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Geschichtsdidaktik in der Diskussion

Grundlagen und Perspektiven

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Edited By Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der Sammelband diskutiert Ausrichtung, zentrale Kategorien sowie Kontroversen der Geschichtsdidaktik. Auch wenn die Begriffe Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historisches Erzählen fest im Diskurs verankert sind, stehen sie wieder unter kritischer Inspektion. Mit den Kontroversen über Kompetenzmodelle historischen Denkens und Modellierungen historischen Wissens sowie den Debatten über „guten" Geschichtsunterricht oder das Verhältnis von Sprache und historischem Lernen sind weitere wichtige Diskussionsfelder hinzugekommen. Mit Blick auf diese Kategorien und Kontroversen ziehen die Beiträge des Buchs Bilanz, eröffnen neue Perspektiven und schlagen Brücken zu anderen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft.

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Historische Urteilsbildung. Theoretische Klärung und empirische Besichtigung

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1.   Einleitung

Der Begriff „historische Urteilsbildung“ ist relevant und mehrdeutig zugleich. In der Geschichtstheorie sowie in den bildungsadministrativen Vorgaben des Geschichtsunterrichts nimmt die „historische Urteilsbildung“ eine herausragende Stellung ein. Man kann sagen, dass es sich um das Herzstück des Faches Geschichte handelt. Das gilt sowohl für die empirische Fachwissenschaft als auch für den Geschichtsunterricht. Historiker/-innen sollen historische Phänomene erklären. Schüler/-innen sollen im Geschichtsunterricht historische Urteilskompetenz erwerben – das lässt sich mit Blick auf die Schnittmenge aller curricularer Anforderungen festhalten.

Bei genauerem Hinsehen jedoch zeigt sich, dass der Begriff der „historischen Urteilsbildung“ sowohl in der Geschichtstheorie als auch in der geschichtsdidaktischen Theorie unterschiedlich definiert ist. „Historische Urteilsbildung“ meint in Abhängigkeit von den jeweiligen geschichtstheoretischen Prämissen etwas Unterschiedliches. Damit ist das erste Anliegen dieses Beitrags dargestellt und zugleich der Aspekt „theoretische Klärung“ des Titels erläutert. Das zweite Anliegen zielt auf die normativen Vorgaben für den Geschichtsunterricht. Es ist zu zeigen, mit welchem Urteilsbegriff in den Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Geschichte (EPA), den Kerncurricula (KC), den Schulgeschichtsbüchern und in den Zentralabiturprüfungen Geschichte operiert wird. Das ist unter „empirischer Besichtigung“ zu verstehen. Beide Anliegen sind im Kern deskriptiver Natur. In der Zusammenschau der Befunde werden am Ende Konsequenzen für die Verwendung des Begriffs „historische Urteilsbildung“ formuliert.

2.    Theoretische Klärung – Begriffsexplikation „Urteilsbildung“

Was ist „Urteilsbildung“? Rudolf Carnap hat mit der „Begriffsexplikation“ ein Verfahren entwickelt, das für...

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