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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Nach dem XI. Plenum des ZK der SED von 1965

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Wolf Biermanns Dilemma I Seitdem es Biermann gibt, gibt es einen „Fall Biermann“. Von Anfang an war dieser Mann mehr als ein bloßes Enfant terrible, ein unbequemer Liedersänger oder ein kommunistischer Troubadour, der einen Skandal nach dem anderen auslöste. Daher nimmt es nicht wunder, dass die Fakten seines Lebens und seiner literarischen „Karriere“ weitgehend bekannt sind: Geboren 1936 in Hamburg, Vater als jüdisches KPD-Mitglied in Auschwitz ermordet, 1953 als Siebzehnjähriger „Republikf lucht“ in die DDR, Studium der Politökonomie und Philosophie, Regieassistent beim Brecht-Ensemble, 1961 Gründung des Berliner Arbeiter- und Studententheaters, das 1963 vom Staat wieder aufgelöst wurde, im gleichen Jahr Aberkennung der Par- teikandidatur, ab Sommer 1965 Auftrittsverbot in der DDR, Herbst 1965 Veröf fentlichung der Drahtharfe beim Wagenbach-Verlag in Westberlin, Mitte Dezember 1965 XI. Plenum des ZK der SED in Ostberlin, auf dem Biermann als einer der Hauptsündenböcke innerhalb der „skeptizistischen Intelligenzia“ abgestempelt wurde. Auch das, was darauf folgte, ist bereits eine „alte Geschichte“. In der DDR wurde seine Person seit Februar 1966 konsequent totgeschwie- gen. Relativ zurückgezogen lebend, gehörte Biermann zu den wenigen Opfern des Xl. Plenums, die man nicht wieder rehabilitierte. Wer ihn hören wollte, musste ihn in der Ostberliner Chausseestraße 131 aufsu- chen, da ihm jedes öf fentliche Auftreten untersagt war. Dagegen setzte im sogenannten „Westen“ – wie nicht anders zu erwarten – die übliche Erfolgswelle ein, die damals allen „Opfern von drüben“, von Reiner Kunze bis zu Christa Wolf, zugute kam....

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