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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Edited By Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Der Friedensgruß von Kreisau 1989. Eine Geste als Versprechen

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Der Friedensgruß von Kreisau 1989

Eine Geste als Versprechen

Annemarie FRANKE & Dominik KRETSCHMANN

Am 20. November 2014 trafen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die polnische Premierministerin Ewa Kopacz in Kreisau/Krzyżowa, um in einem Festakt der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung1 den 25. Jahrestag der Versöhnungsmesse vom 12. November 1989 zu würdigen. Auf dem Programm des Staatsbesuches stand die Eröffnung der Ausstellung „Mut und Versöhnung“ über die Geschichte der deutsch-polnischen Aussöhnung, die das Museum der Geschichte Polens (Warschau) gemeinsam mit der Stiftung Kreisau auf dem Freigelände der Begegnungsstätte in Krzyżowa/Kreisau an diesem Tag eröffnete. Merkel und Kopacz ließen sich in der Ausstellung vor der übermenschlich großen Abbildung ihrer Vorgänger Tadeusz Mazowiecki und Helmut Kohl fotografieren. Mit der Bildunterschrift „Große Gesten“ druckte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ das Foto am folgenden Tag auf der ersten Seite2.

Zum Zeichen des Friedensgrußes während einer Heiligen Messe hatten sich am 12. November 1989 der polnische Premierminister und der deutsche Bundeskanzler umarmt. Der Gottesdienst ← 137 | 138 → wurde im Freien gefeiert, auf dem Gelände eines staatseigenen Guts in Kreisau/Krzyżowa, einem Dorf mit nicht mehr als 300 Einwohnern in Niederschlesien/Polen. Hauptzelebrant war der Bischof von Oppeln (Opole) Alfons Nossol. Es konzelebrierten der Weihbischof der Diözese Breslau (Wrocław) Tadeusz Rybak, der Ortspfarrer der Kreisauer Gemeinde Bolesław Kałuża, der Abt der Benediktinerabtei Maria Laach Adalbert Kurzeja...

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