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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“

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Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

„Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“

Nils KÖHLER

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich im Auftrag der Bundesregierung seit 1952 der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Im Inland sind die Kommunen in Zusammenarbeit mit dem Bund und den Ländern für die Pflege der Gräber verantwortlich, hier ist der Volksbund vielfach beratend tätig.

Seine Ursprünge lassen sich jedoch auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurückverfolgen, so dass seine fast 100jährige Geschichte die einzigartige Gelegenheit bietet, sich den unterschiedlichen Konjunkturen des Gedenkens an die deutschen Kriegstoten unter verschiedenen politischen Regimen zu nähern. In Deutschland zeichnen sie sich u.a. durch Aushandlungsprozesse zwischen politischen Instanzen und gesellschaftlichen Kräften aus. Die tausendfachen deutschen Kriegsgräber im Ausland nach den beiden Weltkriegen machen den Volksbund jedoch zugleich zu einem transnationalen Akteur, der gerade nach dem Zweiten Weltkrieg einen Weg finden musste und wollte, um zur „Versöhnung über den Gräbern“ beizutragen und mit seiner Arbeit friedensfördernd zu wirken. Wie sowohl innergesellschaftliche als ← 425 | 426 → auch transnationale Diskussionen den Volksbund immer wieder bewegten, seine Gedenkpraxis zu überdenken, soll im Mittelpunkt dieses Beitrages stehen. Die Fokussierung auf die Zeit nach 1945 dokumentiert dabei die Entwicklung des Gedenkens, die wiederum den schwierigen Umgang der Deutschen mit...

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