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Geschichtsdidaktik in der Diskussion

Grundlagen und Perspektiven

Series:

Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der Sammelband diskutiert Ausrichtung, zentrale Kategorien sowie Kontroversen der Geschichtsdidaktik. Auch wenn die Begriffe Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historisches Erzählen fest im Diskurs verankert sind, stehen sie wieder unter kritischer Inspektion. Mit den Kontroversen über Kompetenzmodelle historischen Denkens und Modellierungen historischen Wissens sowie den Debatten über „guten" Geschichtsunterricht oder das Verhältnis von Sprache und historischem Lernen sind weitere wichtige Diskussionsfelder hinzugekommen. Mit Blick auf diese Kategorien und Kontroversen ziehen die Beiträge des Buchs Bilanz, eröffnen neue Perspektiven und schlagen Brücken zu anderen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft.

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Diskussionszusammenfassung zum Vortrag von Jörn Rüsen

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Die dem Vortrag von Jörn Rüsen folgende Diskussion kreiste in einer ersten Phase vor allem um seine Kritik an der gegenwärtigen Praxis und Ausrichtung des Geschichtsunterrichts. Bemängelt hatte er in seinem Vortrag die in der Auseinandersetzung mit Geschichte fehlende geistige Klammer in Form „einer kulturübergreifenden Entwicklungsrichtung der Humanisierung des Menschen“.1 Ohne diese fehle „im Geschichtsunterricht der große innere Zusammenhang der Weltgeschichte“.2 In der Diskussion ergänzte er diesen Kritikpunkt um die Forderung danach, dass im Geschichtsunterricht (und nicht nur dort) gelernt werden müsse, ambivalent, widersprüchlich und komplex zu denken, da die Geschichte, die historische Erfahrung, eben genau so sei: ambivalent, widersprüchlich und komplex. Helmut Kohl sei in diesem Denkprozess offenbar an seine Grenzen gestoßen, so Rüsen, als dieser den 9. November aufgrund seiner historischen Ambivalenz – unter anderem als Jahrestag des Mauerfalls und zugleich des Beginns der Novemberpogrome – dem deutschen Volk als „Nationalfeiertag“ nicht zugetraut habe. Diese Entscheidung, so Rüsen weiter, sei zu bedauern, da sich in diesem Beispiel doch nur allzu gut zeige, dass Geschichte eine ambivalente Erfahrung sei, aus der sich Humanisierungspotenzial entwickeln ließe.

Diese Grundsatzkritik Rüsens wurde von anwesenden Praxisexperten einerseits bekräftigt, andererseits – in der wie vorgebracht umfassenden Form – auch entschieden abgelehnt, indem auf aktuelle Veränderungen und Fortschritte in der Lehrplan- und Schulbuchentwicklung verwiesen wurde. So gebe es etwa Versuche, mit dem klassischen, für den Geschichtsunterricht typischen, chronologischen Durchlauf zu brechen oder sich zum Beispiel...

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