugend wirkt, sowie seine Rolle in der staatlichen Propaganda, und in der Selbstdefinition der Eliten und der Künstler von den 1920er Jahren bis heute. Die Perspektive dieses Buches ist sowohl international wie interdisziplinär.
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Le jazz et les systèmes politiques

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RAINER BRATFISCH

In seinem Artikel „Die Tanzhalle des Berliner Westens“ aus dem Jahre 1925 beschreibt Herwarth Walden, der eigentlich Georg Lewin heißt, die „Verdeutschung“ des Jazz.1 Es lohnt sich, einen Blick auf die Geschichte des Wortes „Verdeutschung“ zu werfen. Der Begriff wird populär durch Martin Luthers Biblia. Das ist die gantze Heilige Schrifft, verteutscht durch Martinum Lutherum, erschienen 1522. 1642 gründet Philipp von Zesen in Hamburg eine Sprachgesellschaft namens Deutsch-Zunfft, die ein Jahr später in die Deutschgesinnte Genossenschaft übergeht. Diese Vereinigung setzt sich unter anderem das Ziel, die deutsche Sprache zu bewahren und Einflüsse durch Fremdwörter zu vermeiden. Im 17. Jahrhundert erfindet dann Philipp von Zesen, der sich auch Ritterhold von Blauen nennt, zahlreiche Verdeutschungen. Viele seiner Kreationen haben Bestand bis heute: zum Beispiel Bücherei für Bibliothek, Kreislauf für Zirkulation und Augenblick für Moment. Gut (oder nicht gut) – Dörrleiche für Mumie, Meuchelpuffer für Pistole und einige andere seiner Wortschöpfungen haben sich zum Glück nicht durchgesetzt. ← 113 | 114 →

Im 20. Jahrhundert sucht dann Martin Buber mit seinem Bibelübersetzungsprojekt Die Schrift. Verdeutscht. einen Kontrapunkt zur allgemeinen Übersetzungspraxis, indem er durch Festhalten an inneren Sprachstrukturen des Hebräischen eine deutsche Fassung eigenen Charakters schafft. Heute versteht man sprachwissenschaftlich unter Verdeutschen das bewusste Ersetzen von Fremdwörtern durch inhaltlich entsprechende deutsche Begriffe bzw. Begriffskombinationen in der deutschen Umgangssprache. 1966 richtet Frankreich auf Betreiben der Académie française ein Hochkomitee für die Verteidigung...

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