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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Das Museum Berlin-Karlshorst. Deutsch-russische Zusammenarbeit am historischen Ort

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Das Museum Berlin-Karlshorst

Deutsch-russische Zusammenarbeit am historischen Ort

Jörg MORRÉ

Die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch den deutschen Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel am 8./9. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst gehört zu den bekanntesten Erinnerungsorten des Zweiten Weltkrieges. Durch dieses Ereignis erlangte dieser Ortsteil der Reichshauptstadt Weltberühmtheit, genauso wie das Gebäude des in den 1930er Jahren errichteten Offizierskasinos der Wehrmachtspionierschule. So stand bzw. steht quasi logischerweise der im alten Zustand erhaltene Kapitulationssaal im Mittelpunkt des 1967 von der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland geschaffenen „Museums der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands im Großen Vaterländischen Krieg“ wie des heutigen Museums Berlin-Karlshorst, der dem Besucher die historische Dimension des Ortes vermitteln will.

Nach einem Rückblick auf das Gebäude bzw. Museum zu Zeiten der DDR will der nun folgende Beitrag seinen Schwerpunkt auf die Zeit nach 1990/91 legen, begannen doch bereits parallel zum Prozess der deutschen Wiedervereinigung Überlegungen, wie das sowjetische Militärmuseum weiterhin bestehen könne. Durch den Abzug sowjetischer Truppen aus Deutschland stand seine weitere Existenz in Frage, doch gelang es in einem längeren Prozess ← 481 | 482 → deutsch-sowjetischer bzw. deutsch-russischer Annäherung, das Museum institutionell auf eine neue Basis zu stellen und es im Mai 1995 mit einer grundlegend neuen Konzeption wiederzueröffnen. Auf den folgenden Seiten soll daher der Frage nachgegangen werden, auf welche Weise es in den vergangenen Jahren möglich war, diesen historischen Ort des Kriegsendes in Europa in eine Form institutionalisierter Vers...

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