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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Orte als Gedenkzeichen der Erinnerung und Versöhnung? Eine Einführung

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Orte als Gedenkzeichen der Erinnerung und Versöhnung?

Eine Einführung

Anna KAMINSKY

1.  Öffentliches Erinnern und lokales Gedenken

Wer heute durch europäische Städte und Dörfer reist, findet eine Vielzahl von Denkmälern und Erinnerungszeichen, die an historische Ereignisse oder Personen erinnern. Hier lässt sich wie an nur anderen wenigen Orten die Veränderung im öffentlichen Erinnern und Gedenken in den vergangenen 150 Jahren ablesen. Denkmäler, die z.B. im 19. Jahrhundert errichtet wurden, waren vornehmlich weltlichen und kirchlichen Herrschern, Heiligen, Künstlern oder bedeutenden Kriegsherren gewidmet. Die Erinnerung an historische Ereignisse bezieht sich auf gewonnene Schlachten oder Kriege wie z.B. die Napoleonischen Befreiungskriege oder den deutsch-französischen Krieg 1870/711. Erinnert wurden triumphal errungene Siege bspw. mit dem Denkmal für die Schlacht bei Trafalgar in London, mit der Siegessäule im ← 177 | 178 → Berliner Tiergarten (1864-1873) oder dem Arc de Triomphe in Paris (1806-1836 erbaut). Tafeln mit den Namen der Gefallenen dieser Kriege, die später mit den Namen der Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs ergänzt wurden, finden sich in vielen Kirchen. Auf Friedhöfen wurden für die Toten, die zumeist in anonymen Massengräbern fernab ihrer Heimatorte begraben wurden, symbolische Grabmale aufgestellt. Sie dienten der Totenehrung und der Erinnerung an die heldenhaften Krieger, die ihr Leben dem Vaterland geopfert hatten2.

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