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Imitat, Zitat, Plagiat und Original in Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit

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Edited By Andreas Beck and Nora Ramtke

Dieser Sammelband lotet die facettenreiche Praxis des Imitats, Zitats, Plagiats sowie der Herstellung von ‚Originalen‘ in Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit aus. Die versammelten Fallstudien behandeln nicht nur Gegenstände germanistischer Literaturwissenschaft, sie bewegen sich auch auf dem Gebiet anderer Philologien sowie im Bereich von Malerei, Architektur und Druckgraphik. Ihr gemeinsames Anliegen ist, die Epoche der Frühen Neuzeit von ihr eigentümlichen Organisationsformen des künstlerischen Materials her in den Blick zu nehmen. So leistet der Band einen Beitrag zu einer Literatur- und Kulturgeschichte als einer Geschichte künstlerischer Verfahren. Auf einer beiliegenden CD ergänzt eine elektronische Edition der rekonstruierten Originalfassung des ‚Trophaeum Mariano-Cellense‘ den Band.

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Menschendiebstahl, Textdiebstahl: Musai als Kronzeuge im Plagiatsfall Greifnson gegen Zesen? (Nicola Kaminski)

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Nicola Kaminski

Menschendiebstahl, Textdiebstahl: Musai als Kronzeuge im Plagiatsfall Greifnson gegen Zesen?

Laut Philipp Theisohns 2009 unter dem Titel Plagiat erschienener „unoriginelle[r] Literaturgeschichte“ ist der Tatbestand des Plagiats durch den Textdiebstahl als solchen, durch das schiere Abschreiben fremden Texts unter der Vorspiegelung eigenen Texts, noch nicht erfüllt. „Zu einem Plagiat gehören“ vielmehr, so die erste Leitthese von Theisohns Darstellung, „immer drei Beteiligte: ein Plagiierter, ein Plagiator und die Öffentlichkeit.“ „Plagiate entstehen dadurch“, so spezifiziert die zweite in Richtung auf deren narrativen Status, ihre genuine Literarizität, „dass man sich von ihnen erzählt.“ Und die dritte These schließlich attestiert der so entstehenden Plagiatserzählung Reflexivität: „Plagiate verhandeln grundsätzlich ein ‚inneres‘ Verhältnis von Text und Autor.“1 Konstitutiv für den Tatbestand des Plagiats ist demnach sein Manifestwerden in der Rezeption sowie, daraus resultierend, ein Darüber-Reden, ein Zur-Rede-Stellen; eine Szene wird gemacht, Anklage erhoben, deren Verhandlungsgegenstand, so möchte ich es zuspitzen, ein ‚inneres‘ Verhältnis nicht nur zwischen Text und ‚dem‘ Autor des Textes ist, sondern eine mehrstellige Relation: zwischen Text und Plagiiertem (Autor1) und zwischen demselben Text und seinem Plagiator (Autor2). Ich beginne bei einer solchen Anklageszene.

1672 erscheint unter dem Autornamen Michael Rechulin von Sehmsdorff ein Text, der den Titel trägt: Das wunderbarliche Vogel-Nest / Der Springinsfeldischen Leyrerin / Voller Abentheurlichen / doch Lehrreichen Geschichten / auf Simplicianische Art sehr nutzlich und kurtzweilig zu lesen.2←173 | 174→ Darin berichtet der Ich-Erzähler, der...

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