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Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

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Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

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5. Der moderne Orient als terra incognita – Reise und Identität

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5.   Der moderne Orient als terra incognita – Reise und Identität

Die Reise wird häufig mit dem menschlichen Reifungsprozess und Werdegang gleichgesetzt. Man findet schon in der Alltagssprache eine Unmenge von Weg- Metaphern wie z. B. „neue Wege einschlagen“, „in Bewegung setzen“, „Fortschritt“, „Ausweg“, „abwegig“ – um nur einige zu nennen. Selbst das Wort „Reisen“ hat ältere sprachliche Wurzeln als man vermuten könnte. Das mittelhochdeutsche Wort „risen“756 bedeutet so viel wie: Fahrt, Aufbruch, Unternehmen. Genauso alt wie die Entstehungsgeschichte des Wortes „Reisen“ sind Reisevorstellungen, in denen die Reise mit einem anstrengenden, leidvollen und mühsamen Prozess verglichen wurde.757 Jede richtige Reise sollte kontrastreich sein und als Sinnbild sowohl für Gefahr und Wagnis, als auch für Probe und Versuch gelten. Ein Mensch, der viel reiste und wanderte, sollte Lebensklugheit gewinnen und Erfahrung sammeln – er war „bewandert“, was ursprünglich einen Menschen, der viele Orte besuchte, bezeichnete758, und der als klug betrachtet wurde. Reisen wurden allmählich als eine unschätzbare Quelle der Weisheit betrachtet und, um Reisenden ihre strapaziöse Wanderungen zu erleichtern und ihre Reiseerfahrungen nicht dem Zufall zu überlassen, hat man das Reisen zu einer Kunst (lat. Ars Apodemica)759 erhoben. Für Schwarzenbach, Brochett, Tomerius, Weiss, Lubomirski, Remus, Altmann und Kusserow bleibt das Reisen eine Kunst und eine philosophische Tätigkeit. ← 197 | 198 →

5.1   Reise in den Orient als philosophische Tätigkeit

Die Reise beginnt immer wieder neu. Genauso wie die Existenz. Die Reise...

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