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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Die „Aktion Sühnezeichen“ (Friedensdienste) als deutsch-protestantische Versuch(ung) von Versöhnung mit den Opfern des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust

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Anton LEGERER

1.  (Be-)Gründungskontext 1945-1956

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs offenbarte sich den Vertretern der Evangelischen Kirchen in Deutschland nach dem Verdrängen der NS-kompatiblen Deutschen Christen aus den kirchlichen Positionen ein Desaster, ein Bild der totalen Zerstörung: nicht nur ganze Städte und Kirchengemeinden waren zerstört und die Einwohner Deutschlands, aufgeteilt in zwei Hemisphären – West und Ost – darbten im Trümmerfeld, deutsche Vertriebene aus dem Osten galt es zu integrieren – und nicht zuletzt das Vertrauen innerhalb der internationalen Evangelischen Bewegung war durch den nationalsozialistischen Zerstörungskrieg verloren gegangen. Zwischen der alten Größe der Evangelischen Kirchen in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit standen unermessliche Schuld und die Frage nach der Schuld von Kirchen und Kirchenführern – und die unbearbeitete und unbewältigte Schuld „des deutschen Volkes“. ← 407 | 408 →



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