Show Less
Restricted access

Geschichtsdidaktik in der Diskussion

Grundlagen und Perspektiven

Series:

Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der Sammelband diskutiert Ausrichtung, zentrale Kategorien sowie Kontroversen der Geschichtsdidaktik. Auch wenn die Begriffe Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historisches Erzählen fest im Diskurs verankert sind, stehen sie wieder unter kritischer Inspektion. Mit den Kontroversen über Kompetenzmodelle historischen Denkens und Modellierungen historischen Wissens sowie den Debatten über „guten" Geschichtsunterricht oder das Verhältnis von Sprache und historischem Lernen sind weitere wichtige Diskussionsfelder hinzugekommen. Mit Blick auf diese Kategorien und Kontroversen ziehen die Beiträge des Buchs Bilanz, eröffnen neue Perspektiven und schlagen Brücken zu anderen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft.

Show Summary Details
Restricted access

Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur

Extract



1.   Vorbemerkungen

Die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2009 bedeutet für die hierzulande schon etwas länger geführte Inklusionsdiskussion zweifellos eine Zäsur, denn diese Entscheidung hat nicht nur die Grundlagen des Bildungsrechts verändert, sondern wird auch Konsequenzen für die Organisation des Schulwesens und den Unterricht in den einzelnen Fächern nach sich ziehen. Ob das Inklusionsgebot für die wissenschaftliche Geschichtsdidaktik einem Paradigmenwechsel gleichkommt oder ob es – weniger dramatisch – als He­rausforderung wahrgenommen und anerkannt wird,1 mag man vielleicht noch als akademische Frage abtun, aber wenn die Fundamentalkategorie Geschichtsbewusstsein – wie offenbar jüngst in einer geschichtsdidaktischen Sektion des Göttinger Historikertags geschehen – als „exkludierend“ eingestuft und damit letztlich zur Disposition gestellt wird,2 dann geht das an die disziplinären Geschäftsgrundlagen. Ist das Konzept Geschichtsbewusstsein ein unzeitgemäß gewordenes Inklusionshemmnis, das man tunlichst aus dem Weg räumen und durch geeignetere Konzepte ersetzen sollte, oder sind in ihm Rationalitätspozentiale aufgehoben, die keinesfalls leichtfertig ← 41 | 42 → preisgegeben werden dürfen, sondern die es im Gegenteil – gerade auch durch Einspeisung in die Debatte um inklusives historisches Lernen3 – weiter zu kultivieren gilt? Es gibt gute Gründe, sich für die letztere Position zu entscheiden, wie die folgenden Ausführungen über „Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur“ zeigen werden.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.