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Erinnerung als Mobilisierungsressource im Vorfeld ethnisierter Gewaltkonflikte

Das Beispiel Nordossetien – Inguschetien, 1989–1992

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Dana Jirouš

Die Autorin untersucht Erinnerungsprozesse im Vorfeld der Konflikteskalation im Prigorodnyj Rajon (Nordossetien). Geschichte und Erinnerung sind in den meisten Gesellschaften umkämpft: sie werden zu Konfliktgegenständen und sie dienen Konfliktakteuren als Argumente für ihre jeweiligen Positionen. Das Buch verbindet Konzepte der Erinnerungsforschung mit Ansätzen der Friedens- und Konfliktforschung. Eine Diskursanalyse von rund 600 Zeitungsartikeln verdeutlicht, wo und wie Vergangenheitsbezüge im Mobilisierungsprozess zum Tragen kamen. Narrative Interviews machen die Perspektive der im Konflikt mobilisierten Bevölkerung sichtbar. Dabei zeigt sich, dass familiale Erinnerung bei gleichzeitiger Verschränkung von Information und Emotion die Wahrnehmung öffentlich vermittelter Erinnerungen entscheidend beeinflusst.

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4. Die Ethnisierung von Interessen in der sowjetischen Nationalitätenpolitik

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Der nordossetisch-inguschetische Konflikt ist nur vor dem Hintergrund der sowjetischen Nationalitätenpolitik zu verstehen, die das Denken und Handeln der zentralen Akteure maßgeblich prägte. Die Nationalitätenpolitik verband eine spezifische Idee mit konkreten Strukturen, sie „konstruierte“ Nationen und stellte Weichen für die Lebensbedingungen der national definierten sowjetischen BürgerInnen. Die Konstruktion von Erinnerung hatte dabei einen wichtigen Stellenwert. Anhand der Nationalitätenpolitik lassen sich zentrale gesellschaftliche Regelsysteme illustrieren, vor deren Hintergrund die späteren Konfliktakteure handelten.

Im vorliegenden Kapitel widme ich mich entlang meiner Analysefragen zunächst den Kriterien für territoriale Zugehörigkeit, wie sie im Rahmen der Nationalitätenpolitik festgelegt waren. Daran anschließend befasse ich mich mit dem Akteursverständnis, das der Nationalitätenpolitik zugrunde lag. Abschließend erfolgt die Zusammenfassung der grundlegenden Logiken und Regeln, die sich aus der sowjetischen Nationalitätenpolitik ergaben, und die die Grundlage für den nordossetisch-inguschetischen Konflikt bildeten.

4.1. Die Logik des ethnoterritorialen Aufbaus der Sowjetunion

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