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Geschichtsdidaktik in der Diskussion

Grundlagen und Perspektiven

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Edited By Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der Sammelband diskutiert Ausrichtung, zentrale Kategorien sowie Kontroversen der Geschichtsdidaktik. Auch wenn die Begriffe Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historisches Erzählen fest im Diskurs verankert sind, stehen sie wieder unter kritischer Inspektion. Mit den Kontroversen über Kompetenzmodelle historischen Denkens und Modellierungen historischen Wissens sowie den Debatten über „guten" Geschichtsunterricht oder das Verhältnis von Sprache und historischem Lernen sind weitere wichtige Diskussionsfelder hinzugekommen. Mit Blick auf diese Kategorien und Kontroversen ziehen die Beiträge des Buchs Bilanz, eröffnen neue Perspektiven und schlagen Brücken zu anderen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft.

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Diversität und Intersektionalität als Konzepte der Geschichtsdidaktik

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1.   Die gesellschaftliche Dimension von Geschichtsbewusstsein

„Die Kluft zwischen arm und reich vertieft sich, Frauen verdienen nach wie vor deutlich weniger als Männer, Nicht-Heterosexuelle werden immer noch als von der Norm Abweichende stigmatisiert, Kinder mit Migrationshintergrund haben selbst in zweiter und dritter Generation deutlich schlechtere Bildungschancen als Einheimische, Alte und Kranke schauen vom gesellschaftlichen Rand in die Mitte, wo Junge und Gesunde sich zu behaupten versuchen. Diese Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.“2

Man mag diese konkrete Gegenwartsdiagnose von Gabriele Winkler und Nina Degele aus dem Jahr 2009 teilen oder auch nicht, unstrittig scheint aber: Geschichtsunterricht findet in Deutschland – und vermutlich auch überall sonst auf der Welt – in einer Gesellschaft statt, die durch Heterogenität und soziale Ungleichheiten geprägt wird. Soziale Kategorien wie Race, Class und Gender und Parameter wie Alter, sexuelle Identität oder Körper (viele weitere sind denkbar) bestimmen, welche Position wir in der Gesellschaft einnehmen. Sie legen fest, mit welchen Identitätskonzepten wir uns selbst beschreiben und von anderen beschrieben werden. ‚Gesellschaft’ mit ihren machtvollen Mechanismen von Ausgrenzung, Integration und Teilhabe ist dabei weit mehr als eine bloße Kulisse für Geschichtsunterricht, vor deren Hintergrund auf beliebige Weise historisch gelernt werden kann. Sie spannt diejenigen Lebenswelten auf, aus denen heraus Schüler/-innen den Erfahrungsraum Geschichte betreten, um die gegenwärtige Gesellschaft in ihrer Gewordenheit zu verstehen und um sich für ihre individuell-gesellschaftliche Zukunft orientieren zu können. ← 69 | 70 → Gesellschaft ist also der konkrete...

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