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W.G. Sebalds «Nach der Natur»

Eine Analyse

Series:

Andrea Fieler

W.G. Sebalds Nach der Natur. Ein Elementargedicht wurde 1988 mit sechs schwarz-weiß Fotografien des Münchener Künstlers Thomas Becker publiziert. Erst Sebalds spätere Werke Schwindel. Gefühle (1990), Die Ausgewanderten. Vier lange Erzählungen (1992), Die Ringe des Saturn. Eine englische Wallfahrt (1995) und Austerlitz (2001) erregten die Aufmerksamkeit der kritischen Öffentlichkeit. Jedoch handelt es sich bei Nach der Natur – im handwerklichsten Sinne – um das Meisterstück des Autors.
Dieses Buch setzt sich in einer konkreten und textnahen Betrachtung mit dem Gedicht Nach der Natur auseinander. Im speziellen hat es sich diese Arbeit zur Aufgabe gemacht, die unzähligen – teils versteckten, teils offensichtlichen – Hinweise, die Sebald in das Gedicht eingebaut hat, literarisch einzuordnen und zu erläutern. Die Analyse folgt dabei der Chronologie des Gedichts. Zusätzlich sind die sechs Bilder von Thomas Becker, die Teil der ursprünglichen Publikation von Nach der Naturwaren, hier reproduziert.
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Vorwort: Max

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Winfried Georg Sebald, der den Spitznamen Max bevorzugte, erblickte am 18. Mai 1944 das Licht der Welt. Zusammen mit zwei Schwestern, der drei Jahre älteren Gertrud und der sieben Jahre jüngeren Beate, wuchs er als mittleres Kind in dem Luftkurort Wertach im Allgäu am Rande der Alpen auf.

Sein Vater Georg kam ursprünglich aus dem Bayrischen Wald und war gelernter Schlosser. 1929 trat er in die Reichswehr ein und lernte Rosi Egelhofer in Wertach während eines Skilagers seiner Kompanie kennen. Im November 1936 traten sie dann in Wertach in den Stand der Ehe ein. Drei Jahre später wurde der Vater zum Polen-Feldzug einberufen. Wegen einer Knochenentzündung wurde er nach Frankreich verlegt, von wo aus er – nun Hauptmann – 1945 via Basel die Grenze zu überschreiten versuchte. Er wurde jedoch festgenommen und lebte bis 1947 in französischer Kriegsgefangenschaft. Georg diente bis 1971, zuletzt als Oberstleutnant, in der Bundeswehr. Der Vater lernte seinen einzigen Sohn folglich erst in dessen drittem Lebensjahr kennen. Wie tief, bis in die fragile Frage der Identität, das kafkaeske Gefühl der Entfremdung vom eigenen Vater bei Sebald reichte, zeigt sich bereits in der Bevorzugung des selbst erfundenen Namens Max gegenüber der grundsätzlichen Ablehnung seiner eigentlichen Vornamen Winfried und Georg. Eine bessere Beziehung hatte Sebald zu seiner Mutter Rosi und deren Eltern, Theresia, geb. Harzenetter, und Josef Egelhofer, der als gelernter Schmied bis zu seiner Pensionierung Gendarm im Dorf war. Die Egelhofers hatten 1905 geheiratet,...

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