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Indigene Schreiber im kolonialen Peru

Zur juristisch-administrativen Textproduktion im Jauja-Tal (16. und 17. Jahrhundert)

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Ulrike Kolbinger

Dieses Buch untersucht den sprachlichen und textuellen Erfahrungsraum indigener Schreiber in der öffentlich-rechtlichen Sphäre während des 16. und 17. Jahrhunderts in Peru, der bislang von der Hispanistik und der historischen Forschung kaum beachtet worden ist. Die empirische Grundlage bilden erstmals zugänglich gemachte juristisch-administrative Texte, die im Jauja-Tal in den zentralen Anden Perus auf Spanisch entstanden. Die Autorin unterzieht sie einer pragmatisch orientierten Textanalyse. Die Berücksichtigung der historischen Verortung der Daten und der Sprachkontaktsituation Spanisch-Quechua im Jauja-Tal, die diese Studie durch eine qualitative Analyse gewährleistet, erweist sich als Schlüssel zu einer angemessenen Interpretation der Texte.

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4 Die juristisch-administrativen Texte im Korpus

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Die Indigenen wurden als Untertanen der Krone in die kolonialherrschaftlichen Strukturen der Krone und Kirche sowie in Kommunikationszirkel mit öffentlich-rechtlichem Anspruch eingebunden. In der Kolonialherrschaft wurden außerdem öffentlich-rechtliche Vorgänge und Angelegenheiten zentral und bürokratisch auf schriftlicher Grundlage erfasst, zumal die Schriftkommunikation als Herrschafts- und Kontrollinstrument der spanischen Krone diente. Dank der Archivierungstradition bei Gericht und in der notariellen Dokumentation sind juristische und notarielle Texte, welche für die betrachtete Zeitspanne 1532−1700 im Jauja-Tal lokalisiert werden können und von Indigenen stammen, in größerem Umfang erhalten und bilden die empirische Grundlage für diese Studie. In den Korpustexten wird auf Texttraditionen zurückgegriffen, die die Diskursdomäne Recht und Verwaltung prägen.142 Im Folgenden werden die Korpustexte deshalb als juristisch-administrative Texte bezeichnet. Aus Sicht der historischen Hilfswissenschaften handelt es sich hierbei um Akten, Urkunden und Briefe.

Die Linguistik hat juristisch-administrative Texte aus dem kolonialen Amerika als solche bislang kaum wahrgenommen. Nur einzelne amerikanische „documentos no literarios“ (Rivarola 2009: 9) wurden Gegenstand von Editionen und ersten sprachwissenschaftlichen Betrachtungen. Bereits Ende der 1980er Jahre richtete Rivarola sein Augenmerk auf das Spanische in diesen Dokumenten: ← 91 | 92 →

Han comenzado a aparecer muestras de este castellano en documentos privados de bilingües que pueden ser identificados como miembros de esa aristocracia étnica enfrascada en procesos judiciales reivindicativos. (Rivarola 1989: 157)

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