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Erinnerung als Mobilisierungsressource im Vorfeld ethnisierter Gewaltkonflikte

Das Beispiel Nordossetien – Inguschetien, 1989–1992

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Dana Jirouš

Die Autorin untersucht Erinnerungsprozesse im Vorfeld der Konflikteskalation im Prigorodnyj Rajon (Nordossetien). Geschichte und Erinnerung sind in den meisten Gesellschaften umkämpft: sie werden zu Konfliktgegenständen und sie dienen Konfliktakteuren als Argumente für ihre jeweiligen Positionen. Das Buch verbindet Konzepte der Erinnerungsforschung mit Ansätzen der Friedens- und Konfliktforschung. Eine Diskursanalyse von rund 600 Zeitungsartikeln verdeutlicht, wo und wie Vergangenheitsbezüge im Mobilisierungsprozess zum Tragen kamen. Narrative Interviews machen die Perspektive der im Konflikt mobilisierten Bevölkerung sichtbar. Dabei zeigt sich, dass familiale Erinnerung bei gleichzeitiger Verschränkung von Information und Emotion die Wahrnehmung öffentlich vermittelter Erinnerungen entscheidend beeinflusst.

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8. Erinnerung als Mobilisierungsressource

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Ausgehend von der Beobachtung, dass Konfliktakteure in ethnisierten Gewaltkonflikten häufig historische Argumentationen nutzen, bin ich der Frage nach Erinnerung als legitimatorische Ressource in der Konfliktmobilisierung nachgegangen. Obwohl die Bedeutsamkeit von Geschichte und Erinnerung für (Gewalt-)Konflikte bereits mehrfach konstatiert wurde, blieb eine genaue Erforschung von Erinnerung im Mobilisierungsprozess bislang aus. Diese Forschungslücke ist nun mit dieser Arbeit geschlossen worden und erstmals wurden systematisch Ansätze aus der Friedens- und Konfliktforschung mit zentralen Konzepten der Erinnerungsforschung verbunden.

Die Erinnerungsforschung nimmt eine konstruktivistische Forschungsperspektive ein, indem sie (Re-)Konstruktionen von Vergangenheit auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen untersucht. Dieser Fokus bot einerseits wichtige und neue Ansatzpunkte für meine Untersuchung eines ethnisierten Gewaltkonfliktes, da damit erstens Erinnerung in ihrer identitäts- und sinnstiftenden Funktion als Mobilisierungsressource untersucht und zweitens verschiedene gesellschaftliche Ebenen in den Blick genommen werden konnten. Andererseits ergaben sich daraus auch Einschränkungen, insbesondere hinsichtlich der Frage nach konkreten Akteuren sowie nach dem Handeln, das meinem Verständnis nach für die Untersuchung von Mobilisierungsprozessen essentiell ist. Außerdem können erinnerungstheoretisch motivierte Analysen zwar auf Vergangenheitskonstruktionen basierende, legitimatorische Diskurse identifizieren, jedoch fehlt ihnen eine Erklärung, wie diese Diskurse eine mobilisierende Wirkung entfalten können. Um diese Frage beantworten zu können, habe ich mich auf Ansätze der Friedens- und Konfliktforschung gestützt, die sich mit den Handlungsmotiven von Individuen in Konflikten auseinandersetzen und damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Mobilisierungsprozessen leisten. Meines Erachtens nach können Diskurse (Ideen) nicht an...

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