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Der Anspruch auf Auskunft über die Identität der eigenen genetischen Eltern

Ein Rechtsvergleich für Deutschland und Österreich

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Tania Majercik

Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über die Rechtsfragen und einschlägigen nationalen sowie internationalen Rechtsquellen im Zusammenhang mit Ansprüchen auf Auskunft über die Identität der eigenen biologischen Eltern. Die Autorin stellt dabei die Rechtsordnungen von Österreich und Deutschland gegenüber. Sie erläutert die Existenz und Reichweite des Grund- und Menschenrechts auf Kenntnis der eigenen Abstammung und die familienrechtlichen Regelungen zur rechtlichen Abstammung. Sie untersucht, ob Personen, die ihre eigene leibliche Abstammung nicht kennen, Ansprüche auf Auskunft über die Identität der eigenen genetischen Eltern haben. Die Autorin bildet dabei vier Fallgruppen: Kinder ohne rechtliche väterliche Abstammung, Kinder mit Scheineltern, Adoptivkinder und Fälle der Fortpflanzungsmedizin.

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2. Österreich

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Die Adoptionsvermittlung ist im österreichischen Recht seit 1.5.2013 im „Bundesgesetz über die Grundsätze für Hilfen für Familien und Erziehungshilfen für Kinder und Jugendliche“ (Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz 2013 - B-KJHG 2013) in dessen §§ 32 ff. geregelt.1212 Mit diesem Gesetz wurde auch das Recht des Kindes auf Einsichtnahme in die Adoptionsvermittlungsunterlagen im nationalen Recht ausdrücklich normiert.1213 Im Übrigen war das Haager Adoptionsschutzabkommen nach Auffassung des österreichischen Gesetzgebers ohnehin unmittelbar anwendbar,1214 nun enthält § 33 Abs. 2 B-KJHG 2013 auch einen entsprechenden Verweis auf die Regelungen des Abkommens.

Nach § 31 Abs. 4 S. 1 B-KJHG 2013 sind Informationen über die leiblichen Eltern beziehungsweise Elternteile zu dokumentieren und 50 Jahre ab rechtskräftiger Bewilligung der Adoption aufzubewahren. Mit der Obsorge des Adoptivkindes betraute Personen können aus besonders wichtigen medizinischen oder sozialen Gründen Auskunft über die leiblichen Eltern verlangen, solange das Adoptivkind das vierzehnte Lebensjahr nicht vollendet hat, § 31 Abs. 4 S. 2 B-KJHG 2013. Nach Vollendung des vierzehnten Lebensjahres steht dieses Recht dem Adoptivkind selbst zu, § 31 Abs. 4 S. 2 B-KJHG 2013. Aus der Formulierung von § 31 Abs. 4 S. 2, 3 B-KJHG 2013 und der Gesetzesbegründung ergibt sich, dass auch das Einsichtnahmerecht des Kindes auf besondere wichtige Gründe beschränkt ist. In der Gesetzesbegründung werden als Beispiel Erbkrankheiten und die Knochenmarkspende genannt.1215 Diese Beschränkung des Einsichtnahmerechts des Kindes erstaunt, da der Gesetzgeber die Normierung des Einsichtnahmerechts mit dem Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung aus Art....

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