Show Less
Restricted access

Lexikon der Science Fiction-Literatur seit 1900

Mit einem Blick auf Osteuropa

Edited By Christoph F. Lorenz

Das Lexikon enthält Informationen über Biographie, Werkanalyse und bibliographische Angaben wichtiger Autoren der deutschsprachigen «Fantasy» und Science Fiction im 20. und 21. Jahrhundert. Überblicksartikel befassen sich darüber hinaus mit Fragen des Genres, deutscher Literatur vor und nach 1945, skandinavischen Werken seit 1900, osteuropäischen Werken und angloamerikanischer Fiktion.

Show Summary Details
Restricted access

Science Fiction in Osteuropa (Matthias Schwartz)

Extract

| 125 →

Matthias Schwartz

Science Fiction in Osteuropa

Vorbemerkung

Eine Geschichte der Science Fiction Osteuropas zu schreiben, birgt immer das Risiko einer Verkürzung und Verzerrung der Zusammenhänge. Auch die geographische Zuordnung ist umstritten – wo endet die Mitte und beginnt der Osten Europas? Vornehmlich die in der Sowjetunion gut sieben Jahrzehnte, in den Ländern ihres Einflussbereichs nach 1945 ein halbes Jahrhundert andauernde Etablierung eines sozialistischen Gesellschaftsmodells begründet ihre Spezifik. Hinzu kommt, dass für die meisten Nationalliteraturen noch profunde Übersichts- und Grundlagendarstellungen fehlen, die nicht durch die Interpretationsmuster des Kalten Krieges geprägt sind. So habe ich mich auf die wesentlichen Entwicklungsschritte der russischen bzw. sowjetischen und polnischen Science Fiction beschränkt, mit wenigen Ausblicken auf tschechische, ungarische und bulgarische Besonderheiten, wissend, dass diese Zusammenschau problematisch ist.1

1. Die Anfänge zwischen Staatsutopie, Gesellschaftssatire und Fin de Siècle

Die Anfänge der osteuropäischen Science Fiction lassen sich wie in der westlichen Welt auch auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts datieren, die von unterschiedlichen Traditionslinien älterer Literaturgattungen beeinflusst waren. Die Voraussetzung hierfür war eine sich rapide beschleunigende Modernisierung und Industrialisierung der Güterproduktion, die Dominanz eines zunehmend populärwissenschaftlich geprägten Zeitgeistes und die Etablierung eines kommerziellen Buchmarktes. Innerhalb der Grenzen des russischen Zarenreichs wirkte sich diese Entwicklung allerdings erst mit den Reformen unter Zar Alexander II. in den 1860er Jahren aus, als sowohl ökonomisch als auch politisch durch die Lockerung der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.