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«Dass Hämmer und Herzen synchron erschallen»

Erkundungen zu Heimat in Literatur und Film der DDR der 50er und 60er Jahre

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Sylvia Fischer

Dieses Buch beleuchtet Manifestationen des Topos «Heimat» in Romanen, Spiel- und Dokumentarfilmen aus den ersten zwei Jahrzehnten der DDR. Heimat bzw. Heimatsuche wird als kulturanthropologisches Konzept eingeführt, welches sich als ein individuelles, menschliches Grundbedürfnis ausprägt. Die Autorin untersucht die Spannungen, die zwischen diesem individuellen Unterfangen und dem Konzept einer objektiven, sozialistischen Heimat, wie sie in der DDR definiert wurde, entstanden. Obwohl es ein Kernideal war, Individuum und Gesellschaft zu harmonisieren, konnten diese Spannungen in der DDR dennoch nie vollständig gelöst werden.
In Werken von Autoren wie Hans Marchwitza, Anna Seghers, Karl-Heinz Jakobs und Werner Bräunig sowie von Filmemachern wie Kurt Maetzig, Winfried Junge und Konrad Wolf untersucht die Autorin die jeweiligen Heimatkonzepte und zeigt unterschiedliche ästhetische und thematische Herangehensweisen auf, die Konflikte zwischen individueller und staatlich-gesellschaftlicher Heimatsuche darzustellen. Diese reichen von Bejahung und Enthusiasmus aus den Anfangsjahren der Republik, über das (An-)Erkennen von Konflikten und Missverhältnissen in der sozialistischen Gesellschaft zu Beginn der 60er Jahre, bis hin zu Trauer und zum Abschied von der Utopie, insbesondere nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Jahr 1965.
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Kapitel 2: „Heute bauen wir uns diese Heimat selber“. Betriebsliteratur der 50er Jahre

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KAPITEL 2

„Heute bauen wir uns diese Heimat selber“.1 Betriebsliteratur der 50er Jahre

Literarische und kulturpolitische Entwicklungen in der SBZ/DDR seit 1945

Die Kulturpolitik der DDR, insbesondere das Verhältnis zwischen Künstlern und Staat, hat sich stets zwischen Phasen der Restriktion und solchen größerer künstlerischer Freiräume hin- und her bewegt. Das kulturpolitische Klima der ersten Hälfte der 50er Jahre gehörte zu den restriktiven Phasen, es wurde u.a. durch die Formalismusdebatte der Jahre 1951 bis 1953, die Beschlüsse zum planmäßigen Aufbau des Sozialismus auf der 2. Parteikonferenz der SED im Jahr 1952 sowie durch die ersten Zwei- bzw. Fünfjahrespläne der Wirtschaft, 1949–1951 und 1951–1955, beeinflusst. Der Arbeiterstreik am 17. Juni 1953 in Berlin (Ost) und anderen Städten der DDR und der Tod Stalins im März 1953 waren einschneidende politische Ereignisse, die ihrerseits eine starke Wirkung auf die Kulturpolitik hatten. Diese Phase des künstlerischen Schaffens, das „Stalinistische Modell des sozialistischen Realismus“ (Greiner 62), lehnte sich an ein Modell von Literatur und Kunst an, welches auf dem 1. Allunionskongress der Schriftsteller 1934 in der Sowjetunion ausgerufen worden war.2 Dieses Modell, im Ursprung als literarischer Überbau der kommunistischen Volksfrontpolitik ab Mitte der 30er Jahre entwickelt (und damit die proletarisch-revolutionäre Literatur ← 33 | 34 → der 20er und 30er Jahre ablösend), stellte den arbeitenden Menschen, den „Helden der Arbeit“ als Vorreiter und Erfüller gesellschaftlichen Fortschritts in den Mittelpunkt der...

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