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Wissen als Gut

Ein Beitrag zur Grundlegung der sozialen Erkenntnistheorie

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Rainer Kamber

In der orthodoxen erkenntnistheoretischen Tradition ist der Begriff des Wissens mit dem der Wahrheit verknüpft und Wissen wird in hohem Masse individualistisch konzipiert. Individualistisch heisst, dass Wissen nicht von einem epistemischen Subjekt zum anderen weitergegeben werden kann. Die traditionellen Quellen des Wissens sind die Wahrnehmung, die Erinnerung und die Schlussfähigkeit und nur Wissensansprüche auf diesen Grundlagen gelten überhaupt als evaluationsfähig. Dadurch macht sich die orthodoxe Tradition vulnerabel für Skeptizismus und epistemische Paradoxien. In der vorliegenden Arbeit zeichnet der Autor die wesentlichen Linien der erkenntnistheoretischen
Orthodoxie im Zusammenhang mit der Zeugenschaft nach und diskutiert die gewichtigen Einwände gegen die entsprechenden Doktrinen. Auf der Grundlage einer neuartigen Gütertheorie des Wissens zeigt der Autor, inwiefern nicht bloss Zeugenschaft, sondern auch die klassischen erkenntnistheoretischen Kategorien wie Rechtfertigung und Berechtigung sozialen Gehalt haben.

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Kapitel 3: Die Güter epistemischer Individuen 99

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99 Die Güter epistemischer Individuen Erkenntnistheorie wurde in der Orthodoxie als normative Theorie konzi- piert im Hinblick auf die Bedingungen, die bestehen müssen, wenn Wis- sensansprüche begründet sein sollen. Zwar bestehen, z.B. in gewissen Varianten der externalistischen Epistemologie, auch nichtnormative Theoriekonzepte, die nur zu beschreiben beanspruchen, aufgrund wel- cher Prozesse wahre Meinungen produziert oder verbreitet werden. Aber allen Spielarten der Erkenntnistheorie liegt, wie ich meine, die Annahme zugrunde, dass Wissen, oder wahre Meinung, oder nichtzufällig wahre Meinung ein Gut repräsentiert. Ich betrachte es als eine axiologische Vorannahme jeder Erkenntnistheorie, dass Wissen, oder dessen explikatorischen Elemente, Güter sind. In diesem Kapitel geht es um die präzisere Bestimmung dieser allgemeinen Behauptung. Ich beginne die Diskussion mit der Erörterung der Frage, welche grundlegenden epistemischen Güter vorausgesetzt werden können und worin deren Wert für Personen besteht. Diese anthropologische Diskus- sion zeigt Möglichkeiten auf zu einer Erklärung des Güterstatus von Wissen und sie setzt vorerst nicht mehr voraus als die basale Tatsache, dass Wissen ein zusammengesetzter Gegenstand ist und begrifflich all- gemein mit nichtzufällig wahrer Meinung identifiziert werden kann. In einem nächsten Schritt werde ich auf jene spezifischeren epistemischen Güter eingehen, die in Erkenntnistheorien internalistischer und externalistischer Provenienz offenbar impliziert werden. Meine leitende Vermutung ist hier also, dass Erkenntnistheorien axiologische Voraus- setzungen haben und diese Vermutung werde ich in diesem Abschnitt auch zu untermauern suchen. Es soll hier insbesondere geklärt werde, ob Wissen selbst, als kompositer...

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