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Österreichische Landesausstellungen

Entstehung, Funktion & regionale Bedeutung

Regina Stein

Nahezu jeder in Österreich kennt sie: Landesausstellungen. Doch weshalb und durch wen werden sie organisiert und was macht sie so besonders? Seit wann und an welchen Orten finden Landesausstellungen statt und welchen Nutzen bringen sie in der Peripherie? Auf welche Weise verändern sie Blickwinkel – und sind Landesausstellungen heute nicht eigentlich überholt?

Diesen und anderen Fragen geht die Autorin in ihrer Studie nach: Sie befragt Ausstellungskuratoren und Kulturpolitiker, Architekten und Gestalter, Denkmalpfleger und Tourismusplaner, recherchiert auf Burgen, in Museen, Archiven, Klöstern, Kirchen, Gärten, Bergwerken und Kasematten – und stößt auf ein facettenreiches und buntes Bild lebendiger regionaler Identitäten, die zusammen eines ausmachen: das Kulturland Österreich.

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B.3. Die tirolische Nation und Europa (1965–1984)

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3.1. Tiroler Kulturpolitik unter Fritz Prior (1965–1989)

Landesausstellungen sind als politische Instrumente besonders bestimmt von den Belangen regionaler Kulturpolitik; sie werden eingebunden in das durch die Landeskulturreferenten vertretene kulturpolitische Programm. Der Landtag entscheidet über finanzielle Zuteilungen aus dem Kulturbudget des Landes und fordert hernach entsprechende Berichte und Stellungnahmen über Erfolg und Resonanz der bewilligten Landesausstellung. Daher scheint es nahe liegend, jene Berichte und Interviews regionaler Zeitungen, die Tiroler Kulturberichte sowie die Stenographischen Berichte bzw. Protokolle des Tiroler Landtages auszuwerten, um anhand der Stellungnahmen der Kulturreferenten in der öffentlichen Presse, der politischen Gremien und der Meinungsbilder im Landtag zunächst jene Argumente und Entstehungshintergründe für die ersten Tiroler Landesausstellungen vor dem Hintergrund regionaler Kulturpolitik herauszuarbeiten.

Mitte der 1960er Jahre trat Fritz Prior als Nachfolger von Hans Gamper (der wiederum unter dem Vorstand der Tiroler Kulturabteilung Gottfried Hohenauer458 von 1947 bis 1961 gearbeitet hatte) das Amt des Landeskulturreferenten an, das er gut ein Vierteljahrhundert ausfüllen sollte. In Fortsetzung von Hohenauers Arbeit des Bahnens neuer Wege für Kultur und Kunst Tirols in der Öffentlichkeit sowie der Pflege und Beförderung des reichen kulturellen Erbes, um es der Nachwelt zu hinterlassen, verfolgte Prior als Schul- und Kulturreferent eine eigene heimatbetonte und regionsverbundene, aber auch offene und zukunftsschauende Kulturpolitik: „Die Kulturpolitik für morgen ist die Bildungsarbeit von heute.“459 Seine Politik beschränkte sich nicht nur auf Erwachsenenbildung und Volkskultur, vielmehr begründete er ein Vorgehen, das seine politischen Zeitgenossen im Rückblick...

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